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Klatsch und Tratsch gehören zum Leben. Aber wenn das Gerede über andere bösartig wird, können Worte das Leben auch beschädigen oder sogar zerstören. Zu solchen zerstörerischen Worten gehören auch die dumpfen Parolen, die alle, die „anders“ sind, abwerten: Moslems, Juden, Homosexuelle, Flüchtlinge, Behinderte ... Auch im Predigttext geht es um zerstörerische Worte – und um Gottes Umgang damit. Foto: britta60

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Worte wie Gift

Andacht

Von Thomas Lunkenheime | 18. März 2018

Über den Predigttext zum Sonntag Judika: 4. Mose 21, 4-9

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Klatsch und Tratsch gehören zum Leben. Aber wenn das Gerede über andere bösartig wird, können Worte das Leben auch beschädigen oder sogar zerstören. Zu solchen zerstörerischen Worten gehören auch die dumpfen Parolen, die alle, die „anders“ sind, abwerten: Moslems, Juden, Homosexuelle, Flüchtlinge, Behinderte ... Auch im Predigttext geht es um zerstörerische Worte – und um Gottes Umgang damit. Foto: britta60
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Pfarrer Thomas Lunkenheimer (52) ist Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem in Minden

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Predigttext
4 Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege 5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. 6 Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. 8 Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Der Weg ins Gelobte Land zieht sich hin. Das Volk Israel irrt durch die Wüste. Unzufriedenheit macht sich breit. Kein Brot. Kein Wasser. Warum sind wir überhaupt fort aus Ägypten? Schnell gerät aus dem Blick, wie wunderbar Gott sein Volk versorgt. Die Israeliten bekommen einen Tunnelblick. Sie sehen nur noch das Schlechte. Nur darüber wird gesprochen. Und es wird nach Schuldigen gesucht.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Dumpfe Parolen – vor ein paar Jahren noch tabu – werden offen herausposaunt. Vorurteile gegen Fremde werden geschürt. Tatsachen werden verdreht. Bissiges Gerede ist lebensgefährlich. So wie giftige Schlangen. Auf den ersten Blick sieht man sie kaum. Doch dann kommen sie aus ihrer Deckung und schnappen zu. Wenn die böse Stimmungsmache erst mal läuft, zählen keine Argumente mehr.

Menschen schützen, die angefeindet werden

In Diakonie und Kirche setzen wir uns für Menschen ein, die Hilfe brauchen. Egal woher sie kommen, welche Einschränkung sie haben oder was sie glauben. Wir unterstützen Menschen dabei, ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben zu führen. In der Diakonie Stiftung Salem tun wir das seit 150 Jahren. Dabei stellen wir uns auch schützend vor Menschen, die von anderen angefeindet werden.
Was half damals vor den Giftschlangen? Der erste Schritt war die Einsicht: Wir haben gesündigt. Was zerstörerisch wirkt, muss benannt werden. Dazu gehört nicht nur böses Tun, sondern auch böses Gerede. Beides zerstört das Zusammenleben.
Mose soll eine Schlange aus Kupfer gut sichtbar aufhängen. Jede/r soll vor Augen haben, wohin das Böse führt. Eigentlich bewegt sich eine Schlange ja immer am Boden. Sie tarnt sich im braunen Sumpf. Sie greift aus einem Versteck heraus an. Doch nun holt Mose sie aus diesem Zwielicht heraus. Gerade dadurch verliert sie ihren Einfluss und ihre Macht.

Sünde wird nicht durch Weggucken oder Verschweigen beseitigt. Was ich falsch gemacht habe, kann ich nur überwinden, wenn ich hinschaue. Wenn ich erkenne, wo ich mich vom Bösen habe mitreißen lassen. Mit der ehernen Schlange werden den Leuten die zerstörerischen Folgen ihres Tuns vor Augen gestellt. Zugleich weist der Stab, den Mose aufrichtet, nach oben, zu Gott hin. Heilung ist bei ihm zu finden. Heilung für den Leib und auch für die Seele.

Jahrhunderte später greift Jesus diese Geschichte wieder auf. Er bezieht sie auf seinen persönlichen Weg. Im Johannesevangelium sagt er: Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Am Kreuz Jesu sehen wir die Folgen unserer Schuld. Dort lässt sich entdecken, wohin nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch Lieblosigkeit und böses Gerede führen.

Das Kreuz mahnt uns, es nicht wieder so weit kommen zu lassen. Auch in unserem Miteinander. Wir müssen wachsam sein. Doch Gott zeigt uns nicht nur die Konsequenzen unseres Handelns auf. Er verhilft uns auch zu einem neuen Anfang. Schuld kann vergeben werden. Wir können umkehren. Gott befreit uns zu einem neuen Leben.

Durch die Errichtung der ehernen Schlange war die Gefahr noch nicht gebannt. Aber es starb niemand mehr an den giftigen Bissen. Auch wir können nicht verhindern, dass Böses getan und geredet wird. Doch müssen wir uns damit nicht abfinden. Wir können uns den Lügen, Vorurteilen und dem bissigen Gerede entgegenstellen. Im Wissen um unsere eigene Unvollkommenheit. Aber mit großer Klarheit. Mit Wahrhaftigkeit. Und mit dem Blick auf Jesus Christus, der am Kreuz für uns gestorben ist. Sein Kreuz ist uns Mahnung und Trost zugleich.

Gebet: Barmherziger Gott, wir blicken in diesen Tagen wieder neu auf das Kreuz Jesu. Das Zeichen des Todes hast du zum Zeichen deiner Gnade gemacht. Zum Hinweis auf deinen Sieg am Ostermorgen. Hilf, dass wir unseren Blick immer neu auf ihn richten, auf Christus, unseren Herrn. Amen

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