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Voller Geschichten von Gott und den Menschen, voller Lobpreis und Klage, voller Glaube und Zweifel. Spannend zu lesen, manchmal schwer zu verstehen. Nur: Hat das alles etwas mit mir zu tun? Mit meinem Leben heute, mit meinen Träumen, Fragen, Ängsten und Hoffnungen? Ähnliche Gedanken wird sich der äthiopische Beamte wohl gemacht haben, von dem der Predigttext berichtet. Und siehe da: Der Geist Gottes kommt ihm zur Hilfe. Wie? Siehe Andacht. Foto: Mollyp

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Verstehst du das?

Andacht

Johannes Beer | 8. Juli 2018

Über den Predigttext zum 6. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 8, 26-39

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Voller Geschichten von Gott und den Menschen, voller Lobpreis und Klage, voller Glaube und Zweifel. Spannend zu lesen, manchmal schwer zu verstehen. Nur: Hat das alles etwas mit mir zu tun? Mit meinem Leben heute, mit meinen Träumen, Fragen, Ängsten und Hoffnungen? Ähnliche Gedanken wird sich der äthiopische Beamte wohl gemacht haben, von dem der Predigttext berichtet. Und siehe da: Der Geist Gottes kommt ihm zur Hilfe. Wie? Siehe Andacht. Foto: Mollyp
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Johannes Beer (57) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Herford-Mitte.

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Predigttext
26 Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. 27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister, war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. 28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! 30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? 31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. 32 Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese (Jesaja 53,7-8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. 33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“ 34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? 35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Schriftwort an und predigte ihm das Evangelium von Jesus. 36 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert‘s, dass ich mich taufen lasse? 38 Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. 39 (...) Er zog aber seine Straße fröhlich.

Ein ausländischer Finanzminister fährt in seinem gut gesicherten Auto über Land. Er ist auf der Rückreise und hat sich zur Entspannung für die längere Fahrt ein neues Buch besorgt – einen Bestseller der ortsüblichen Religion. Das liest er nun. Soweit ist die Geschichte nichts Besonderes und geschieht so oder so ähnlich bis heute immer wieder.

Aber dass dann ein Fremder einfach neben dem gesicherten Auto herläuft, war damals sehr ungewöhnlich. Aber genau das geschieht hier: Philippus tritt zum Wagen des Finanzministers der äthiopischen Königin und spricht ihn an.
Philippus hält sich an keine Höflichkeitsformeln, spricht keine Begrüßung aus, sondern fällt, als er mitbekommt, was der Finanzminister liest, ganz direkt mit der Tür ins Haus. Er merkt, dass der Minister im Buch des Propheten Jesaja liest und fragt ihn: „Verstehst du denn, was du da liest?“

Ich möchte diese Frage normalerweise nicht gestellt bekommen. Und schon gar nicht von einem dahergelaufenen Fremden. Das setzt schon ein enges Vertrauensverhältnis voraus, dass jemand so fragen darf. Aber der Finanzminister ist erstaunlicherweise weder erbost noch irritiert, sondern geht direkt auf die Frage ein, als hätte er auf Philippus gewartet, als wären sie schon lange in einem guten Gespräch. „Wie kann ich es verstehen, wenn mir niemand hilft!“ Und dass der Minister ausgerechnet einen Abschnitt liest, den die Christenheit auf Jesus und seinen Kreuzestod bezieht, ist für Philippus eine wunderbare Vorlage für seine christliche Unterweisung.

Wenn ich diese Erzählung bis hierhin betrachte, dann staune ich immer wieder über das Wirken Gottes in diesen vielen kleinen Schritten. Sicher, der Engel hatte Philippus an die Straße geführt und der Geist Gottes hatte ihm gesagt, dass er sich zu diesem einen Wagen halten solle, aber auch so vieles andere hat der Geist geschickt eingefädelt: Der Minister hatte sich das richtige Buch gekauft und las die richtige Stelle. Die Sicherheitsbeamten waren voller Vertrauen und ließen Philippus gewähren. Und der Minister selbst ist im wahrsten Sinne begeistert, dass Philippus zu ihm kommt und gerne den gelesenen Text für ihn auslegt. Der Heilige Geist hat hier Möglichkeit und Gelegenheit geschaffen, dass einer von Gott und seinem Sohn erzählen kann. Dass er diesem Fremden Christus nahebringen kann.

Erkennen wir eigentlich immer, wenn und wann der Geist uns in solche Situationen stellt? Sehen wir die Gott gegebenen Gelegenheiten und Möglichkeiten, von unserem Glauben, von dem, was uns erfüllt, zu erzählen? Es muss ja nicht immer gleich ein Minister sein, aber es kann sich täglich diese Chance eröffnen, wenn der Geist Gottes wirkt.

Philippus christliche Unterweisung muss wirklich geistreich gewesen sein, denn der Minister möchte getauft werden. Er möchte das Christentum für sich annehmen, denn er hat durch den Geist Glauben geschenkt bekommen.

Gebet: Herr, unser Gott, lass uns erkennen, wo du Chancen öffnest und den Boden für dein Wort bereitet hast, und lass uns diese Chancen nutzen im Vertrauen auf deinen Geist. Wecke du Glauben und führe zur Taufe. Und lass uns wahrhaft als Getaufte nach deinem Willen und in deiner Verheißung leben. Amen.

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