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Die Bibel lesen

Von Walter Schroeder | 15. September 2018

Woche vom 16. bis 22. September Sonntag: Psalm 37, 1-20 Montag: Prediger Salomo 4, 17–5, 6 Dienstag: Prediger Salomo 5, 9-19 Mittwoch: Prediger Salomo 6, 1-12 Donnerstag: Prediger Salomo 7, 1-14 Freitag: Prediger Salomo 11, 1-10 Samstag: Prediger Salomo 12, 1-14

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Das hebräische Wort „Kohelet“ bedeutet eigentlich Versammlungsleiter. Insofern gibt Luthers „Prediger“ nur einen Aspekt wieder. Es handelt sich bei diesem Buch um ein Lehrbuch oder auch um philosophische Gedankengänge, die in einer „Festrolle“ zusammengefasst worden sind. Bei den europäischen Juden wird es zum Laubhüttenfest gelesen.

Das Buch Kohelet in seiner heutigen Form ist erst nach der Zeit des babylonischen Exil entstanden. Wahrscheinlich ist der Inhalt jedoch über viele Generationen zusammengetragen worden, möglicherweise schon seit Salomo, der als Symbolfigur für Weisheit verehrt wurde. Er selbst ist aber kaum Verfasser der Passagen, auch wenn sie unter seinem Namen überliefert wurden. Das Buch hat keine Gliederung, sondern ist eine Sammlung aus unterschiedlichen Lebensbereichen.

Der erste Satz des Buches ist zugleich sein Grundthema: „Es ist alles eitel“, steht da geschrieben, und der Satz wird wie resignierend auch gleich noch mal wiederholt: Alles ist nichts anderes als eitel. Wobei „eitel“ im Deutschen „selbstgefällig“ bedeuten kann, aber auch „vergeblich“, „vergänglich“, „mehr Schein als Sein“, eine Selbsttäuschung eben. Im Hebräischen steht da eigentlich „Windhauch“. Also: Alles ist nur ein Haschen nach Wind, wie es 1,14 heißt. Der Mann, der da redet und schreibt, hat jedenfalls keine Illusionen mehr über sich selbst, über den Menschen, über Gott und die Welt und will auch andere von ihren Täuschungen befreien. Das Buch ist also im wortwörtlichen Sinne eine Ent-Täuschung. Manche Textstellen sind nahe an dem gefährlichen „Es hat ja doch alles keinen Zweck…“ Ist das mit der frohen Botschaft in Einklang zu bringen?

Selbst der wohl bekannteste Abschnitt in Kapitel 3 führt zu dieser Frage. Es hat alles seine Zeit, heißt es da – aber auch seine Unzeit. Gewiss, Gott hat dem Menschen einen besonderen Vorzug gegeben, denn mitten in aller vergeblichen Mühsal hat er „die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“ (3,11). Aber genau dieses Geheimnis vermag der Mensch nicht zu erfassen und zu begreifen. Er gerät an die Grenzen seiner Kraft und des Todes und fällt in seine Vergänglichkeit zurück.

Bleibt nur, sich wenigstens gütlich zu tun in Essen und Trinken! Gewiss, man liest das vielleicht sogar mit lächelnder Zustimmung, aber fragt auch: Ist das alles?

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