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Die Bibel lesen

Woche vom 18. bis 24. November 2018

Walter Schroeder | 16. November 2018

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Sonntag:                 Psalm 50
Montag:                   Jesaja 1, 1-9
Dienstag:                Jesaja 1, 10-20
Mittwoch (Buß- und Bettag):  Jesaja 1, 21-31
Donnerstag:             Jesaja 2, 1-5
Freitag:                      Jesaja 2, 6-22
Samstag:                  Jesaja 3, 1-15

 

Weihnachten ist nicht mehr weit. In diesem Jahr setzen die prophetischen Texte aber noch im alten Kirchenjahr ein und begleiten uns bereits am Volkstrauertag, am Buß- und Bettag und am Ewigkeitssonntag. In 1,3 steht der Satz, der die vermeintlich so dummen Tiere Ochse und Esel in die Weihnachtsbilder gebracht hat. Diese Tiere kommen ja in den Geburtsgeschichten selbst nicht vor. Aber Künstler haben später kaum ein Weihnachtsbild ohne sie gestaltet, denn sie erkennen ihren Herren, was man von den Menschen eben nicht sagen kann. Gegen genau diese Dummheit haben auch Propheten aller Epochen angeredet.

In diesem Jahr ist der erste Jesaja dran, der ältere, aus der Zeit noch vor dem Exil, also um 740 bis 701 vor Christus. Er ist also nicht jener vielleicht noch bekanntere zweite Namensvetter mit den Gottesknechtsliedern (ab Kapitel 40), der später während des Exils gelebt hat.

Durch die wechselvollen Zeiten seiner Geschichte hat das Volk Israel die Wüste immer als ein Bild der Nähe Gottes in sich behalten. Sie ist mehr als eine bloße Landschaft. Israel erlebt hier: Gott führt und lässt uns nicht im Stich. Auf diesem Urbild von Wüste muss man auch verstehen, wenn Jesaja nun immer wieder von „Verwüstungen“ spricht: Dabei ist das Gegenteil jener zwar harten, aber lebensrettenden Wüste gemeint, die Gottes Nähe bedeutete. Verwüstungen hingegen geschehen, wenn Menschen den eigenen Lebensraum durch Ungerechtigkeit zerstören, wenn Arme verachtet und Reiche überheblich werden und anvertraute Schöpfungsgüter ausgebeutet werden.

Aber auch Verwüstungen können immer wieder Rückführungen in ein gelobtes Land bedeuten, in dem man leben kann und in dem Schwerter nützlich sind, wenn sie zu Pflugscharen umgeschmiedet werden.

Welche Bedeutung die Botschaft des Jesaja in der jüngeren jüdischen Geschichte behalten sollte, macht Folgendes deutlich: Als im Jahre 1881 der russische Zar Alexander II. ermordet wurde, schrieb die öffentliche Meinung das den Juden zu. Unter diesem Druck verließen in einer Generation rund 2,6 Millionen Juden das Land, um in Europa, in den USA und nicht zuletzt im Gelobten Land Schutz und Unterkommen zu suchen. Eine der ersten Gruppen, die 1882 in Jaffa an Land gingen, nannte sich nach Jesaja 2,5: „Haus Jakob, geh, lass uns aufbrechen“, nach den hebräischen Anfangsbuchstaben abgekürzt: Bilu.

Jesaja ist schon seit den Zeiten der Urgemeinde wie ein Stück der neuen Frohen Botschaft empfunden worden. Es gab ja noch kein Neues Testament als Buch, so wurde in den Gottesdiensten und Zusammenkünften regelmäßig Jesaja gelesen.Und da fanden sich dann die großartigen Worte, deren Erfüllung die frühe Gemeinde in Jesus sah.

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