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In sich gekehrt: Sven hat mit den ersten Erschöpfungszuständen seiner Pilgerreise, vor allem aber mit äußeren und inneren Verletzungen zu kämpfen. Foto: 3sat

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Eine Armlänge Welt

TV-Tipp: 3sat, Mo, 17.12., 22.25 Uhr

17. Dezember 2018

Der taubblinde Sven will den 800 Kilometer langen Jakobsweg nach Santiago de Compostela meistern. Doch die Reise birgt Gefahren jenseits des körperlichen Handicaps.

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In sich gekehrt: Sven hat mit den ersten Erschöpfungszuständen seiner Pilgerreise, vor allem aber mit äußeren und inneren Verletzungen zu kämpfen. Foto: 3sat

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Sven Fiedler hat das Usher-Syndrom, eine Krankheit, bei der Hör- und Sehvermögen langsam schwinden und er immer mehr von seiner Umwelt isoliert wird. 2017 bricht er mit einem Team von Assistentinnen auf, begleitet von der Filmemacherin Susanne Bohlmann.

Zwei Jahre lang plante Sven seine große Reise akribisch. Doch was zunächst als Heldenreise beginnt, entwickelt sich zu einer Tour de Force für alle Beteiligten. Sven bekommt Probleme mit den Knien, vor allem aber fühlt er sich von seinen Taubblindenassistentinnen (TBAs) im Stich gelassen. Ein Abbruch der Reise ist für ihn aber unvorstellbar.

Schritt für Schritt bewältigen Sven und seine sich abwechselnden Helferinnen die 800 Kilometer lange Strecke durch Frankreich und Spanien. Längst zählen nicht mehr das gemeinsame Unterwegssein, sondern das bloße Vorankommen und der Kampf gegen einen fatalen Vertrauensverlust auf beiden Seiten. Manch verzweifelte Assistentin fährt mit dem Gefühl des Versagens und der absoluten Hilflosigkeit nach Hause. Sven wird erst wieder zu Hause in seinem kleinen Reich in Rottweil zu Ruhe und Ausgeglichenheit finden und über seinen Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung reflektieren, den er sich in der Wirklichkeit der Reise trotz aller Unterstützung nicht erfüllen konnte.

Susanne Bohlmann hatte mit der Reisegruppe verabredet, den Beginn und das Ende der Wanderung zu dokumentieren. Als sich jedoch gegen Ende des ersten Drehblocks die Konflikte zwischen Sven und seinen TBAs abzeichneten, entschied Bohlmann zu bleiben und ohne ihr Filmteam die Reise zu dokumentieren. Langsam verstand sie Svens Frustration und warum seine Begleiterinnen, die ihn zum Teil schon lange kannten, nicht mehr zu ihm durchdrangen, sondern er sich von ihnen verraten fühlte.

Durch die Begleitung der Reise und des Konflikts gelingt Bohlmann, das Wesentliche der Situation Svens zu erfassen: seine Einsamkeit in einer von optischen und akustischen Reizen abgeschlossenen Innenwelt und die Gründe dafür, nicht genug vertrauen zu können.

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