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Einmal ganz oben sein. Alles bestimmen können. Alle Macht haben. Wer hätte davon nicht irgendwann einmal geträumt? Aber Vorsicht: Macht haben heißt auch, Verantwortung tragen. Viele unterschiedliche Interessen gegeneinander abwägen. Nach Lösungen suchen, die einer möglichst großen Menge zugute kommen. Eine gute Obrigkeit ist daher nach biblischem Verständnis verbunden mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit – und mit Demut. Foto: Konstantin Yuganov

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Wenn ich Kaiserin wär

Andacht

Nele Kaiser | 4. November 2018

Andacht über den Predigttext zum 23. Sonntag nach Trinitatis: Römer 13, 1-7

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Einmal ganz oben sein. Alles bestimmen können. Alle Macht haben. Wer hätte davon nicht irgendwann einmal geträumt? Aber Vorsicht: Macht haben heißt auch, Verantwortung tragen. Viele unterschiedliche Interessen gegeneinander abwägen. Nach Lösungen suchen, die einer möglichst großen Menge zugute kommen. Eine gute Obrigkeit ist daher nach biblischem Verständnis verbunden mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit – und mit Demut. Foto: Konstantin Yuganov
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Nele Kaiser (27) ist Vikarin in Unna-Massen.

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Predigttext
1 Jeder Mensch soll sich den staatlichen Behörden unterordnen. Denn es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott gegeben ist. Auch die jetzt bestehenden sind von Gott eingesetzt. 2 Das heißt: Wer sich gegen die staatliche Ordnung auflehnt, lehnt sich damit gegen die Anordnung Gottes auf. Und wer das tut, wird hart bestraft werden. 3 Wer Gutes tut, hat von den Amtsinhabern nichts zu befürchten. Das hat nur, wer Böses tut. Wenn du keine Angst vor der Staatsgewalt haben willst, musst du das Gute tun. Dann wirst du sogar Anerkennung bei ihr finden. 4 Denn sie steht im Dienst Gottes und das kommt dir zugute. Wenn du aber Böses tust, dann sei auf der Hut! Denn sie trägt das Schwert nicht ohne Grund. Sie steht im Dienst Gottes und vollzieht sein Strafgericht an dem, der Böses tut. 5 Daher seid ihr verpflichtet, euch unterzuordnen. Nicht nur aus Angst vor Gottes Strafgericht, sondern auch, weil euer Gewissen das fordert. 6 Deshalb zahlt ihr auch Steuern. Denn es sind ja eigentlich Beamte Gottes, die sie eintreiben müssen. 7 Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid: Wem Steuern zustehen, dem zahlt Steuern. Wem Zoll zusteht, dem zahlt Zoll. Wem Achtung zusteht, dem erweist Achtung. Und wem Ehre zusteht, dem erweist Ehre.
Übersetzung der BasisBibel

Wenn ich früher gelebt hätte, dann wäre ich richtig groß rausgekommen. Ich meine, ich heiße ja immerhin „Kaiser“ mit Nachnamen. Da ist ja klar, was ich von Beruf gewesen wäre – damals, als Paulus gelebt hat: Kaiserin. Dass Frauen das nicht sein konnten, sei jetzt mal dahingestellt. Wie dem auch sei: Wenn ich Kaiserin wäre, würde ich die Dinge zum Guten wende. Denn das ist die Aufgabe eines jeden Oberhauptes. Das Gute fördern und belobigen. Das Schlechte strafen und verfolgen.
Das ist ihr Auftrag von Gott. Denn die Staatsgewalt ist Dienerin Gottes. Ob man das heute noch so sagen kann? Bei einer Regierung, die vom Volk gewählt ist? Ich glaube, ja. Auch bei einer demokratischen gewählten Regierung kann man zumindest als Christin oder Christ sagen: Die Regierung ist Dienerin Gottes. Denn ihr Auftrag bleibt es, die Dinge zum Guten zu wenden.

Der Maßstab für das Gute ist die Liebe. In der folgenden Perikope macht Paulus das sehr deutlich. Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Die Liebe ist das einzige, was wir einander schulden. Was ich meinen Nachbarn schulde, meinen Freunden, meiner Familie. Die Liebe ist aber auch das, was ich allen Geflüchteten, allen Ausgegrenzten, einfach jedem schuldig bin. Die Liebe ist der Maßstab für mein Handeln, mein Denken, mein Fühlen. Und wenn etwas in Liebe geschieht, dann wird die Welt eine bessere. Stück für Stück. Das gilt mir als Bürgerin, das gilt aber auch der ganzen Regierung.

Paulus zieht in seinem Text nicht in Betracht, dass Regierungen gegen ihren Auftrag, das Gute zu schützen und dem Bösen zu wehren, handeln könnten. Aus bitterer Erfahrung wissen wir aber, dass das passiert. Es ist uns passiert. Damals. Es passiert jetzt gerade in anderen Ländern, und es gibt auch heute bei uns politische Strömungen, die mehr als fragwürdig sind gemessen an dem Maßstab „Das Gute zu tun und zu fördern“.

Und doch: Heute wählt zumindest hier bei uns das Volk selbst. Mittelbar oder unmittelbar. Dadurch hat die gute Politik mehr Chancen als damals. Das Gute zu tun, bleibt weiterhin Aufgabe der Regierung. Und hier kommen auch die Kirchen, kommen wir als Christinnen und Christen ins Spiel. Wir haben das Gute immer wieder einzufordern, wir haben zu zeigen, was das Gute ist. Wir haben durch Wahlen die Menschen in die Regierung zu bringen, die aus Liebe das Gute tun. Dann wäre auch die Kaiserin eine großartige Dienerin Gottes und das folgende Gedankenexperiment wäre Wirklichkeit:

Wenn ich Kaiserin wäre, hätten wir eine gute Atmosphäre. Ich würde die Welt im Sturm erobern. Nicht die Grenzen, nein die Herzen. Würde Brücken bauen und niemandem was klauen. Würde Gräben überwinden und helfen, wo die Kräfte schwinden. Würde meinen Reichtum teilen und alte Wunden heilen. Würde danken, denen, die Gutes tun und nicht eher ruh‘n, bis alle alles in Liebe tun. Mein Einsatz gälte den Armen und Schwachen und gemeinsam hätten wir viel zu lachen. Eine Welt, die niemanden aufgibt, sondern begleitet auf Schritt und Tritt. Gemeinsam nur ist das zu schaffen, dass wir niederlegen alle Waffen. Wenn ich Kaiserin wär, sind alle Waren fair und Hass und Krieg gäbe es nicht mehr. Wenn ich Kaiserin wär, lebten wir in einer Welt, in der es allen gefällt. Ein Reich Gottes hier auf Erden, das wir unsern Kindern vererben. Ich wollte freiwillig Gottes Dienerin sein; Kopf, Herz und Hand sich im Glauben verein‘. Dann kann sich die Kaiserin zufrieden zur Ruhe legen und Gott die Ehre geben.

Gebet: Gott, zeige uns deinen Weg der Liebe. Zeige diesen Weg allen in der Politik Tätigen. Zeige ihn allen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Wir bitten dich, lass uns mutiger werden, unsere Stimme zu erheben. Für das Gute. Für uns und andere. Amen.

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