hg

Anzeige

Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 6. Juli 2018

Woche vom 8. bis 14. Juli

Anzeige

Sonntag:    Psalm 51
Montag:     Johannes 4, 1-14
Dienstag:     Johannes 4, 15-26
Mittwoch:     Johannes 4, 27-42
Donnerstag:     Johannes 4, 43-54
Freitag:     Johannes 5, 1-9a
Samstag:     Johannes 5, 9b-18

Das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Brunnen ist doppelsinnig, auch zunächst verwirrend. Der Dialog findet auf verschiedenen Ebenen statt, die der Frau noch verborgen bleiben und sich erst jetzt im Nachhinein öffnen. Erst später kann man also verstehen, was Jesus damals mit seinen Worten gemeint hat. Diese Einsicht gilt dann aber auch für die nachfolgenden Leserinnen und Leser: In jeder Epoche und in jedem Leben gibt es Erfahrungen von Gottes Wirken, die erst im Rückblick verstanden werden, wenn alle „Muster, die von Gott in den Teppich des Lebens verwoben wurden“, entdeckt werden können. Glauben ist immer auch ein Glauben gegen den Augenschein. Aber Christen wissen um die andere Ebene Gottes hinter den Dingen;  sie ahnen seine großen Muster in und hinter dem, was vor Augen ist.

Zu den anrührendsten Geschichten des Neuen Testamentes gehört die von dem Kranken am Teich Bethesda. Die Archäologen konnten dieses Gewässer inzwischen neben der Anna Kirche unweit des Stephans Tores bestimmen, das lange Zeit unter Trümmern verborgen lag. Kein Wunder bei den vielen Zerstörungen, die Jerusalem über sich ergehen lassen musste. In der Kreuzfahrerzeit wurde die Teichanlage mit Schutt verfüllt und überbaut, so dass sie langsam in Vergessenheit geriet. Es gibt Hypothesen zu dem sich rhythmisch bewegenden Wasser und auch über die Heilkraft, die ihm (unter anderem vom Asklepios-Kult) nachgesagt wurde. Wahrscheinlich diente der Teich der Wasserversorgung des nahe liegenden Tempels. Bet-esda heißt Haus der Barmherzigkeit

Für das nicht genauer benannte Fest (5,1) kommen zwar alle drei Wallfahrtsfeste der Juden infrage, wahrscheinlich ist es aber das (jüdische) Pfingstfest, an dem jener Patient nach 38 Jahren leidvollen Wartens Jesus antwortet: „Herr, ich habe keinen Menschen!“ Obwohl sich doch nur wenige Meter entfernt im Tempel die Menschenmassen drängten und fromme Hilfe hätte selbstverständlich sein müssen. Es ist müßig, über die medizinische Seite der Krankheit zu spekulieren. Die hilflose Einsamkeit überlagerte schließlich alles andere bei diesem Mann.

Über einen Heilungsvorgang selbst wird nichts berichtet. Jesus sagt nur: „Steh auf, nimm dein Bett und gehe hin!“ Aber das geschieht am Sabbat und ist deswegen in den Augen der Pharisäer eine eklatante Provokation gegen Gottes Gebot. Und noch „schlimmer“: Jesus nennt Gott seinen Vater und nimmt gewissermaßen die Gottgleichheit in Anspruch, ein unerhörter Vorgang, der schließlich den Anlass für die Strafverfolgung Jesu bietet.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen