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Uralte Vorstellungen vom letzten Kampf zwischen Gut und Böse gibt es in vielen Religionen. Grafik: Die vier Reiter der Apokalypse: Viktor Vasnetsov, 1887
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Wann endlich kommt das Friedensreich?

Zukunft

Aus der Printausgabe - UK 52 / 2018

Von Thomas Grüter | 28. Dezember 2018

Seit Anbeginn der Geschichte sehnen sich die Menschen nach Gerechtigkeit und Frieden. Aber sie bekommen beides nicht hin. Und so verlagerten sich ihre Hoffnungen immer weiter in die Zukunft – auf eine ferne Endzeit. Aber wann ist es endlich soweit?

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Uralte Vorstellungen vom letzten Kampf zwischen Gut und Böse gibt es in vielen Religionen. Grafik: Die vier Reiter der Apokalypse: Viktor Vasnetsov, 1887

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Das alte Jahr geht, das neue kommt. Die Welt bleibt so unvollkommen, wie sie immer war, Gerechtigkeit ist ein seltenes Gut, und überall auf der Welt toben kleinere und größere Kriege. Wird es da nicht irgendwann Zeit für die große Umwälzung, für die Schaffung einer vollkommen gerechten und friedlichen Welt?

Diese Frage treibt die Menschen seit der Antike um. Schon mehr als 600 Jahre vor Christus lehrte der persische Religionsgründer Zarathustra, dass die Seelen der guten Menschen nach ihrem Tod in ein Paradies eingehen, böse Seelen aber in die Hölle geworfen werden. Ein Endgericht wird über Lebende und Tote abgehalten. Dann beginnt das ewige Zeitalter der Gerechtigkeit.

Die Juden entwickelten solche Ideen erst später. Unter der Besatzung der Seleukiden wurde ihnen ab 167 v. Chr. zeitweise der  Tempeldienst verboten. Das löste einen ungeheuren Aufruhr aus. Gläubige holten alte Prophezeiungen hervor, nach denen Gott einen König aus dem Hause Davids senden werde, um das jüdische Königreich wieder herzustellen. Der Messias, also der Gesalbte, wurde er genannt. Außerdem wolle Gott ein wunderbares neues Jerusalem schaffen.

Zur Zeit Jesu dann traten in Israel verschiedene Messiasse auf. Inzwischen hatten die Römer die Herrschaft übernommen und das Land unterjocht. Von Jesus erwarteten viele Anhänger, dass er im Sinne der Prophezeiungen ein neues Zeitalter einleitete und die Römer aus dem Land warf. Als er gekreuzigt wurde, erlosch diese Hoffnung. Der christliche Glaube, dass Jesus wieder auferstanden und in den Himmel aufgefahren war, verlagerte diese Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit auf eine spätere Endzeit. Das Matthäus-Evangelium enthält einen Passus, in dem Jesus seine Wiederkehr ankündigt. Eine Zeit des Leidens und der Bedrückung stehe bevor. Auf ihrem Tiefpunkt werde die Sonne sich verfinstern, der Mond erlöschen und die Sterne vom Himmel fallen. Das Zeichen des Menschensohns werde am Himmel erscheinen und das Gericht beginnen.
Während im Judentum ein gerechter König den Weltfrieden bringen sollte, erwarteten die Christen ein individuelles Gericht über alle Menschen. Die Guten erwartet ewige Freude im Himmel, die Bösen endlose Qualen in den Feuern der Hölle. Nicht nur das Volk soll von Bedrückung und Ungerechtigkeit erlöst werden, sondern jeder einzelne Mensch. Diese Vorstellung teilt das Christentum mit dem Islam.

Immer wieder haben Gelehrte und Hobby-Forscher versucht, das Datum des Weltendes zu berechnen. Isaac Newton kam nach komplexen Berechnungen auf das Jahr 2060 als frühesten Termin. Vor einigen Jahren erregte die „Maya-Prophezeiung“ die Gemüter. Danach endete der Maya-Kalender angeblich am 21. Dezember 2012. Seitdem sind schon mehr als ein halbes Dutzend weiterer Daten für das Weltende ereignislos verstrichen.

Die Position der großen Kirchen zu jeglicher Untergangs-Arithmetik ist eindeutig: Eine Berechnung göttlicher Ratschlüsse ist unmöglich.

Woher wissen wir eigentlich, wann das Weltende naht? Fast alle Propheten nennen zwei Anzeichen: Zum einen geht es den Menschen so schlecht wie nie zuvor. Zum anderen beginnt die Natur verrückt zu spielen. In der Offenbarung des Johannes treten allerlei Plagen auf, Sonne, Mond und Sterne erlöschen und Vulkanausbrüche töten einen Großteil der Menschen. Vier apokalyptische Reiter (Krieg, Gewalt, Teuerung und Tod) ziehen über eine untergehende Welt. Die Heerscharen der Guten und der Bösen treffen sich zu einer letzten gewaltigen Schlacht, bei der die Guten unter Aufbietung aller Kräfte den Sieg davontragen. Auch die moslemische Tradition prophezeit einen solchen Endkampf.

Für die meisten Menschen in Deutschland sind diese Vorstellungen nicht real. Die Führung des Islamischen Staats predigt dagegen ihren Kämpfern, dass die letzte Schlacht vor dem Weltuntergang unmittelbar bevorstehe.

Auch etwa 40 Prozent der US-Amerikaner sehen sich heute in der biblischen Endzeit. Diese Haltung ist gefährlich. Wer glaubt, den letzten Kampf gegen das Böse auszufechten, wird den Gegner unbedingt vernichten wollen. Schließlich hängt von seinem Sieg die Erlösung der Menschheit ab.

Der Autor ist Arzt und Sachbuchautor. Er hat unter anderem das Buch „Faszination Apokalypse“ geschrieben.

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