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Laura Schlappa liebt es, an der Orgel zu sitzen und sich mit dem Publikum zu verbinden. Foto: epd
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Mit fliegenden Füßen

Kirchenmusik

Dieter Sell | 28. September 2018

Die junge Cuxhavenerin Laura Schlappa gehört zu den hoffnungsvollen Nachwuchstalenten der Orgelszene in Deutschland. Und hat mit ihrer Leidenschaft beste Jobaussichten

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Laura Schlappa liebt es, an der Orgel zu sitzen und sich mit dem Publikum zu verbinden. Foto: epd

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Mal füllen kraftvoll-brausende Töne das Schiff der evangelischen Kirche in Cappel bei Cuxhaven. Mal fließen die Noten zart über Bänke, Altar und Taufbecken. Mit ihren Hörproben entlockt Laura Schlappa der historischen Arp-Schnitger-Orgel auf der Empore die ganze Vielfalt barocker Musikfarben. Die 18-Jährige gehört zu den Nachwuchstalenten der Orgelszene in Deutschland und wurde im Frühjahr als Solistin auf ihrem Lieblingsinstrument im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Musizierende wie sie sind gesucht, denn Organistenstellen sind schwer zu besetzen.

Musik als Leidenschaft und Teil des Lebens

Bevor die junge Frau ihr Spiel beginnt, schlüpft sie in Schuhe mit weichem Leder. „Dann habe ich bessere Fühlung zu den Fußpedalen der Orgel“, erläutert die Cuxhavenerin, die schon mit vier Jahren am Klavier saß. Schon drei Jahre später machte sie erste Erfahrungen an der Orgel, für sie bis heute „Königin der Instrumente“. „Musik ist ein Teil meines Lebens, meine Leidenschaft, das macht mir Spaß“, schwärmt sie über das, was sie ab Oktober in den Fächern Kirchenmusik und Klavier an der Detmolder Hochschule für Musik auch studieren will.

Schon seit Jahren nimmt sie in der Region, in Hannover und in Detmold Unterricht. Bisher war sie wöchentlich mehrfach unterwegs, um ihr Spiel zu verbessern. „Die Übung macht‘s“, sagt sie mit einem Lächeln und freut sich, dass ihre Schule auf die Terminflut unterstützend reagiert hat.

„Das ist längst nicht immer so“, berichtet ihr Detmolder Orgellehrer Martin Sander, der auch ihr zukünftiger Professor an der Hochschule für Musik ist. „Ihre Schule war sehr liberal und hat ihr frei gegeben – andernorts kriegen viele junge Leute Ärger“, hat Sander erfahren. Bei Schlappa habe sich die Förderung ausgezahlt. „Zumal sie im Üben mit ihrer Konzentrationsfähigkeit und ihrer Hartnäckigkeit eine Ausnahme ist.“
Das hat sich nun erneut als Vorteil erwiesen. Die junge Frau hat im August in Nordirland bei einem internationalen Orgelwettbewerb in ihrer Altersklasse den ersten Platz belegt – auch, weil sie für „ihr“ Instrument brennt: „An der Orgel die Kirche zu rocken, das ist für mich zum Niederknien.“

Eine Ausnahme in positiver Weise war auf ihrem bisherigen Weg überdies ihr persönliches Umfeld, wie Annegret Schönbeck von der Orgelakademie in Stade berichtet. Denn wer neben der Schule in die Kirche gehe, um Orgel zu spielen, müsse nicht selten über ein ausreichendes Maß an Frustrationstoleranz verfügen. „Viele werden von ihren Mitschülern gemobbt.“ Schönbeck koordiniert an der Akademie besondere Aktionen, mit denen Kinder und Jugendliche für Orgel und Kirchenmusik begeistert werden sollen. Bundesweit gibt es immer mehr Initiativen dieser Art, von denen die deutsche Direktorenkonferenz Kirchenmusik beispielhafte Ideen auf ihrer Internetseite www.wegezurkirchenmusik.de dokumentiert.
Ob dann Studien-Absolventen trotz glänzender Jobperspektiven tatsächlich in die Kirchenmusik gehen, ist aber gar nicht klar. „Sie können auch Schul- oder Kammermusik wählen oder Kapellmeister werden“, verdeutlicht Hochschulprofessor Sander. Immerhin: Nach einer Talsohle vor ein paar Jahren registriert die Direktorenkonferenz im Bundesdurchschnitt wieder leicht steigende Studierendenzahlen.

Laura Schlappa weiß noch nicht, ob sie nach Ende ihrer Studienzeit in Detmold in die Kirchenmusik geht. Doch eines weiß sie: Sich an der Orgel über die Musik mit dem Publikum und den Gottesdienstgästen zu verbinden – „das ist einfach ein gutes Gefühl“.

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