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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 12. Oktober 2018

Woche vom 14. bis 20. Oktober

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Sonntag:    Psalm 75
Montag:     Offenbarung 2, 8-11
Dienstag:     Offenbarung 2, 12-17
Mittwoch:     Offenbarung 2, 18-29
Donnerstag:     Offenbarung 3, 1-6
Freitag:     Offenbarung 3, 7-13
Samstag:     Offenbarung 3, 14-22

Genau genommen versteht sich das letzte Buch der Bibel als die „Offenbarung Christi“ (1,1), die der aber seinen „Knechten“ weitergegeben hat. Die „Offenbarung“ hat die äußere Form eines Rundbriefes oder Sendschreibens, adressiert an sieben Gemeinden in Kleinasien. Die symbolträchtige Siebenzahl mag aber auch für die Gesamtheit stehen, meint dann also alle Gemeinden dort. Während der Galaterbrief noch aus der „Zeit der ersten Liebe“ stammt, haben sich inzwischen Ermüdungserscheinungen eingestellt, die in einer Zeit heraufziehender Gefahr besonders gefährlich sind. Wenn manche heute den Begriff „Amtskirche“ kritisch gebrauchen, fürchten sie wohl ähnliche Verkrustungen wie damals. Vor allem aber geht es um die Botschaft: Wer überwindet, der wird dies ererben (21,7)! Diejenigen, die das Leid dieser Welt durchgehalten haben oder gerade durchhalten mit ihrem Glauben, werden belohnt.

In Kapitel 2 und 3 folgen die sieben Sendschreiben im engeren Sinn. Ein Spruch ist besonders bekannt, 2,10: Seid getreu bis an den Tod! Aber Vorsicht! Es ist ja nicht irgendeine Treue gemeint. Blinde Treue wurde damals wie heute schlimm missbraucht, nicht zuletzt in den Zeiten des deutschen „tausendjährigen Reiches“. Hier ist es eindeutig: Christus (!) spricht: Sei mir (!) getreu bis zu deinem Tod! Treue braucht immer einen Bezug, einen Wert, einen Menschen, der diese Treue „verdient“.
Außerdem muss man hier auch noch ein anderes Missverständnis abwehren. Christus meint nicht: Sei mir getreu durch deinen Tod, wie es Kreuzritter und Glaubenskämpfer jedweder Couleur verstanden haben wollten. Vielmehr heißt es: Sei mir getreu bis an deinen Tod, und es heißt wohl auch: Sei mir getreu in deinem Tod! Wie es Dietrich Bonhoeffer glaubte oder auch Martin Luther, von dessen Tod im Jahr 1546 sein Freund Melanchthon in großen Lettern schrieb: Et mortuus vivit – und mag er tot sein, er lebt! Das ist Glaube auch durchaus im Sinne von 2,17: Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte!

Die Offenbarung will die Gemeinden in schlimmen Zeiten trösten. Was geschieht, ist nicht die heile Welt oder gar das Paradies. Prüfungen und Zerreißproben laufen ab. Die Offenbarung rechnet mit einer baldigen Wiederkunft Christi. In 3,22 kommt das zum Ausdruck, aber zugleich, dass im Abendmahl die Verbindung zwischen Himmel und Erde, Gottes neuem Reich und der alten, zerrissenen Welt für die Glaubenden bereits gegenwärtig und real vorhanden ist. Das Abendmahl ist so Teil des Himmels und der Erde, Stärkung und Verheißung zugleich.

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