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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 14. Dezember 2018

Woche vom 16. bis 22. Dezember

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Sonntag:    Psalm 33
Montag:     Jesaja 29, 1-8
Dienstag:     Jesaja 29, 9-16
Mittwoch:     Jesaja 29, 17- 24
Donnerstag:     Jesaja 32, 1- 8
Freitag:     Jesaja 33, 17-24
Samstag:     Jesaja 35, 1-10

Erneut kreisen die alten Prophetenworte um die Stadt Jerusalem, die hier Ariel (=Gottes Herd) genannt wird. Sie wird bedroht, sie wird angegriffen und zerstört. Sie wird aber auch immer wieder errettet aus ihrer Angst und wieder aufgebaut. So wird sie  zum Symbol der Hoffnung, zum Signal für jene Neue Stadt, die einmal sein wird und in der Gott das Heil der ganzen Welt erkennbar macht. Dieses Motiv zieht sich durch die ganze Glaubensgeschichte nicht nur Israels, sondern auch später der Christenheit. Aber der Weg ist weit und steinig und keineswegs gradlinig. Viele Umwege und Scheidewege, Kreuzungen und sogar Sackgassen werden für die Glaubenden zu bewältigen sein. Dabei kommen die Gefährdungen keineswegs nur von außen, von Feinden oder Fremden. Das ganz gewiss auch, aber die Hauptgefahr droht dem Gottesvolk von innen.

„Der Tiefschlaf der Seelen“ (28,10) ist über die Verantwortlichen gekommen, obwohl doch die Weisungen Gottes in der Tora klar geschrieben stehen. Die Machthaber und Lehrenden verdrehen die Verhältnisse, als ob das Geschaffene über dem Schöpfer stünde! Wobei die Redewendung vom „Ton in des Töpfers Hand“ (29,16) nicht etwa auf eine spielerische Laune des Schöpfers hinweist, so als ob der die einen gut und schön und die anderen unvollkommen und mit Fehlern geschaffen habe. Es gibt vor Gott keine „misslungenen Menschen“; alle sind seine Kinder und im Stande von Erben!

Wir wissen heute, dass die erbarmungslose Leidensgeschichte jener Stadt und der Menschen noch immer nicht zu Ende ist. Jesaja wusste noch nichts von dem Empfang, der hier Jesus bereitet werden würde, er ahnte noch nichts von dessen Kreuz und Auferstehung. Und die Propheten ahnten erst recht noch nichts von der Zeit danach. Die Römer (Titus) haben Jerusalem um das Jahr 70 völlig dem Erdboden gleichgemacht, viele sahen darin sogar eine Strafe Gottes für die Schuld! Aber der Name Colonia Aelia Capitolina, mit dem um 130 Kaiser Hadrian alles Alte auslöschen wollte und der bis zur islamischen Eroberung 638 der offizielle Name der Stadt blieb, hat sich am Ende nicht gehalten.

Die Verheißung und damit die Hoffnung dieser Stadt kann nicht auf ewig vernichtet werden. So verheißen es schon die Propheten der alten Zeit wie hier Jesaja. 35,10 liest sich wie ein strahlendes „dennoch“ gegen allen Augenschein. Das ist auch nach Jesu Leiden und Auferstehen so geblieben. Aber am Ziel aller Geschichte wird auch die neue Stadt Gottes den Namen Jerusalem tragen und dabei hat es den Anschein, als ob damit gar nicht mehr der irdische Ort in den Bergen Judäas gemeint ist. Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen (35,10). Welch eine Zusage!

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