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Steht uns eine Diktatur der Technik bevor? Und wie stellen sich die Kirchen zu den neuen Möglichkeiten? Klar ist: Es gibt Chancen und Risiken. Foto: TSEW

Putzen kann sie nicht, beten schon

Digitalisierung

Von Uwe Herrmann | 12. Juni 2018

Immer mehr Haushalte nutzen Dienste von Sprachassistenten. Die vierte Industrielle Revolution prägt den Alltag immer stärker und schneller. Doch was ist gut und was nicht?

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Steht uns eine Diktatur der Technik bevor? Und wie stellen sich die Kirchen zu den neuen Möglichkeiten? Klar ist: Es gibt Chancen und Risiken. Foto: TSEW

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"Wie war zu Cölln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem!...“ An die fleißigen Zipfelmützengesellen, die einer bekannten Sage nach heimlich in der Nacht den friedlich schlafenden Menschen allerlei Arbeit abnahmen – bis die Neugier der Schneidergattin sie verschwinden ließ –, erinnern Helferlein wie Alexa, Siri, Bixby oder Cortana.
Auch wenn sie weder staubsaugen noch wischen oder mal eben den Müll runterbringen, geschweige denn handwerkern können. Denn sie sind „nur“ Sprachassistenten, deren Dienste sich auf über Internetverbindung abrufbare vorprogrammierte Fähigkeiten beschränken. Sätze wie „Alexa, schalte das Wohnzimmerlicht ein!“, „Alexa, öffne Gute-Nacht-Geschichte und spiele Folge 5!“ „Alexa, wann muss die grüne Tonne raus?“ sind dennoch in immer mehr Haushalten zu hören.

Gegenwartsprech der nahen Zukunft. Denn die Entwicklung über den mit immer mehr Fähigkeiten ausgestatteten High-Tech-Assistenten hinaus zum Ersatz-Kommunikator und weit mehr Ersatz-Dienstleister und -Arbeiter geht rasant weiter. In den Technik­labors wird mit Hochdruck an Robotern gearbeitet, die nicht nur Rasen mähen oder in Gefahrenzonen operieren können, sondern sehr menschlich dahergelaufen kommen und ihr Gegenüber freundlich-zugewandt mit einem „Guten Tag, wie geht‘s?“ begrüßen. All das ist längst keine Utopie mehr.

Was ist da im Gange? Was kommt da noch alles auf uns zu? An Chancen und neuen Möglichkeiten? Aber auch an Gefahren und  bedenklichen Entwicklungen?
Festzuhalten ist: Für die mit der fortschreitenden Digitalisierung gegebene grundlegende vierte Phase industrieller Umwälzung – denn das ist sie – gilt dasselbe wie für die erste (Dampfmaschine) Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, die zweite (Elektri­zität) Ende des 19. Jahrhunderts und die dritte (Elektronik und Informationstechnologie) Mitte des 20. Jahrhunderts: Erstens lässt sie sich ebensowenig aufhalten. Und zweitens krempelt auch sie unsere sozia­len und wirtschaftlichen Verhältnisse beschleunigt so um, dass vieles ganz neu gedacht, hinterfragt und begründet werden muss.

Doch daran fehlt es bisher, kritisiert der Publizist und Philosoph Richard David Precht. Sein vor einem Jahr im Deutschlandfunk gemaltes Schwarzbild von einer „Art technokratischer Diktatur“ durch digitale Supermächte, wenn der von kommerziellen Unternehmen vorangetriebene technologische Fortschritt nicht politisch in geordnete Bahnen gelenkt wird, ist nicht überzeichnet. Das hat erst jüngst der Facebook-Skandal gezeigt.

Doch es tut sich was auf der politischen Bühne: Die jetzt in Kraft getretene Europäische Datenschutz-Grundverordnung ist da ein wichtiger Baustein. Weitere sind nötig. Gefordert, wenn es um Orientierung und Maßstäbe geht,  ist die ganze Gesellschaft.
Die Kirchen sehen sich aktuell durch ihre anglikanischen Glaubensgeschwister angefragt: „Alexa, sprich das Vaterunser!“ heißt es da. Oder es gibt eine Antwort auf die Frage: „Wie werde ich Christ?“ – Gut? Oder nicht?

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