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Morgengottesdienst am ersten Tag des Laubhüttenfestes (Sukkot) in den Räumen der Jüdischen Liberalen Gemeinde Köln-Gescher LaMassoret. Jetzt hat sich in Köln ein neuer Verein gegründet. Er will dazu beitragen, dass jüdisches Leben in Deutschland gut eingebunden bleibt. Foto: epd/Archiv

Zeichen setzen: 1700 Jahre jüdisches Leben

Gesellschaft

Von Bernd Becker | 18. April 2018

In Köln haben bundesweit renommierte Persönlichkeiten einen Verein gegründet: „321: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Ziel ist ein Festjahr 2021. Damit soll auch ein Zeichen gesetzt werden gegen einen wieder erstarkenden Antisemitismus

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Morgengottesdienst am ersten Tag des Laubhüttenfestes (Sukkot) in den Räumen der Jüdischen Liberalen Gemeinde Köln-Gescher LaMassoret. Jetzt hat sich in Köln ein neuer Verein gegründet. Er will dazu beitragen, dass jüdisches Leben in Deutschland gut eingebunden bleibt. Foto: epd/Archiv

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In der Kölner Synagoge haben ranghohe Vertreter aus Judentum, Politik und Kirchen jetzt einen Verein gegründet, der die Bedeutung der jüdischen Kultur und Geschichte für Deutschland und Europa wachhalten will. Unter dem Namen „321: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ möchte der Verein zudem ein deutliches Zeichen gegen den wieder erstarkenden Antisemitismus setzen.

Mit dabei: Katholisch und Evangelisch

Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ), Josef Schuster, der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg sowie Hans Leyendecker, renommierter Journalist und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags.
Ebenfalls mit dabei sind der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers, die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, der Präsident des Landschaftsverbands Rheinland, Jürgen Wilhelm, und Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Köln gilt als die älteste urkundlich erwähnte jüdische Gemeinde in Europa nördlich der Alpen. Zum 1700. Jahrestag im Jahr 2021 will der Verein öffentlichkeitswirksame kulturelle, politische und interreligiöse Veranstaltungen und Debatten anstoßen und durchführen.

Ziel: Interesse wecken, Debatten anstoßen

Mit der Gründung verbinden die Initiatoren zugleich den Aufruf an möglichst viele Gruppen in der Gesellschaft, dem Verein beizutreten und dieses Jubiläum mitzugestalten.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden erklärt dazu: „Für uns Deutsche ist das Datum 2021 von besonderer Bedeutung und vergleichbar mit der Erinnerung der evangelischen Kirche an das Reformationsjubiläum 2017“. Laut dem Kölner Synagogen-Vorstand und stellvertretenden ZdJ-Präsidenten Abraham Lehrer solle vor allem „der Frage nachgespürt werden, worin der besondere Anteil des Judentums in der Geschichte des jüdisch-christlichen Abendlandes liegt“.

Hans Leyendecker betont als Kirchentagspräsident: „Wir Protestanten freuen uns auf das Jahr 2021, auf ein jüdisches Festjahr, das Zeichen der Brüderlichkeit und der Solidarität setzen soll: gegen den wieder wachsenden Antisemitismus in Deutschland, für Weltoffenheit, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen. Hasser und Hetzer dürfen nicht gewinnen.“

Köln: Keine andere Stadt hat so eine lange Tradition

Laut der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker „ist keine andere Stadt in Deutschland so lange mit jüdischer Geschichte verbunden wie Köln.“ Durch das Edikt Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321 sei diese Verbindung bereits für die römische Antike belegt. „Im Jahr 2021 werden wir auf eine lange Geschichte der Juden in Köln zurückblicken können, eine sehr wechselvolle, die von Zeiten der Toleranz und des Miteinanders wie der Diskriminierung und der Verfolgung geprägt war.“ Diese Erinnerung gebe „in besonderer Weise Anlass, die historischen Lebenswelten der jüdischen Kölnerinnen und Kölner zu erforschen und diesen Teil unserer Geschichte in Köln und darüber hinaus in Deutschland in Veranstaltungen und Publikationen darzustellen und zu diskutieren“, sagt Oberbürgermeisterin Reker und hebt hervor: „Die Stadt Köln und ich persönlich freuen uns auf das Jahr 2021.“

Köln habe mit dem Dekret Kons­tantins den historischen Beleg für die Existenz einer jüdischen Gemeinde in der Stadt bereits vor Beginn der Christianisierung. Daran erinnert Jürgen Wilhelm vom Landschaftsverband Rheinland. Damit sei eine beinahe 2000-jährige lebendige Gemeinschaft zwischen Römern, Juden und Christen nachweisbar. Darauf nach 1700 Jahren hinzuweisen und die kulturelle und ökonomische Bereicherung durch jüdische Menschen für den gesamten europäischen Raum in den Vordergrund zu stellen, „ist eine wunderbare Idee, die wir lebhaft und mit Nachdruck unterstützen“.

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