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Lieber ins Grüne

Tag Der Arbeit

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 1. Mai 2018

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Der Mai ist gekommen, und nur noch die Bäume schlagen aus. Abgesehen von einigen Chaoten – Stichwort: Berlin-Kreuzberg – werden wohl auch in diesem Jahr die Leute am 1. Mai lieber ins Grüne ziehen statt auf den Straßen zu skandieren. Das ist einerseits gut so. Denn die Gewalt von beiden Seiten, mit der die Geschichte der Arbeiterbewegung phasenweise verknüpft war, wünscht sich ein vernünftiger Mensch nicht zurück. Andererseits: Etwas mehr Engagement der Bürgerinnen und Bürger könnte nicht schaden.

Aufreger-Themen gäbe es: Arbeitsplatzsicherheit, Rente, Niedriglöhne, Bezahlung von Frauen, Tarifflucht … Unzufriedenheit ist da. Aber die zeigt sich im Moment  eher als pauschale Übellaunigkeit. Als Hassrede auf „das Establishment“. Dahinter stecken Enttäuschung, Ohnmacht. Das Gefühl, abgekoppelt zu sein. Verständlich. Aber: Wohin geht eine Gesellschaft, in der ein großer Teil lieber hetzt statt Verantwortung zu übernehmen? Irgendwann wird man sich vielleicht noch die Tage zurückwünschen, in denen nur die Bäume ausschlugen.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 2. Mai 2018, 5:52 Uhr


"Irgendwann wird man sich vielleicht noch die Tage zurückwünschen, in denen nur die Bäume ausschlugen." Der Satz erinnert mich an meinen Grossvater und später an meinen Vater. Beide wurden sehr alt und sehr erfahren und lehrten mich "Mässigung." Meine Erfahrung: Wenn ich an all die Demos und Aufmärsche, die ich an diesem Tag schon ausufernd wahrnahm denke, ist das Leben nicht mässig. Darum ist es an mir, wie in Anthony de Mellos Buddha-Parabel, mich darum zu bemühen:

Als Buddha zu seiner spirituelle Suche aufbrach, führte er ein Leben voller Entbehrungen und strenger Askese.

Eines Tages gingen zwei Musiker an dem Baum vorüber, unter dem er meditierend saß. Einer sagte zum anderen: "Spann die Saiten deiner Sitar nicht zu fest, oder sie werden reißen. Und lass sie nicht zu locker hängen, denn dann kannst du darauf keine Musik machen. Halte dich an den mittleren Weg."

Diese Worte trafen den Buddha mit solcher Wucht, dass sie seinen Weg der Spiritualität grundlegend veränderten. Er war überzeugt, dass die Worte für sein Ohr bestimmt waren. Von diesem Augenblick an gab er alle strengen Grundsätze auf und begann einem Weg zu folgen, der leicht und hell war, den Weg der Mäßigung. Und tatsächlich wird sein Zugang zur Erleuchtung der Mittlere Pfad genannt.






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