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Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Was wäre das schön! Endlich weg mit mit dem Alten, Verbrauchten. Endlich weg mit all dem, was wir Menschen im Laufe von Jahrtausenden zerstört haben – und was jede und jeder Einzelne von uns im Laufe unserer Lebenszeit noch hinzufügt an Zerstörung. Alles wegspülen, wie nach einem Gewitter – oder doch nicht? Bei Gott ist das Alte aufgehoben, jede Sekunde unserer Zeit. Und gleichzeitig gilt: Einmal wird alles neu. Darauf leben wir hin. Foto: Daniel

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Hoffnung in Bildern

Andacht

Von Ulrich Radke | 25. November 2018

Über den Predigttext zum Ewigkeitssonntag: Jesaja 65, 17-19 (20-22) 23-25

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Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Was wäre das schön! Endlich weg mit mit dem Alten, Verbrauchten. Endlich weg mit all dem, was wir Menschen im Laufe von Jahrtausenden zerstört haben – und was jede und jeder Einzelne von uns im Laufe unserer Lebenszeit noch hinzufügt an Zerstörung. Alles wegspülen, wie nach einem Gewitter – oder doch nicht? Bei Gott ist das Alte aufgehoben, jede Sekunde unserer Zeit. Und gleichzeitig gilt: Einmal wird alles neu. Darauf leben wir hin. Foto: Daniel
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Ulrich Radke (62) ist Hospizpfarrer im Kirchenkreis Recklinghausen und Seelsorger im Hospiz zum Heiligen Franziskus in Recklinghausen.

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Predigttext
17 Alles mache ich jetzt neu: Einen neuen Himmel schaffe ich und eine neue Erde. Dann sehnt sich niemand nach dem zurück, was früher einmal gewesen ist; kein Mensch wird mehr daran denken. 18 Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich nun schaffe! Ich mache Jerusalem zur Stadt der Freude und seine Bewohner erfülle ich mit Glück. 19 Ich selbst will an Jerusalem wieder Freude haben und über mein Volk glücklich sein. Niemand wird mehr weinen und klagen. (...) 23 Sie werden sich nicht vergeblich abmühen. Die Frauen gebären ihre Kinder nicht länger für eine Zukunft voller Schrecken. Sie sind mein Volk, ich segne sie; darum werden sie mit ihren Kindern leben. 24 Noch ehe sie zu mir um Hilfe rufen, habe ich ihnen schon geholfen. Bevor sie ihre Bitte ausgesprochen haben, habe ich sie schon erfüllt. 25 Wolf und Lamm werden dann gemeinsam weiden, der Löwe frisst Häcksel wie das Rind, und die Schlange nährt sich vom Staub der Erde. Auf dem Zion, meinem heiligen Berg, wird keiner mehr Böses tun und Unheil stiften. Ich, der HERR, sage es.

Was für eine imposante Verheißung! Was für eine Erfüllung für enttäuschte, geschundene menschliche Körper und Seelen. Und was für ein Gegensatz zur Wirklichkeit dieser Welt: Braune Horden, die durch die Straßen, auch durch meine Heimatstadt ziehen; Naturkatastrophen, die über unseren Erdball jagen; Mütter, Väter und ihre Kinder, die körperliche und seelische Opfer von Machtmissbrauch in großen und kleinen Kriegen sind.

Ja, die gute Schöpfung Gottes wird von uns Menschen mit Füßen getreten. Und dann dieser Text! Er löst nicht nur bei mir eine menschliche Sehnsucht nach etwas Neuem aus. Die Sehnsucht, jetzt schon eine neue Erde und einen neuen Himmel zu schaffen.

Glauben, auch wenn wir die Welt nicht verstehen

Mir kommt Frau B. in den Blick. Ich habe sie fast ein Jahr im Hospiz zum Heiligen Franziskus begleitet. Eine sehr warmherzige offene Frau, die mir Einblick in die menschlichen Höhen und Tiefen ihres Lebens, auch des Haderns mit Gott gewährte. In jungen Jahren verlor sie ihren Sohn im Alter von 20 Jahren aufgrund eines tragischen Verkehrsunfalls. Bis dahin war ihre Welt und die Glaubensgeschehnisse im harmonischen Einklang. Danach verstand Frau B. verständlicherweise die Welt nicht mehr. „Da war kein neuer Himmel und keine neue Erde.“

Nun lag sie aufgrund einer unheilbaren Krebserkrankung im Hospiz und fand trotz ihrer Zweifel, der Schmerzen, der Niederschläge des Lebens Gott wieder.
Als der Tod und der Sterbepunkt immer näher kamen, ließ sie mich rufen. Frau B. war bei meinem Eintritt in ihr Zimmer schon gezeichnet vom herannahenden Tod – aber sie erkannte mich und konnte auch klar und verständlich mit mir sprechen. Wir wussten beide, dass wir von einander Abschied nehmen würden, obwohl dies nicht direkt ausgesprochen wurde – das musste auch nicht.

Als ich sie fragte, ob sie denn Angst vor dem hätte, was nun kommen würde, verneinte sie meine Frage und antwortete mir: „Ich habe keine Angst – denn ich weiß nunmehr, wo ich hingehe und wer mich aufnimmt.“

Wer neuen Lebensmut auch im Sterben schöpfen möchte – und nein, das ist sicherlich kein Gegensatz –, braucht Hoffnungsbilder und Erfahrungen von gelungenem Vertrauen. Gott hat uns solche Hoffnungsbilder geschenkt, damit wir uns daran festhalten können und nicht aus dem Blick verlieren, dass er uns und unser Leben auch über den Tod hinaus in seiner Hand hält, damit wir einen neuen Blick aufs Leben gewinnen.

Dann sind auch für uns Menschen unmögliche Dinge möglich: „Wolf und Lamm werden dann gemeinsam weiden, der Löwe frisst Häcksel wie das Rind, und die Schlange nährt sich vom Staub der Erde“ (Vers 25). Möge es geschehen, dass wir auch im Leiden gerade an diesem Ewigkeitssonntag, wo wir diese Nähe Gottes erleben und neue Kraft und Hoffnung daraus schöpfen, immer wieder mutig aufbrechen auf den Weg ins Leben.

So weist uns der letzte Sonntag im Kirchenjahr auf die von Gott neu gestaltete Erde hin, welche wir schon beginnen können, an der wir jetzt schon arbeiten. So werden wir Teil des „himmlischen Jerusalem“, als künftige Gemeinschaft der von Gott Erlösten, und damit bleibt dieser Sonntag des Gedenkens und des Trauerns nicht der Schluss- und Endpunkt, sondern er gewährt uns den Blick auf die Zeit des Ankommens und der Freude über unseren Herrn.

Gebet: Herr unser Gott. Ein neuer Himmel und eine neue Erde – welch eine Aussicht. Gib uns Mut und Kraft, dass wir dir vertrauen und jetzt schon daran arbeiten können, damit unser Leben auch in Zeiten von Mutlosigkeit, Trauer, Schmerz und Tod eine neue Perspektive bekommt. Amen.

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