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Ein Leben für das Kino

100. Geburtstag

Von Rudolf Worschech | 1. August 2018

Artur Brauner lieferte die Kassenschlager der 50er und 60er, produzierte «Old Shatterhand» und später «Hitlerjunge Salomon». Immer wieder hat er sich mit Sterben und Überleben im Holocaust auseinandergesetzt - es ist Teil seiner eigenen Geschichte.

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Filmproduzent und Regisseur Artur Brauner und seine Ehefrau Maria. Foto: epd

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Frankfurt a.M. (epd). Manchmal fragt man sich, woher Artur Brauner die Energie nimmt, immer noch im Filmgeschäft mitzumischen. Heute, am 1. August wird er 100 Jahre alt. Sicher, seine Tochter Alice ist mittlerweile Geschäftsführerin in seiner Firma CCC-Film. Aber die Verantwortung hat immer noch er, Artur Brauner, den die Berliner «Atze» nennen.

Brauner ist eine Legende. Nicht nur als Filmproduzent, sondern auch als Firmenpatriarch und Immobilienbesitzer, der mit Steuerauseinandersetzungen immer mal auf die Titelseiten der Boulevardzeitungen gerät. Sein filmisches Leben als deutscher Produzent jedenfalls ist eines der Superlative. Kein anderer hat so viele Filme produziert wie er, mehr als 250. Der neueste heißt «Crescendo». Die Geschichte ist angelehnt an Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra, das zu gleichen Teilen aus Israelis und Arabern besteht und für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts eintritt.

Filmgeschäft in Familienhand

Seine Firma CCC-Film ist mit über 70 Jahren die älteste deutsche Produktionsfirma in Familienbesitz. In ihren Studios wurden rund 700 Filme gedreht. Und wahrscheinlich hat kein anderer Produzent in Deutschland so vielen Stars die Hände geschüttelt wie er.

Artur - ursprünglich Abraham - Brauner wurde 1918 in Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geboren. Er überlebte den Holocaust, indem er sich in Wäldern versteckte; 49 Verwandte seiner Familie sind in Ghettos und Lagern von den Nazis umgebracht worden.

1946 gründete er seine CCC-Film. Brauner war Deutschlands wichtigster Produzent in den 50er Jahren, als das bundesdeutsche Publikum - noch ausgelaugt von den mageren Nachkriegsjahren, aber schon wieder emsig am Wirtschaftswunder arbeitend - sich ein paar schöne Stunden machen wollte. Er gab ihm jene Illusionen, die für eine kurze Zeit Trost und Ablenkung versprachen. Dabei hatte er wenig Skrupel, die Zuschauer auch mit seichter Unterhaltung zu versorgen.

In Berlin-Spandau baute er eine der modernsten und größten europäischen Atelieranlagen auf, die zeitweilig über 500 Mitarbeiter beschäftigte. Er war in allen Genres zu Hause, die einigermaßen Erfolg in den Kinos versprachen. Dabei vertraute er auf die «großen Namen» kassenkräftiger Stars und auf Drehbücher, die ihre Herkunft von Boulevardstücken und simplen Schwänken nicht verleugnen konnten. Und er hängte sich an alle Wellen, die gerade als en vogue im Kino galten, ob es nun Musicals, «Problemfilme», Karl-May-Verfilmungen oder Wallace-Krimis waren. Und für einige Sex-Klamotten war er sich auch nicht zu schade.

Seine Lieblingsprojekte in den 50er und 60er Jahren waren ambitionierte Literaturadaptionen und Neuverfilmungen klassischer Kinostoffe aus den 20er und frühen 30er Jahren. Dahinter steckte nicht nur das Kalkül, mit dem Remake eines ehemaligen Kassenknüllers noch einmal Profit zu machen. Brauner hatte die Absicht, an eine Filmtradition anzuknüpfen, die dem deutschen Film einmal Weltgeltung verschafft hatte und die noch unbefleckt war von der Unterhaltungsmaschinerie der Nazi-Zeit. Er hat den 1958 den «Tiger von Eschnapur» noch einmal verfilmt und 1966 «Die Nibelungen.

Immer wieder hat der Produzent, der der Regisseursgeneration der 60er und 70er Jahre als typischer Repräsentant von »Papas Kino« erschien, auch etwas gewagt. Mit der von Robert Siodmak inszenierten Hauptmann-Adaption »Die Ratten« (1955) gelang ihm eines der wenigen Meisterwerke des Adenauer-Kinos, ein düsterer Film mit expressiven Bildern.

Beschäftigung mit der NS-Diktatur

Und es gab auch schon damals den unbequemen Artur Brauner: den, der einem Filmball wegen der Anwesenheit des Nazi-Regisseurs Veit Harlan (»Jud Süß«) fernblieb, den, der aus der Emigration zurückgekehrte Regisseure wie Robert Siodmak oder Fritz Lang und Schauspieler wie Peter van Eyck oder Fritz Kortner beschäftigte, den, der nicht müde wurde, die Deutschen immer wieder an ihre braune Vergangenheit und den Holocaust zu erinnern.

Schon in seinem zweiten Film, »Morituri« (1947/48), der eigene Erlebnisse verarbeitete, begann seine Beschäftigung mit der NS-Diktatur. Gerade in den letzten Jahrzehnten, als er nicht mehr Filme wie am Fließband herstellte, hat er diese Themen ausgebaut mit Titeln wie: »Sie sind frei, Dr. Korzak« (1973), »Die weiße Rose« (1982), »Bittere Ernte« (1985), »Hitlerjunge Salomon«(1989), »Babij-Jar - Das vergessene Verbrechen« (2003) oder »Der letzte Zug« (2006).

2011 entstand »Wunderkinder« nach einer Idee von ihm: Es geht um drei musikalisch begabte Kinder in der Ukraine, zwei davon jüdisch, deren Freundschaft durch die Nazi-Okkupation auf die Probe gestellt wird. Zum 100. Geburtstag widmet ihm der Fernsehsender »Arte« am 1.August einen Themenabend, das Porträt steht unter dem Titel »Der Unerschrockene".

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