hg
Bild vergrößern
Frieden schaffen durch Waffen: Der Glaube an die Macht der Abschreckung ist wieder da. Kalter Krieg, Drohgebärden, Wettrüsten – warum das der falsche Weg ist: Foto: TSEW

Anzeige

Wer den Frieden will

Weltpolitik

Aus der Printausgabe - UK 44 / 2018

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 31. Oktober 2018

Soll Deutschland mehr Geld für die Verteidigung des Friedens geben? Ja. Aber nur, wenn damit nicht alleine noch mehr Waffen finanziert werden. Sondern vor allem die Abrüstung

Bild vergrößern
Frieden schaffen durch Waffen: Der Glaube an die Macht der Abschreckung ist wieder da. Kalter Krieg, Drohgebärden, Wettrüsten – warum das der falsche Weg ist: Foto: TSEW

Anzeige

Deutschland soll wieder aufrüsten. Der Staat, den die Welt für seine Militärmaschinerie gefürchtet hat, der zweimal in der jüngeren Geschichte den Planeten mit Krieg und Leid überzogen hat, der soll wieder mehr Geld in Panzer, Raketen und Jagdflugzeuge stecken.

Auf den ersten Blick mag diese Forderung sogar einleuchten. Seit gut 70 Jahren lebt die Bundesrepublik sicher und komfortabel unter dem militärischen Schutz der NATO. Und muss sich in der letzten Zeit immer häufiger den Vorwurf anhören: Ihr tragt zu wenig bei zu dieser Schutzgemeinschaft. Den Löwenanteil der Ausgaben für das Militärbündnis zahlen nach wie vor die USA.

Und es stimmt: Deutschland könnte tatsächlich mehr beitragen. Die Frage ist: Wozu? Zum Frieden in der Welt? Oder zu Leid, Tod und Terror?

Denn so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist die Lage nicht. Wir sind die Guten; auf der anderen Seite die Bösen, gegen die wir uns verteidigen müssen? Wenn man sich die Konflikte und Kriege anschaut, in denen „der Westen“ – sprich: die USA und willfährige Verbündete – in den vergangenen Jahren mitgemischt hat, kann man da seine Zweifel bekommen. Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen. Unnötige Interventionen, die man zum großen Teil getrost als Angriffskriege und als völkerrechtswidrig bezeichnen mag. Sie haben die Lage dort nicht verbessert, sondern deutlich verschlimmert.

Schaut man sich dann noch an, wie wenig der Westen an der Menschenrechtslage in Afrika interessiert ist oder wie er sich jetzt schwertut, Konsequenzen gegen Saudi-Arabien zu ziehen, dann kann man kaum anders als den Schluss zu ziehen: In der Weltpolitik geht es nicht in erster oder zweiter oder dritter Linie darum, den Frieden zu sichern. Sondern die eigenen Interessen durchzusetzen. Es geht dabei nicht um Moral. Sondern um Macht, Geld und Einfluss.

Deshalb: Vorsicht bei der Idee, Deutschland müsse mehr Geld für Waffen und Militär geben – und würde damit auch noch den Frieden befördern.
Tatsächlich könnte Deutschland ja mehr zum Frieden in der Welt beitragen. Gerade, weil dem Land eine besondere Rolle zufällt. Weil es nämlich die Erinnerung daran wachhält, dass Aufrüstung, militärische Drohgebärden und Wettrüsten fast zwangsläufig in die Katastrophe führen. Wenn die USA jetzt auch noch den Abrüstungsvertrag über nukleare Mittelstreckensysteme mit Russland kündigen wollen, muss die Reaktion aus Deutschland darauf umso deutlicher ausfallen: Nein!
Wer den Frieden will, darf nicht allein auf Waffen setzen. Deutschland muss fordern und vorleben, dass Mäßigung überlebensnotwendig ist (siehe auch Seite 4).

Miteinander reden. Vertrauen wagen. Den Ausgleich. Abrüstung statt Aufrüstung. Hier muss sich Deutschland engagieren. Und Hirnschmalz, Energie und wohl dann auch Geld in den Aufbau von Zivilgesellschaften investieren.

Deutschlands Beitrag zur Weltpolitik sollte die Lehre sein: Wer den Frieden will, darf sich nicht in Waffen verlieben.

1

Leser-Kommentare öffnen

Ite Maruhm, 2. November 2018, 9:50 Uhr


"Wer den Frieden will, darf nicht allein auf Waffen setzen." Mit dieser Aussage sollte jeder vernünftige Mensch prinzipiell einverstanden sein. Sie fordern "Miteinander reden. Vertrauen wagen. Den Ausgleich". Auch das leuchtet natürlich sofort ein. Aber wie soll das gehen? Der Autor stellt der einen (militärischen) Simplifizierung seine eigene pazifistische Simplifizierung entgegen, ohne darauf einzugehen, dass die wirkliche Welt viel komplizierter ist. Die Beispiele, die im Artikel genannt werden, kommen mir nicht sehr geeignet vor um die Argumentation des Autors zu unterstützen. Die militärischen Intervention des Westens in Syrien als "unnötig" oder "getrost als Angriffskriege" zu bezeichnen, ist doch ziemlich an der Realität vorbei und führt lediglich dazu, dass dieser Artikel von differenziert denkenden Lesern nicht ernst genommen werden kann.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen