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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 18. Mai 2018

Woche vom 20. bis 26. Mai

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Pfingstsonntag:    Psalm 99
Pfingstmontag:     Psalm 81
Dienstag:     Hebräer 10, 1-18
Mittwoch:     Hebräer 10, 19-25
Donnerstag:     Hebräer 10, 26-31
Freitag:     Hebräer 10, 32-39
Samstag:     Hebräer 11, 1-7

Die rituellen Bilder in Hebräer 9 und 10 bringen es mit sich, dass mit ihnen der geschichtliche Jesus leicht in den Hintergrund tritt. Andererseits können diese mythischen Vorstellungen sehr wohl das Außerordentliche am Tod Jesu zum Ausdruck bringen.

Der Hebräerbrief benutzt zwar diese Vorstellungen, zugleich löst er sich aber von ihnen, denn Gott will kein Opfer (10, 8), sondern es geht darum, dass die Menschen nach dem Willen und Angebot ihres Schöpfers leben und handeln. Es geht um das Gesetz, das im Herzen geschrieben ist (8, 10) und mit Händen und Füßen in dieser Welt umgesetzt wird.

So ist der Tod Jesu gewiss ein Sterben, das sich auf Erden und sehr irdisch vollzieht, aber durch seine Einmaligkeit gerade den immer wiederkehrenden Rhythmus der alten Opferrituale auflöst. Die irdische Realität des Kreuzes bewirkt ferner, dass sich seine Bedeutung nicht nur auf diese irdische Dimension erstreckt, sondern dass Jesus nun im Himmel „zur Rechten Gottes sitzt“, herrscht und richtet.

Der Hebräerbrief nutzt die Möglichkeit der gnostischen Gedankenwelt, um das Verhältnis von Erlöser und Erlösten zu beleuchten. Denn was Christus ist, wird nicht aus einer bloßen Betrachtung seiner historischen Person abgelesen. Was er ist, ist er stets nur dem Glauben seiner Gemeinde. Allerdings wird der gnostische Mythos zerbrochen, weil Jesus die Überheblichkeit zerschlägt, die so tut, als ob es im Menschen einen ewigen göttlichen Funken gäbe, der auf Erden nicht beschmutzt oder zerstört werden könne.

Gerade so ist es nicht, sondern der Hebräerbrief macht klar, dass der von Gott losgelöste Sünder, der sich und seine Welt schuldhaft zerstört hat, nun durch Christus eine neue Anwartschaft auf Gottes Reich hat, die der Mensch eben nicht aus eigener Kraft erreichen kann. Erst der gekreuzigte Menschensohn Jesus macht das wieder möglich und zwar durch sein Handeln hier auf dieser Erde.

Das bindet den Menschen in die neue Welt hinein und befähigt ihn zu neuem Leben. Dieses Leben gleicht einer Wanderschaft, die zum Ziel führt und damit – auch im gnostischen Sinne – Nachfolge ist. Im Allgemeinen scheut sich das Neue Testament ansonsten, den Glauben als Nachfolge zu beschreiben, weil ihm dadurch der qualitative Unterschied zwischen dem Menschensohn Jesus und dem irdischen Menschen bedroht erscheint, der ja auch als Christ nicht aufhört, angefochten und immer wieder neu in Schuld zu sein.

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