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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 7. Dezember 2018

Woche vom 9. bis 15. Dezember

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Sonntag:    Psalm 1
Montag:     Jesaja 14,1-23
Dienstag:     Jesaja 19,16-25
Mittwoch:     Jesaja 25,1-12
Donnerstag:     Jesaja 26,1-6
Freitag:     Jesaja 26,7-21
Samstag:     Jesaja 28,14-22

Die Texte dieser Woche sind eine Auswahl aus verschiedenen Wirkungsperioden dieses ersten Jesaja. Sie richten den Blick aus dem „kleinen“ Jerusalem und dem Südreich nach außen. An dem Schicksal des leichter zugänglichen, da näher an den Heer- und Handelswegen gelegenen Nordreiches mit der Hauptstadt Samaria (Kap.28) zeigte sich wieder einmal dramatisch, dass diese Region im Nahen Osten seit Beginn ihrer Geschichte im Brennpunkt gewaltiger Kräfte stand und auch heute noch steht. Eine bedrohte Existenz!

Die Landkarte macht schnell klar: Gefahr kam aus dem Norden aus Assur oder Assyrien; Gefahr kam aus Süden, aus Ägypten; Gefahr kam aus dem Osten, aus Persien und Babylonien, und Gefahr kam nicht zuletzt von der Mittelmeerseite her, das den Israeliten in historischen Zeiten als Volk der Wüste eher fremd geblieben ist. Die Philister oder Phoenizier hingegen waren echte Seevölker.

Das Grundproblem dieser Region ist im Grunde über die verschiedensten Zeitepochen gleich geblieben. Die Kräfte, die hier aufeinandertrafen, mussten im Gleichgewicht gehalten werden. Die politische Klugheit zwang zu sorgsam abgewogenen Bündnisüberlegungen, um einen möglichst großen Lebensraum in Grenzen zu erhalten, die man selbst nur bedingt schützen konnte.
Die innere Gefahr bestand für Israel darin, über all den Bündnissen und Abhängigkeiten die eigene Identität nicht zu vergessen, sich zu sehr den jeweils Mächtigsten anzupassen und damit  – religiös gesprochen – die Auserwählung durch Gott zu verspielen. Die eigenen Kräfte reichen in diesem gefährlichen Spannungsfeld zu oft nicht aus, um äußeren Frieden zu schaffen. Friede ist eine Gottesgabe: „Uns, Herr, wirst du Frieden schaffen; denn auch alles, was wir ausrichten, das hast du für uns getan.“ (26,12) Selbst ehrliche Bereitschaft zum Frieden genügte in dieser Situation nicht!

Jerusalem wird als Stadt im Laufe dieser Geschichte immer mehr zu einem Symbol der Hoffnung auf den endgültigen Frieden in einer zerstrittenen Welt. „Wenn wir das Jerusalemproblem gelöst haben, ist der entscheidende Schritt zum Frieden in dieser Region getan, der auch Auswirkungen auf die ganze Welt hat.“ Wieviele Verantwortliche auch der Gegenwart mögen diesen Satz schon gesagt haben?
Die Predigt des Propheten Jesaja zeugt von großer Nüchternheit, die ihn zu dieser leidenschaftlichen und kritischen Klarheit befähigt. Er geißelt auch seinen Berufsstand, seine Mitpropheten dafür, dass sie sich lieber betrinken als nachzudenken, dass sie lallen (28,10) und nicht Klartext reden oder ihren seelsorgerlichen Auftrag wahrnehmen und mit den Müden reden und einen Ort der Ruhe (=Sabbat!) schaffen, wie es Gott von ihnen erwartet.

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