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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 8. Juni 2018

Woche vom 10. bis 16. Juni 2018

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Sonntag:     Psalm 36
Montag:       Amos 5, 1-17
Dienstag:     Amos 5, 18-24
Mittwoch:     Amos 6, 1-14
Donnerstag:  Amos 7, 1-9
Freitag:         Amos 7, 10-17
Samstag:      Amos 8, 1-10

Die Kapitel 5 und 6 enthalten flammende Anklageworte gegen die damaligen Zustände in Israel, also die im Nordreich mit Samaria als Hauptstadt. Nicht die uralten, schon vor der Eroberung Jerusalems bestehenden Heiligtümer und Kultorte in Bethel, Gilgal oder Beersheva haben den Schlüssel zum Heil, sondern allein Gott. Suchet diesen Herrn, so werdet ihr leben. Und diese Suche geschieht nicht so sehr in den Feiertagen mit schönen Gottesdiensten und frommen Liedern, sondern in einer funktionierenden Rechts- und Sozialordnung, die alle Schichten des Volkes umfasst.
Mit beißendem Spott und geißelnder Schärfe prangert Amos die Zustände dieser Gesellschaft an und entlarvt deren Religiosität als heuchlerisch und oberflächlich. Man hält beim Lesen den Atem an: Wie mag das damals in der Realität gewesen sein, wenn der Prophet etwa im (schattigen und belebten) Stadttor seine Kritik Auge in Augen den Betroffenen ins Gesicht schleuderte? Amos erfährt hier, was viele vor ihm und nach ihm erleben, dass nämlich Glaube immer dann auf Widerstand stößt, wenn er konkret wird, wenn Einmischung gewagt wird und er in öffentlicher Verantwortung gelebt wird.

Amos prangert den Luxus an, weil der ein Leben auf Kosten anderer ist und weil eine arrogante Überheblichkeit dahinter steht, zu der kein Mensch berechtigt ist. Wenn Gott dann „die Stadt voll und ganz übergeben (besser: „ausliefern“) wird (V.8), ist wahrscheinlich eine Pestepidemie gemeint, jedenfalls lassen sich die Verse 9 und 10 ganz aus solchen Erfahrungen heraus verstehen. Die grauenhafte Unerbittlichkeit solcher Krankheitswellen mag man sich heute gar nicht vorstellen, genauso wie die Erdbeben (6, 11) in jenen Zeiten, als man noch nicht planmäßig stabile Baukonstruktionen (etwa Rundbögen) verwendete und entsprechende Materialien zur Verfügung hatte.

Übrigens steht in Vers 8 auch der in der jüdischen Frömmigkeit bis heute beachtete Hinweis, dass man „des Herren Namen nicht nennen“ darf. Ein Name dient ja dazu, ein Individuum von anderen zu unterscheiden. Wenn man Gott einen Namen gäbe, würde man ihn auf eine solche Stufe mit anderen stellen. Auch die Bezeichnung Jahwe „Ich bin der ich bin“ (2. Mose 3, 14) ist darum nicht eigentlich ein Eigenname, sondern im Grunde abweisend: Das kannst du Mensch nicht verstehen! Auch Jesus verwendet im Neuen Testament nicht einen Gottesnamen, sondern redet ihn mit „Vater“ an.

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