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Es ist nicht leicht, jung zu sein. Der Druck ist hoch, das zu tun, was alle tun – auch wenn es dem eigenen Gewissen eigentlich widerspricht. Leicht geraten Jugendliche in Situationen, die sie hinterher bereuen. Wie gut, wenn dann jemand da ist, der zu ihnen steht und sie nicht hängenlässt. Und der ihnen zeigt: Hier geht‘s lang, wenn du wirklich etwas aus deinem Leben machen willst. Wie das aussehen kann, zeigt der Predigttext . Er macht klar: Wir sind frei, weil Jesus uns befreit hat. Foto: patryssia

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Einfach cool sein?

Andacht

Von Kuno Klinkenborg | 4. März 2018

Über den Predigttext zum Sonntag Okuli: 1. Petrus 1, 13-21

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Es ist nicht leicht, jung zu sein. Der Druck ist hoch, das zu tun, was alle tun – auch wenn es dem eigenen Gewissen eigentlich widerspricht. Leicht geraten Jugendliche in Situationen, die sie hinterher bereuen. Wie gut, wenn dann jemand da ist, der zu ihnen steht und sie nicht hängenlässt. Und der ihnen zeigt: Hier geht‘s lang, wenn du wirklich etwas aus deinem Leben machen willst. Wie das aussehen kann, zeigt der Predigttext . Er macht klar: Wir sind frei, weil Jesus uns befreit hat. Foto: patryssia
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Kuno Klinkenborg (56) ist Pfarrer und stellvertretender Leiter des Amtes für missionarische Dienste der Evangelischen Kirche von Westfalen in Dortmund.

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Predigttext (in Auszügen)
(...) 18 Ihr wisst ja: Ihr seid von der nutzlosen Lebensweise freigekauft worden, die ihr von euren Vorfahren übernommen hattet – und zwar nicht durch vergängliche Dinge wie Silber oder Gold. 19 Dies geschah vielmehr durch das kostbare Blut von Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm. 20 Schon vor Erschaffung der Welt war er dazu bestimmt. Aber für euch ist er am Ende der Zeit erschienen. 21 Denn ihr glaubt jetzt durch ihn an Gott. Der hat ihn von den Toten auferweckt  und ihm Herrlichkeit verliehen. Deshalb könnt ihr nun euren Glauben und eure Hoffnung auf Gott richten.
Übersetzung: BasisBibel

Es gehört mit zu meinen eindrücklichsten Erlebnissen. Teenagerfreizeit in den Dolomiten im Dreieck Bozen-Brixen-Meran. Ich war 13 Jahre alt und war auch so, wie 13-Jährige eben sind, vielleicht nur etwas vorlauter als andere. Mädchen im Kopf, Imponiergehabe, cool sein – jedenfalls auf der Freizeit etwas cooler als sonst im Alltag. Es kostete schon auch Mühe, zur interessantesten Peer-Group zu gehören.
Irgendwie war es mutig und chic, im Laden am Ort etwas zu stehlen. Die anderen machten es und prahlten damit herum. Da wollte ich nicht hintenan stehen. Das kann ich auch. Meinte ich jedenfalls.

Das tun, was alle machen

Das Herz sackte mir beinahe in die Hose, aber ich habe es gemacht. Etwas völlig Belangloses habe ich in dem Laden gestohlen: einen kleinen Fuchs aus Stoff. Es war auch nicht wichtig, was es war, es ging um die Mutprobe.
Und es gelang – jedenfalls war es kurzzeitig ein Erfolg.

Nicht weit entfernt von dem Laden zeigte ich stolz meine Beute und prahlte damit. Anscheinend so laut, dass es ein Verkäufer mitbekam. Schon hatte er mich am Schlafittchen und wollte die Polizei rufen.

Die anderen hatten aber schon den Freizeitleiter informiert, der mit dem Ladenbesitzer verhandelte und sich sehr für mich einsetzte.

Heute würde ich sagen: Ein kleiner Stofffuchs ist eine Bagatelle, aber damals hing gefühlt meine Zukunft für mich am seidenen Faden. Ich war nicht so abgebrüht und cool wie ich dachte, und vor allem nicht so cool wie die anderen.

Die Sache war erledigt

Unser Freizeitleiter bezahlte für mich – mein Taschengeld war schon längst aufgebraucht – und bekam es hin, dass ich ohne Folgen wieder mitgehen konnte. Er solle es nur unbedingt meinen Eltern erzählen, verlangte der Ladenbesitzer. Das hat er aber nicht getan, auch nach einem kurzen Gespräch nie wieder etwas davon erwähnt. Die Sache war erledigt. Und ich musste seitdem nie wieder so cool sein oder einfach die Verhaltensweisen der anderen übernehmen.

In dem ersten Petrusbrief geht es an vielen Stellen um die Art und Weise, sein Leben zu führen. Hier spricht er von der Lebensweise, „die ihr von euren Vorfahren übernommen hattet“.  Und das ist an dieser Stelle nicht positiv gemeint.
Manchmal übernimmt man einfach Lebensweisen und -einstellungen von anderen oder von den Vorfahren. Oftmals sind es Haltungen. Manchmal auch einfach prägende Sprüche: „Senf macht dumm“ – „Obst essen und Wasser trinken führt zu Bauchweh“ – „Eine schwarze Katze von links (oder war es von rechts?) bringt Unglück“ – „Zigeuner stehlen“.

Wir dürfen selber leben

Wir müssen sinnlose Überlieferungen nicht übernehmen. Wir dürfen selber leben, wir sind freigekauft von allen alten Bindungen durch Jesus Christus. Der erste Petrusbrief stellt das hier in einen ganz großen Rahmen: Schon vor Erschaffung der Welt war das der Plan, und am Ende der Zeit ist das geschehen. Jesus Christus, den Gott von den Toten auferweckt hat, hat für uns alles bezahlt. Das gilt, egal wer eine Rechnung aufmachen will.

Frei, nach Gottes Willen zu handeln

Nicht meine Ecken und Kanten fallen ins Gewicht, nicht meine Fehler dürfen mich gefangen nehmen, sondern ich bin frei, nach Gottes Willen zu handeln, zu glauben und zu hoffen. Immer wieder neu.

Gebet: Mein Herr Jesus Christus, du hast für mich bezahlt, was ich nicht bezahlen konnte. Du machst mich dadurch frei zum Leben. Nicht, was andere tun oder von mir wollen, ist entscheidend. Was du willst, soll mein Leben bestimmen. Und wenn ich versage? Du hast für mich bezahlt. Amen

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