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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 5. Oktober 2018

Woche vom 7. bis 13. Oktober

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Sonntag:    Psalm 65
Montag:     Galater 5, 16-26
Dienstag:     Galater 6, 1-10
Mittwoch:     Galater 6, 11-18
Donnerstag:     Offenbarung 1, 1-8
Freitag:     Offenbarung 1, 9-20
Samstag:     Offenbarung 2, 1-7

Nach einem leidenschaftlichen Aufruf zur Freiheit des Glaubens, zu der Christus die Seinen befreit hat, einem Aufruf, der immer wieder in der Kirchengeschichte Christen wachgerüttelt und gestärkt hat, folgen nun im Schlussteil die Ermahnung für ein christliches Leben „in der Praxis“. Wie sieht das konkret aus? Bei der Antwort fällt auf, dass Paulus durchaus auf „Tugendkataloge“ zurückgreift, die auch sonst in der antiken Umwelt bekannt waren. Die genannten „Werke des Fleisches“, die aus rücksichtslosem Egoismus entstehen und nur vordergründigen Genuss befriedigen, werden auch von anderen Lehren der Antike verurteilt, und die aufgezählten Tugenden werden etwa in der Stoa und auch bei den Epikureern gefördert. Die christliche Freiheit führt also nicht in die Beliebigkeit oder gar das Chaos, wohl aber hat die Gemeinde Jesu eine andere Mitte, einen anderen Grund und ein anderes Menschenbild, sie ist eine neue Kreatur! Und die Warnung in 6, 6ff. „Was der Mensch sät, das wird er ernten“ hat auch die andere Seite: Was der Mensch an Gutem ernten will, das muss er zuvor säen.

Anrührend ist der Gruß des Apostels „mit eigener Hand“ (6, 11ff.), den es nur hier gibt. Zwar konnte ein Gelehrter wie er lesen und schreiben, aber in jenen Zeiten war Schreiber ein eigener Beruf, ein Handwerk, dessen sich auch die Verfasser des Neuen Testamentes bedienten. Inhaltlich lässt der Schluss zwar noch die Ausein­andersetzungen erkennen, aber in seelsorglicher Milde, nicht mehr so schroff wie zuvor. Die erwähnten Malzeichen Christi, die Paulus an seinem Leib trägt, sind wahrscheinlich Krankheitssymptome, die aber heute nicht mehr einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden können.

Nach dem Galaterbrief, der zu den ältesten Schrift-Dokumenten der frühen Christenheit gehört, folgt nun eine beeindruckende Schrift, die erst mehrere Generationen später entstanden ist. Genauso, wie es in den ersten Jahrhunderten etliche Evangelien gab (etwa vierzehn sind ganz oder bruchstückhaft überliefert), von denen aber nur vier ins Neue Testament aufgenommen wurden, so gibt es auch eine ganze Reihe von Apokalypsen.

Das Wort Apokalypse heißt wörtlich die Ent-Hüllung und wird meist mit Offenbarung übersetzt. Diese Offenlegung der letzten Vorgänge in dieser Welt geschieht nahezu durchweg in dramatischen Bildern, Symbolen oder Schauungen, die das Geschehen in sehr emotionaler Weise schildern. Das hat dieses Buch oft genug dem Missbrauch ausgeliefert, etwa indem es als Angstinstrument Menschen die Hoffnung nahm und verführbar machte.

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