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Die Bibel lesen

Von Walter Schroeder | 22. September 2018

Woche vom 23. bis 29. September Sonntag: Psalm 37, 21-40 Montag: Galater 1, 1-5 Dienstag: Galater 1, 6-10 Mittwoch: Galater 1, 11-24 Donnerstag: Galater 2, 1-10 Freitag: Galater 2, 11-21 Samstag: Galater 3, 1-14

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Der Brief an die Galater ist der leidenschaftlichste und persönlichste, der vom Apostel Paulus überliefert ist, längst nicht so wohlgesetzt wie etwa der Römerbrief. Er ist auch kein Sendschreiben wie die Offenbarung oder eine wohl formulierte Abhandlung wie der Hebräerbrief. Seine Absicht ist es auch nicht, etwa die bisher mündlich überlieferten Worte und Taten Jesu für die nachfolgenden Generationen festzuhalten wie es bei den Evangelien ein Generation später der Fall sein wird. Der Brief an die Galater ist ganz und gar in eine konkrete Situation an bestimmte Menschen gerichtet, auch wenn es sich dabei um mehrere Gemeinden handelt, die in enger Verbindung standen.

Geschrieben wurde er um die Mitte des ersten Jahrhunderts wahrscheinlich von Ephesus aus, wo Paulus sich runde drei Jahre lang aufhielt. Damit gehört der Galaterbrief zu den ältesten Schriften des Neuen Testamentes. Nur der 1. Thessalonicherbrief ist noch früher verfasst worden. Die damalige Landschaft Galatien liegt mitten in der heutigen Türkei und reicht in etwa von dem Gebiet um Ankara bis fast nach Antalya.

Das Wort Galater meint die drei Keltenstämme, die rund 300 Jahre vorher von dem König Nikomedes um Hilfe gerufen wurden, als man ihm seine Herrschaft streitig machte. Die Galater machten sich später auf der phrygischen Hochebene selbstständig und beunruhigten durch ihre Beutezüge Kleinasien, bis sie um 25 v. Chr. von Augustus in das römische Imperium eingegliedert wurden.

Paulus ist zu den Galatern gekommen, weil er seine (erste) Missionsreise wegen einer körperlichen Schwäche (4,13) unterbrechen musste. Möglicherweise hat er also die Galater nicht gezielt aufgesucht, sondern sein Besuch hat sich gewissermaßen ergeben. In der Apostelgeschichte (16,6) wird es, im Rückblick der nächsten Generation, lauten, der Heilige Geist habe Paulus an der Weiterreise gehindert. Aber es gab auch wohl misstrauische Leute, die den Apostel in seinem Zustand für einen von der Gottheit geschlagenen Menschen hielten. Das waren auf den ersten Blick keine guten Voraussetzungen für eine missionarische Tätigkeit. Der Erfolg war aber dennoch überwältigend.

Die Gemeinde setzte sich zusammen aus Juden und Römern, Griechen und Galatern, eine Mischung, die im Imperium Romanum nicht untypisch war. Aber aus dieser Mischung ergab sich offenbar auch ein dramatischer Konflikt. Die Juden hatten religiöse Sonderrechte: Sie brauchten an der kultischen Kaiserverehrung nicht teilzunehmen, während die anderen dazu gesetzlich verpflichtet waren. Im Grunde geht es um die Anerkennung und den Respekt vor der höchsten Autorität und Macht.

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