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Der amerikanische Musiker, Komponist, Musikproduzent und Songwriter Prince bei einem Konzert am 07.04.1985 in Miami, Florida, USA. Foto: epd

«Ich bin Musik»

Popmusik

Von Holger Spierig | 7. Juni 2018

Prince war einer der großen Superstars der 80er und 90er, Songs wie «Purple Rain» oder «Kiss» sind zeitlose Klassiker. Vor 60 Jahren wurde er geboren

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Der amerikanische Musiker, Komponist, Musikproduzent und Songwriter Prince bei einem Konzert am 07.04.1985 in Miami, Florida, USA. Foto: epd

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Bielefeld (epd). Er war als Exzentriker so schrill wie als Musiker kreativ: In einem seiner letzten Interviews bot Prince (1958-2016) das Bild eines Künstlers, der rund um die Uhr komponiert und produziert. Essen und schlafen erschienen ihm eher als lästige Ablenkung. «Ich bin Musik», sagte er dem Magazin «Rolling Stone».

Seine Musik zu spielen, sei wohl seine größte und vielleicht einzige Freude, notierte der Reporter. Prince soll bei dem Termin vieles gezeigt, aktuelle musikalische Skizzen vorgespielt und viel geredet haben. Auf die Fragen des Journalisten habe er jedoch mit kaum einem Wort geantwortet. So extrovertiert er sich auf der Bühne mit aufwendigen Kostümen und Bühnenshows gab, so hermetisch riegelte er sein Privatleben ab. Prince soll ein regelrechter Kontrollfreak gewesen sein.

Unweit von Minneapolis, wo er am 7. Juni 1958 zur Welt kam, hatte er sich mit dem Gebäudekomplex «Paisley Park» eine Art Festung errichtet. Dort nahm er seine Musik auf, drehte Videos und veranstaltete mit anderen Musikern legendäre Jam-Sessions bis in die frühen Morgenstunden. In den Büros waren Angestellte damit beschäftigt, ihm Mode auf den Leib zu schneidern und seine Umgebung nach seinem augenblicklichen Geschmack zu gestalten.

Am 21. April 2016 wurde er von einem Mitarbeiter tot in einem Fahrstuhl in «Paisley Park» gefunden. Er starb durch eine vermutlich unabsichtlich zu hohe Dosis des Schmerzmittels Fentanyl.

Nur wenige Künstler hätten den Sound der populären Musik so direkt mit ihrem Talent beeinflusst, würdigte ihn der damalige US-Präsident Barack Obama auf seiner Facebook-Seite: «Als einer der begabtesten und profiliertesten Musiker unserer Zeit machte Prince alles: Funk, R&B, Rock'n'Roll.»

Prince räumte die höchsten Preise gleich reihenweise ab: darunter sieben Grammy Awards, einen Oscar, einen Golden Globe. Im Jahr 2004 wurde er in die «Rock'n'Roll Hall of Fame» eingeführt. Die Musik, die er für andere Künstler schrieb und produzierte, war in der Regel Garant für internationalen Erfolg. Mit seinem Song «Nothing Compares 2 U» wurde die irische Sängerin Sinéad O'Connor weltberühmt. Auch Madonna und Chaka Khan ließen sich von Prince Hits schreiben. Seine eigenen Alben sollen sich zu seinen Lebzeiten mehr als 100 Millionen Mal verkauft haben.

Viele Musikexperten messen Prince den Stellenwert zu, wie ihn zu ihrer Zeit die Beatles, Bob Dylan oder Jimi Hendrix hatten. Kaum jemand vor ihm habe so wagemutig verschiedene Elemente gemischt wie den Funk eines James Brown, die Synthesizer und Drumcomputer der New Wave, die Melodien des Hitparaden-Pop, die Energie des Hardrock und sogar die beklemmende Spannung des Punk, schreibt der Autor Alex Hahn in seiner Prince-Biografie «Besessen - Das turbulente Leben von Prince».

Auf Konzerten spielte Prince oft auf einem Flügel Balladen, um danach an der E-Gitarre einen wieder auferstandenen Jimi Hendrix zu geben. Dazu tanzte er in raffinierten Choreographien. «Mein Talent kommt von Gott», sagte er 1998 in einem Fernseh-Interview. Ende der 90er Jahre hatte er sich der Glaubensgemeinschaft «Zeugen Jehovas» angeschlossen.

Ähnlich wie Jimi Hendrix konnte er mit dem Vorwurf wenig anfangen, er vernachlässige zugunsten eines Rock-Publikums die schwarze Community. «Als ich jung war, habe ich mir gesagt, dass ich eines Tages alle Art von Musik spielen werde - und dabei nicht nach meiner Hautfarbe beurteilt werde, sondern nach der Qualität meiner Arbeit», erklärte er einmal.

Geboren wurde er vor 60 Jahren als Prince Roger Nelson. Sein Vater trat in seiner Freizeit als Jazz-Pianist auf. Seine afroamerikanischen Eltern lebten mit sieben Kindern aus drei verschiedenen Beziehungen. Nach der Trennung der Eltern zog Prince mit zwölf Jahren zunächst zu seinem Vater, später wuchs er bei seiner Tante auf. Mit 19 Jahren veröffentlichte er sein erstes Album «For You».

Den internationalen Durchbruch erlebte Prince gut vier Jahre später mit dem 1982 erschienenen Doppelalbum «1999». Sein darauf folgendes Album «Purple Rain» wurde das erfolgreichste seiner Karriere. In dem gleichnamigen Kinofilm spielt er einen Musiker auf dem Weg nach oben.

In seinen letzten Jahren veröffentlichte Prince, der zweimal verheiratet war, zwar weiter Alben und Songs. Doch seine große Zeit war vorbei. Mit seiner Plattenfirma lag er im Streit, weil sie sich die Rechte an seinen bisherigen Songs gesichert hatte. Danach trat er unter anderen Namen auf, darunter «The Artist Formerly Known As Prince». Viele seiner Songs veröffentlichte er nur noch über seine Internetseite an zahlende Mitglieder. Andere Alben waren ausschließlich als Beilagen von Magazinen oder als Zugabe zu einem Konzertticket erhältlich.

Nach seinem Tod kam Prince immer wieder in die Schlagzeilen, wenn Kostüme oder eine seiner Gitarren für gigantische Summen versteigert wurden. Auch in Zukunft wird wohl von dem toten Musiker wieder zu hören sein. So kündigten die Nachlassverwalter die Präsentation von unveröffentlichten Prince-Stücke an - in einem sagenumwobenen Tresorraum («Vault») in «Paisley Park» sollen noch mehrere hundert bis mehrere tausend Songs lagern.

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Leser-Kommentare öffnen

Luise Scharfenstein, 7. Juni 2018, 23:46 Uhr


Tut mir leid. Ich kenne diesen Herrn nicht. Habe noch niemals irgend etwas von ihm gehört.
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Glybyrne, 8. Juni 2018, 9:28 Uhr


doch bestimmt schon etwas von ihm gehört. man kann in den vergangenen 20 jahren kein radio gehört haben ohne purple rain. ausgeschlossen

Kühlert, 8. Juni 2018, 12:08 Uhr


Stimmt! Und man bekommt den Song dann nicht mehr so leicht aus dem Kopf...

Luise Scharfenstein, 9. Juni 2018, 12:15 Uhr


Glauben Sie an Gott? Der Künstler beruft sich auf Gott. Finde ich interessant.
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