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Verglichen mit anderen Ländern oder früheren Zeiten war die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland bislang eine ruhige Angelegenheit. Das ändert sich gerade. Was das bedeutet? Foto: TSEW

Anders geht es nicht  

Kirche und Gesellschaft

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 23. November 2018

Migration und Flucht – diese Themen haben das Land verändert. In der Debatte, wie es weitergehen soll, meldet sich jetzt auch die westfälische Synode zu Wort. Richtig so

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Verglichen mit anderen Ländern oder früheren Zeiten war die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland bislang eine ruhige Angelegenheit. Das ändert sich gerade. Was das bedeutet? Foto: TSEW

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Die Themen Zuwanderung („Migration“) und Flucht haben die Bundesrepublik verändert. Seit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 ist die Bevölkerung gespalten, quer durch alle etablierten Parteien und Gruppierungen. Manche reden vom Ende der Volksparteien. Mit der AfD ist eine Partei dazugekommen, die wie wohl kaum eine andere in der Geschichte der Bundesrepublik die Gemüter in Wallung bringt – in Zustimmung und Ablehnung.

Zur Symbolfigur für die veränderte Lage ist Bundeskanzlerin Angela Merkel geworden. Menschen, die sich früher nicht im Traum hätten einfallen lassen, ihr die Stimme zu geben, unterstützen sie jetzt. Gerade wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage. Andere – auch in ihrer eigenen Partei – haben sich von ihr losgesagt. Für manche ist sie zur Hassfigur geworden.

Das alles mag man bedauern. Die Spaltung. Die Heftigkeit. Die Angriffe. Man mag das falsch finden. Die Meinungen. Die Tiraden. Den Hass. Aber das ist: Demokratie.
Keine strahlende Demokratie, über die man jubeln möchte. Sie ist schmutzig. Hässlich. Manchmal fast bösartig. Aber sie ist die Auseinandersetzung, der legitime Streit, mit dem die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ihren Weg sucht. Hier windet sich der „Demos“,  das Staatsvolk, das der „Demokratie“ den Namen gibt.
Dieser Demos, wie er im Moment auftritt, mag einem passen oder nicht. Aber: So ist er nun mal. Einen anderen haben wir nicht.

Man kann jetzt jammern und klagen. Wie schlimm alles geworden ist. Wie schlimm es noch werden wird. Oder man kann versuchen, diesen Diskurs – diese schmerzhafte, wütende, oft unappetitliche Auseinandersetzung – mitzugestalten.
Denn es gibt Anzeichen dafür, dass das gelingen kann. Schauen wir genauer hin: Die Extrempositionen mögen Zulauf bekommen haben. Aber es gibt auch die Mitte der Gesellschaft. Und die findet sich neu. Diese Mitte ist bereit, nachzudenken. Kompromisse einzugehen. Sie begreift, dass eine Verständigung irgendwo zwischen den beiden Extremen „freier Zugang für alle“ und „hier darf keiner rein“ liegen muss. Sie lernt, dass Weltanschauungen ein Stück zur Seite rücken müssen – auf beiden Seiten. Das ist die Hoffnung: Auf der einen Seite gesteht man sich ein, Migration bietet Chancen, für alle. Auf der anderen Seite darf man nicht die Augen davor verschließen, dass Migration gewaltige Herausforderungen mit sich bringt. Man darf Fakten nicht ignorieren. Egal, welche vermeintliche „gute“ Absicht sich damit verbindet. Demokratie heißt: Es geht nicht ohne Kompromisse.

Es ist gut, dass sich die Kirche hier einmischt. Neben allem anderen ist sie eben auch eine gesellschaftliche Kraft. Sie kann und soll ihren Beitrag leisten, dass die Bundesrepublik Deutschland den Weg in die Zukunft findet. Die Evangelische Kirche von Westfalen hat das Thema „Kirche in der Migrationsgesellschaft“ zur Hauptvorlage bei ihrer diesjährigen Synodaltagung gemacht (siehe "Zuwanderer auch in Kirchengemeinden integrieren").

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