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Der „Pfingstochse“ geht auf die geschmückten Rinder beim Almauftrieb zurück. Foto: Composer

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Taube und Ochse

Pfingsten

Von Andreas Laska | 18. Mai 2018

Von Rindviechern und schmucken Zweibeinern: Viel Brauchtum gibt es nicht zu Pfingsten. Nur der Pfingstochse hat es in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft. Was es mit ihm auf sich hat?

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Der „Pfingstochse“ geht auf die geschmückten Rinder beim Almauftrieb zurück. Foto: Composer

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Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes – so lernt man es üblicherweise im Religionsunterricht. Und der – auch das lernt man da – wird in der Kunst zumeist als Taube dargestellt. Dennoch: Zum geflügelten Wort ist nicht die Pfingsttaube geworden, sondern der Pfingstochse. Was also hat das Rindvieh mit dem Pfingstfest zu tun?
Rein theologisch – da sind sich die Wissenschaftler einig – besteht keinerlei Zusammenhang. Weder taucht ein Ochse im biblischen Pfingstbericht auf, noch taugt das Tier als Symbol für den Geist Gottes. Nein, Pfingsten und der Ochse haben, rein biblisch gesprochen, nichts gemein.

Almauftrieb in den Alpen oft an Pfingsten

Wenn also die Theologie nicht weiterhilft, muss die Volkskunde herhalten. Und hier wird man in der Tat fündig. Pfingsten fällt, zumal im Alpenland, oft mit dem Almauftrieb zusammen. Die Kühe werden dann aus den Winterquartieren auf die Almwiesen getrieben, denn Frost ist jetzt selbst in höheren Lagen nicht mehr zu erwarten. In vielen Orten mutiert dieser Zug zum Volksfest, wobei das stattlichste Tier – mit Blumen und Bändern festlich geschmückt – den feierlichen Zug anführt: eben der besagte Pfingstochse.

Und von hier ist es dann nicht mehr weit zur sprichwörtlichen Verwendung: Weil das Rindvieh bei diesen Zügen meist üppig dekoriert ist, sagt man allzu auffällig fein gemachten Menschen gerne nach, sie hätten sich „herausgeputzt wie ein Pfingstochse“ – was dann aber kein Kompliment ist.
Nicht immer freilich dient der Ochse nur der Augenweide. In manchen Regionen landet das schmucke Tier nach dem Festzug kurzerhand auf dem Spieß. Und das übrigens nicht nur in Süddeutschland. Für Lippe und das Mindener Land hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ebenfalls einen entsprechenden, mittlerweile allerdings verschwundenen, Pfingstochsenbrauch recherchiert.
Dort allerdings waren es nicht die Bauern, sondern die Metzger, die den Ochsen-Zug veranstaltet haben. Und es ging auch nicht darum, die Tiere auf die Weide zu treiben. Vielmehr wollte jeder Metzger beweisen, dass er den schönsten und am besten gemästeten Ochsen gekauft hatte. Egal, wer am Ende gesiegt hat: Verspeist wurden die Tiere schließlich alle.

Manche Volkskundler ziehen hier Verbindungslinien bis in heidnische Zeiten. So haben die alten Germanen im Frühjahr gerne Tieropfer gebracht, um die Götter für das Erntejahr günstig zu stimmen. Wie so oft, hätte sich dieser Brauch mit christlichen Traditionen verbunden – und zum pfingstlichen Ochsenbraten geführt.
Ganz und gar unblutig fällt hingegen eine Tradition aus, die ebenfalls im süddeutschen Raum beheimatet ist. In manchen bayerischen Dörfern nämlich ist der Pfingstochse kein festlich geschmücktes Rindvieh, sondern jener Mann, der an diesem Tag als letzter aus dem Federn kam. Durchs Dorf getrieben aber wurde auch er, nicht selten auf einem Schubkarren.

Und hier führt eine letzte Spur noch einmal nach Westfalen. Auch dort – zumal im östlichen Münsterland – hatte man am Pfingstfest die Langschläfer im Visier. Das Milchmädchen, das am Pfingstmorgen als letzte auf die Weide kam, um die Kühe zu melken, wurde „Pinkesbrut“ (Pfingstbraut) genannt. Der Knecht wiederum, der am längsten in Morpheus Armen schlummerte, wurde „Pinkeshammel“ genannt. Doch im Gegensatz zum Pfingstochsen wurde der nicht sprichwörtlich.

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