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Ohne den Hirten geht es nicht. Er trägt Verantwortung, so ein Hirte. Egal ob beruflich oder als Hobby. Er muss sich kümmern. Die Schafe vor Gefahren schützen, die Lämmer behüten. Sie gelegentlich sogar mit der Flasche großziehen. Das alles tut so ein Hirte freiwillig. Weil er sich dafür entschieden hat. Manchmal finden sich solche Hirten auch unter den Menschen. Sie tragen Verantwortung für den Nächsten – freiwillig. In der Nachfolge Jesu, der der Menschenhirt war. Foto: Countrypixel

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Geschöpfe Gottes

Andacht

Von Michael Westerhoff | 15. April 2018

Andacht über den Predigttext zum Sonntag Misericordias Domini: 1. Petrus 5, 1-4

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Ohne den Hirten geht es nicht. Er trägt Verantwortung, so ein Hirte. Egal ob beruflich oder als Hobby. Er muss sich kümmern. Die Schafe vor Gefahren schützen, die Lämmer behüten. Sie gelegentlich sogar mit der Flasche großziehen. Das alles tut so ein Hirte freiwillig. Weil er sich dafür entschieden hat. Manchmal finden sich solche Hirten auch unter den Menschen. Sie tragen Verantwortung für den Nächsten – freiwillig. In der Nachfolge Jesu, der der Menschenhirt war. Foto: Countrypixel
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Michael Westerhoff (55), Bielefeld, ist Pfarrer und Referent für Personalentwicklung für den Pfarrdienst.

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Predigttext
1 Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: 2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, und achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, 3 nicht als solche, die über die Gemeinden herrschen, sondern als Vorbilder der Herde. 4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Ich stamme nicht aus einem Pfarrhaus und bin nicht in einem Wohnwagen am Rande einer Schafherde groß geworden. Aber dennoch bin ich gewissermaßen Sohn eines Hirten: Schafe gehörten zu meinen prägenden Kindheitserinnerungen. Mein Vater war (Hobby-)Schafzüchter – eine wahrlich intensive Freizeit-Beschäftigung. Bei uns drehte sich vieles um Schafe. Ihr Lebensrhythmus und ihre Bedürfnisse bestimmten unser Familienleben. Im Frühjahr galt es Lämmer mit der Flasche großzuziehen, im Sommer wurden die Tiere geschoren und im Herbst wurden die Böcke auf Auktionen verkauft. Ich glaube, so ein wenig abschätzen zu können, wie es ist, wenn man Verantwortung für Tiere, die Aufmerksamkeit und Einsatz erfordern, übernimmt.

Mit diesem Blickwinkel lese ich die Worte unseres Predigttextes, um vielleicht besser zu verstehen, wie der Briefschreiber mit den Bildern von Hirte und Herde anschaulich machen will, wie die Ältesten, die Presbyter, eine Gemeinde leiten sollen.

Er bedient sich dreier Gegensatzpaare. Die Herde soll nicht gezwungen, sondern freiwillig im Blick auf Gott, nicht aus schnöder Gewinnsucht, sondern aus innerem Antrieb, nicht wie ein Unterwerfung fordernder Herrscher, sondern „vorbildlich“ gehütet werden.

Kaum jemand wird dem widersprechen. Wie bei allen guten Ratschlägen besteht allerdings eine gewisse Gefahr – nun, ja, – der Überinterpretation. Schauen wir uns das zunächst aus Sicht eines (Hobby-)Schafzüchters an: Nein, keiner und nichts zwingt dich dazu, dir Schafe auf die Weide zu stellen – regelmäßiges Mähen tut es auch. Aber wenn du sie hast, dann musst du auch für sie sorgen. Nicht nur „frei-willig“, sondern wenn sie dich brauchen: Wenn sie Hunger haben, krank sind, Lämmer gebären.

Natürlich willst du mit deinem Hobby kein Geld verdienen – im Gegenteil: Es kann recht kostspielig werden. Aber: Du hast viel Mühe und Liebe in die Aufzucht dieser Tiere gesteckt und wenn einer von dir eins haben will, dann drückt sich dessen Wert auch materiell aus.

Du wirst deine Tiere liebevoll pflegen, sie angemessen und tiergerecht führen. Allerdings: Nur mit Nachahmung lassen sich gerade so eigenwillige Tiere wie Schafe nicht führen. Sie müssen schon wissen, dass der Hirte oder der Hütehund die Chefs sind, die zeigen, wo es langgeht.

Vergleiche ich diese Erfahrungen mit der Welt der Gemeindeleitung, dann sehe ich in meinem beruflichen Alltag auch manche Überinterpretationen. Menschen, denen die Leitung einer Gemeinde anvertraut ist, werden gewiss nicht gut leiten, wenn sie das als Pflichtübung, die Gott von ihnen einfordert, tun. Aber Frei-willigkeit als Grundlage des „Dienstes am Evangelium“ darf nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Gemeinsam wird man darüber übereinkommen, was jetzt wirklich Not tut und danach pflicht-bewusst handeln.

Ein stark verkürztes Verständnis unseres Textes bestände auch darin, Pfarrerinnen, die Wert darauf legen, ihrer langen Ausbildung und der Verantwortung ihres Berufs gemäß angemessen bezahlt zu werden, oder Presbyter, die darum bitten, Fahrkosten erstattet zu bekommen, als gewinnsüchtig zu diffamieren. Menschen, die in der Kirche arbeiten, arbeiten deshalb nicht außerhalb der Welt und bleiben deren Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Und dazu gehört, dass Arbeit auch einen materiellen Wert hat.
Und wer die Vorbildlichkeit allein für die Seite der Leitung reklamiert oder vermeintlich „herrschaftskritisch“ jede Form von Leitung als unangemessen ablehnt, der verkennt die Absicht des Textes. Denn für ihn besteht gar kein so großer Gegensatz zwischen Leitenden und Geleiteten. Sie sind alle Teil der Herde und dienen einander, vorbildlich und durch leitendes Handeln, wo es nötig ist. Damit wird allerdings keine Herrschaft des einen über den anderen begründet. Denn gemeinsam ist ihnen die Beziehung zu dem einen Hirten, Jesus Christus, zu dessen Ehre all das geschieht. Ähnlich dem (Schaf-)Hirten, der seine Tiere wohl nur gut führen kann, wenn er sich bewusst ist, dass er genauso ein Geschöpf Gottes ist wie sie.

Gebet: Jesus Christus, du hast uns in eine neue, wahrhaft heilsame Nähe zu Gott geführt. Füreinander Hirtinnen und Hirten zu werden, fällt uns nicht immer leicht. Gib uns Orientierung, wenn wir uns verlieren, Stärke, wenn wir stärken müssen, Geduld, wenn uns das Warten auf dein Kommen schwerfällt. Amen

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