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Pastorin Jeannette Querfurth mit der Henne „Riekchen“. Foto: epd

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Die Glücklichmacher

Schöpfung

Von Dieter Sell | 9. Oktober 2018

Ich wollt‘, ich hätt‘ ein Huhn: So denken wohl Tausende, die sich bei einem Verein engagieren, der „ausrangierte“ Hennen aus Legebatterien vermittelt – ihnen so ein zweites Leben schenkt

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Pastorin Jeannette Querfurth mit der Henne „Riekchen“. Foto: epd

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Agatha ist eher schüchtern, Ca­rölchen zerstreut. Dorchen ist zickig, Emmi quasselig, Gitte divenhaft. Riekchen ist die pfiffigste, mit Kämpferherz. Im Garten von Pastorin Jeannette Querfurth in Süstedt bei Bremen tummelt sich eine kleine Schar quicklebendiger Hühner mit prächtigen Federn und straff-roten Kämmen, die jetzt nur wegen der großen Sommerhitze gelegentlich etwas durchhängen. Sie picken und scharren, was der Boden hergibt. Dass es so weit kommen konnte, war eigentlich gar nicht vorgesehen. Nur mit großem Hühnerglück sind sie dem Schlachthof entronnen.

Verein gibt Hühnern eine Zukunft

In ihrem ersten Leben standen die auf Massenproduktion hoch gezüchteten Tiere in einer Legebatterie und hatten eine einzige Aufgabe: so viele Eier wie nur irgend möglich legen. Durch die Arbeit der Organisation „Rettet das Huhn“ und ihrer Vorsitzenden Stefanie Laab genießen sie nun ein zweites Leben. „Der Verein übernimmt Hühner, die in kommerziellen Legehennenbetrieben keine Zukunft haben, und gibt sie an Menschen weiter, die ihnen den Tod im Schlachthof ersparen wollen“, erläutert Laab.

Genügend Auslauf, ein Sandbad, ein sicheres Haus mit Nestern, die der Fuchs nicht räubern kann. Und in der Voliere Büsche wie Hasel und eine Ligusterhecke, die Schatten spenden und bei Bedarf Zuflucht bieten: Das neue Zuhause von Riekchen und Co. sieht aus wie ein Hühnerparadies. Eigentlich sind die Tiere Waldbewohner und scharren gerne, was sie hier nach Herzenslust tun können. Allerdings ist ihre Lebenserwartung auch in diesem Paradies wohl nicht so hoch. „Ursprünglichere und weniger hoch gezüchtete Hühner können zehn Jahre alt werden“, sagt Laab. Doch Massentierhaltung und Eier-Produktion im Akkord zehren an den Vögeln. „Sie haben vielleicht noch zwei, drei Jahre vor sich“, schätzt die Hühnerretterin.

Nach einem Jahr in der Massentierhaltung lässt die Legeleistung der Hennen nach. Dann sind sie für die meisten Unternehmen nicht mehr rentabel. „Sie werden dann durch neue Tiere ersetzt, in den Schlachthof gebracht und grausam getötet – in Deutschland jährlich knapp 52 Millionen“, sagt Laab. „Rund 10 000 können wir retten“, ergänzt die Tierschützerin aus Wolfsburg. Ein Tropfen auf den heißen Stein? „Ein Leben in Geborgenheit, ohne Angst – da zählt jeder Tag, jedes Huhn“, entgegnet die 45-Jährige.

Die Vögel werden ausgestallt und über Ansprechpartner an Interessierte vermittelt, die eine artgerechte Unterbringung nachweisen können. Bisher ist das mit rund 57 000 Hühnern geschehen, die bundesweit bei geschätzt gut 9000 Rettern untergekommen sind.

Die Hennen werden aber keineswegs in Nacht-und-Nebel-Aktionen aus den Anlagen entführt. Der Verein kooperiert mit Betrieben, derzeit mit Unternehmen in Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Bayern. Mal sind es Batterien mit Boden- und Freilandhaltung, mal auch Biobetriebe. Jetzt im Herbst steht die nächste Rettungsaktion an. Dann sollen 4500 Hühner übernommen werden. Geld wird dafür nicht gezahlt. Die Suchaktion für „Adoptanten“, wie die Hühnerretter auch heißen, ist bereits angelaufen.

Wenn die Tiere ausgestallt werden, kommen sie teils erbarmungswürdig daher. So wie Riekchen vor gut einem Jahr. „Damals sah sie ein bisschen aus wie ein Suppenhuhn, so wenig Federn hatte sie“, erinnert sich Jeannette Querfurth. Gegen die Kälte musste sie zeitweise einen handgenähten „Hühnerpulli“ tragen. Aber die Vögel haben sich schnell erholt. Riekchen hat mittlerweile wieder ein dichtes Federkleid. Man sieht ihr das Glück des zweiten Lebens an. „Frech und mutig“, freut sich die Pastorin.

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