hg
Bild vergrößern
EKD-Cheftheologe Thies Gundlach kann Kritik an politischen Predigten nachvollziehen. Foto: epd

«Tremolo der Auseinandersetzung» nicht verstärken

Predigten

Von Karsten Ferichs | 16. April 2018

Der Cheftheologe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, äußert Verständnis für Kirchgänger, die an Predigten mit unmittelbaren Bezügen zur Tagespolitik Anstoß nehmen.

Bild vergrößern
EKD-Cheftheologe Thies Gundlach kann Kritik an politischen Predigten nachvollziehen. Foto: epd

Anzeige

Hannover (epd). "Manchmal reden wir in unseren Predigten vielleicht ein bisschen zu wenig über Gott", sagte Gundlach, der als Vizepräsident die Hauptabteilung II "Kirchliche Handlungsfelder und Bildung" im EKD-Kirchenamt leitet, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es ist doch Aufgabe eines Predigers, den Himmel auf Erden zu holen und nicht die Erde sozusagen zu verhimmlischen und politische Positionen mit Noten des Himmels zu versehen", betonte er.

Transzendenz komme vielleicht zur kurz

Im Einzelfall sei solche eine Predigtkritik indes nicht fair. "Alle, die auf die Kanzel treten, bemühen sich sicher auf ihre Weise, angemessen von Gott und dem Himmel zu reden. Den allgemein sich verstärkende Eindruck aber, dass Transzendenz in Predigten mitunter einen Tick zu kurz kommt, müssen wir jedenfalls kritisch reflektieren und nicht nur abwehren", sagte Gundlach.

Er empfiehlt Pastoren genau abzuwägen, ob sie in Zeiten der Verunsicherung politische Bezüge in ihre Predigten einbauen. "Kirche sollte zur Versachlichung überhitzter Auseinandersetzungen beitragen. Wir müssen nicht auch noch von uns aus das Tremolo verstärken", sagte Gundlach. Das schließe nicht aus, Grenzen zu ziehen. "Wo es menschenfeindlich wird, muss Kirche Position beziehen", sagte der Theologe.

Kirche in den Blick nehmen

Gundlach beschrieb ein "Tremolo der Auseinandersetzung" als Zeitgeistphänom. "Jeder spürt, da finden grundlegende Veränderungen statt, und keiner hat die ganz große Lösung. Das schafft Verunsicherung, und dann wird die Tonlage höher", sagte der Theologe. In dieser Situation werde die Kirche noch einmal besonders in den Blick genommen. "Denn Predigten stehen immer auch unter der Erwartung: Jetzt wird gesagt, wie es geht", sagte Gundlach.

3

Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 17. April 2018, 10:08 Uhr


Herr Gundlach trifft das Thema ganz genau. Ein "Tremolo der Auseinandersetzung" das sich als verständlich erweist, sind die Büttenreden eines Pfarrers, die ich kürzlich entdeckte:

http://kanzelgruss.de/2017/02/11/buettenpredigt-ueber-maria-und-martha/

Wenn wir irgend etwas unterschätzen in unserem Leben – dann ist es die Wirkung der Freundlichkeit. (Marc Aurel)

Nun können nicht alle Pfarrer so phantastisch dichten und mit so wenig Worten soooo viel sagen wie Bernd Zielezinski. Politik in seiner Art vertont, klingt ganz sicher jedem Zuhörer wohl:-)
Beweist dieses Pfarrers Tremolo doch ausserdem, dass wir seit der Bibel in der Evolution kaum vorangekommen sind und ein Jahrtausend in der Entwicklung des Menschen, kaum mehr als ein Wimpernschlag ist.

Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

wpayrr, 23. April 2018, 10:47 Uhr


1. Ich finde es höchst ärgerlich, dass Thies Gundlach in dem Artikel "Cheftheologe der EKD" genannt wird. Gibt es in Sachen Theologie neuerdings in der evangelischen Kirche ein oberstes (wenn auch nicht unfehlbares) Lehramt? Thies Gundlachs Worte haben Gewicht - aber auch nicht mehr Gewicht als die Worte von Frauen und Männern, die sich mit großem Ernst um eine schriftgemäße Auslegung und Verkündigung der Heiligen Schrift bemühen. Bis auf weiteres gilt - so hoffe ich - der Grundsatz vom Priestertum aller Gläubigen.
2. Es wundert mich, dass in den Ausführungen Gundlachs nicht einmal der Hinweis auf das prophetische Wächteramt der Kirchen erfolgt. Die Grundordnung der EKD (in deren Namen sich Gundlach äußert) bezieht sich gleich in ihrem ersten Artikel auf die Barmer theologische Erklärung von 1934. Dort heißt es in der fünften These: "Sie (sc. die Kirche) erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten." Die Einmischung in aktuelle politische und gesellschaftliche Debatten ist von Barmen her nicht nur erlaubt, sondern geboten.
3. Im Übrigen glaube ich, dass in der Angelegenheit vor allem ein Wahrnehmungsproblem vorliegt. Medien greifen natürlich vor allem politische Äußerungen in Predigten von - vor allem kirchenleitenden - Pfarrerinnen und Pfarrern auf. So entsteht in der Öffentlichkeit zwangsläufig ein schiefes Bild. Ich bin überzeugt, dass an jedem Sonn- und Feiertag in Tausenden Gottesdiensten sehr viel über den dreieinigen Gott und seine Liebe zu den Menschen gepredigt wird; aber da berichtet natürlich keiner drüber. Thies Gundlach sei angeraten, einfach mal über Land zu fahren und ganz "normale" Gottesdienste zu besuchen.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Pierre Viret, 25. April 2018, 11:19 Uhr


"Es ist doch Aufgabe eines Predigers, den Himmel auf Erden zu holen und nicht die Erde sozusagen zu verhimmlischen und politische Positionen mit Noten des Himmels zu versehen", sagt der, der tatsächlich als "Cheftheologe" der EKD bezeichnet wird. Ein solches Amt war mir bisher nicht bekannt.
Den Himmel auf Erden holen? - was soll das sein? Das Licht von oben, das unsere Welt erleuchtet? Das Kommen des Gottessohnes? Oder was? Holen kann ich das alles nicht, nur davon erzählen.
Und die Erde verhimmlischen? Wird sprachlich auch nicht besser. Hören wir doch ständig in allen möglichen Varianten: Der Himmel ist da, wo du bist. Aber in einer Traupredigt war Herr G. doch nicht.
Bleibt noch der kritische Blick auf politische Positionen (von einer Notengebung höre ich das erste Mal, etwa: Trump 5, AfD dito, Merkel 2-3...). Das ist uns doch durch Bibel und Bekenntnis geboten. Siehe der Beitrag vorher.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen