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Glauben, zweifeln, glauben, nicht glauben. Im Laufe des Lebens kann sich das Verhältnis zu Gott drastisch ändern – und zwar immer wieder. Das muss gar nicht mal schlecht sein. Foto: TSEW

Ja. Mit Gottes Hilfe

Bekenntnis

Aus der Printausgabe - UK 17 / 2018

Von Anke von Legat | 23. April 2018

Wie sieht ein Leben mit Gott aus? Wer sich darauf einlässt, spürt schnell: Da kann es auf und ab gehen. Zweifel können immer wieder kommen. Schon bei der Konfirmation kann sich das zeigen

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Glauben, zweifeln, glauben, nicht glauben. Im Laufe des Lebens kann sich das Verhältnis zu Gott drastisch ändern – und zwar immer wieder. Das muss gar nicht mal schlecht sein. Foto: TSEW

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„Ich lasse mich nicht konfirmieren“, sagt die 13-Jährige sechs Wochen vor der Konfirmation. „Ich glaube gar nicht an Gott!“

Auch wenn so ein Satz ein Schock ist für die Eltern – man möchte sie fast beglückwünschen. Denn während viele Gleichaltrige offen zugeben, dass es ihnen bei der „Konfi“ vor allem um die Geschenke geht, hat sich diese Jugendliche offenbar wirklich Gedanken über den Glauben gemacht. Und sie steht zu ihren Zweifeln – selbst, wenn das heißt, auf Geld, Feier und alles andere zu verzichten. Darum erst einmal Respekt für so viel Konsequenz.

Allerdings liefe etwas falsch, wenn die Konfirmation als eine Art Glaubens-Vertrag für den Rest des Lebens verstanden würde. Wer könnte schon mit 13 sicher sagen, was er mit 20 glauben wird, mit 40 oder mit 80?

Menschen, die sich mit Gott auf den Weg gemacht haben, werden neben beglückenden und hoffnungsvollen Erfahrungen immer auch von Zweifeln, Erschütterungen und Kämpfen erzählen, von Zeiten ohne Gott und ohne Glauben. Aber: Diese Erfahrungen sind für Jugendliche noch nicht zugänglich. Es gibt sie nur im Rückblick. Erst wenn ich Situationen erlebt habe, in denen Gott verborgen schien, kann ich später sagen: Und er hat mich doch getragen.
Umso wichtiger ist es, jungen Menschen das nahezubringen, im Konfirmandenunterricht, im Religionsunterricht und in persönlichen Gesprächen: Einen fertigen Glauben gibt es nicht. Zum Leben wie zum Glauben gehört Veränderung.

In der Liturgie für den Konfirmationsgottesdienst kommt das zum Ausdruck. Da wird nämlich erst ein Glaubensbekenntnis gesprochen, und dann werden die Jugendlichen gefragt, ob sie in diesem Glauben „bleiben und wachsen“ wollen. Es geht also nicht um eine fertige Überzeugung, die vor Gott und den Menschen vorzuweisen wäre, ein für alle Mal und unerschütterlich. Es geht um die Bereitschaft, sich auf Gott einzulassen; im Leben unterwegs zu sein mit einem wachen Herzen und offenen Augen und alles, was kommt, zu prüfen: Spricht hier Gott zu mir? Lässt er sich von mir finden – und lasse ich mich von ihm finden?

Nicht ohne Grund lautet die Antwort auf die Konfirmationsfrage „Ja, mit Gottes Hilfe“. Da ist also ein Ja zum Bekenntnis und zum Glauben vorgesehen, bei dem von Anfang an klar ist: Ich schaffe das nicht allein. Glauben ist auch ein Geschenk. So wie der Segen, der in der Konfirmation auf dieses Ja hin folgt. Das ist beruhigend. Beim Glauben geht es nie um Leistung, sondern um Gnade. Ein großes Wort in unserer Welt.

Übrigens: Nach einigen Gesprächen und Überlegungen ist die 13-Jährige, die nicht an Gott glaubte, dann doch zur Konfirmation gegangen. Als Spruch hat sie sich einen Satz von Paulus ausgesucht: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet“. Wenn das kein gutes Motto für ein Christenleben ist…

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