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Meditieren ist ja zurzeit schwer angesagt. Das ist gut! Vor allem, wenn es nicht zum Ich führt – sondern weg davon. Grafik: TSEW

Gesund und hilfreich

Meditation

Aus der Printausgabe - UK 09 / 2018

Von Karin Ilgenfritz | 2. März 2018

Sie hat heilende und gesundheitsfördernde Wirkung: Meditation. Das zeigen aktuelle Studien. Doch sie kann noch viel mehr: Die Stille bietet die Chance der Begegnung mit Gott

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Meditieren ist ja zurzeit schwer angesagt. Das ist gut! Vor allem, wenn es nicht zum Ich führt – sondern weg davon. Grafik: TSEW

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Anita schaut skeptisch. Meditieren? Einfach da sitzen, nichts tun und auf den Atem achten? Nee, das ist nix für sie. Außerdem: Wer weiß, welche Gedanken da plötzlich hochkommen? Die sie vielleicht gar nicht denken will. Das lässt sie lieber sein.

Dabei ist meditieren gesund. Verschiedene aktuelle Studien belegen, dass Einkehr und Achtsamkeitsübungen, wie das Sitzen in der Stille, förderlich für die Gesundheit sind. So wirkt Meditation zum Beispiel nachweislich gegen Schmerzen, weil sie das Verhältnis zum Schmerz ändert. Ebenso senkt meditieren den Kortisolspiegel. Das Stresshormon Kortisol ist unter anderem verantwortlich für Bluthochdruck, Schlafstörungen, Fettleibigkeit, Herzerkrankungen sowie für manche psychische Störungen. Meditation hilft, um zur Ruhe zu kommen. Sie kann leistungsfähiger und fitter machen.

Doch man sollte Meditation nicht auf diese Wirkungen reduzieren, sagt der Mediziner Joachim Galuska in der März-Ausgabe der Zeitschrift Psychologie Heute. Der ärztliche Leiter einer Klinik für psychosomatische Medizin ist der Ansicht, Meditation könne wesentlich mehr. Es gehe nicht nur um Stressreduktion, damit würde man das gewaltige Potenzial beschneiden.

Meditation hat eine sehr lange Tradition und wurde nicht entwickelt, damit Menschen besser entspannen, „sondern dass sie einen anderen Bezug zum Leben bekommen und erkennen, dass es etwas viel Größeres gibt, als das Alltagsbewusstsein uns vorgaukelt“.

Damit hat Galuska recht. Sowohl das Judentum, der Islam, der Buddhismus wie das Christentum kennen Meditation. Und zwar nicht zum Zweck der Selbstoptimierung. Die christliche Meditation ist „zweckfrei“. Sie ist eine Haltung, die Gottesbegegnung möglich macht. Die Ichbezogenheit tritt zurück. Der Meditierende richtet sich auf Gott aus – der in uns wohnt. Der aber auch größer ist als wir.

Die oben erwähnte Anita liegt übrigens richtig mit ihrer Vermutung, dass in der Stille plötzlich Gedanken kommen, die möglicherweise nicht leicht auszuhalten sind. Deswegen ist es wichtig, sich die Meditationsart auszusuchen, die zu einem passt. Nicht jede Art ist für jeden Menschen zu jeder Zeit passend.

Da gibt es zum Beispiel die Meditation im Sitzen. Dabei kann man ein Bibelwort meditieren. Oder aber man achtet auf den Atem und verbindet ein Wort damit – wie das Jesus-Gebet. Dabei sagt oder denkt man beim Ausatmen „Jesus“, beim Einatmen „Christus“. Auch andere kurze Sätze sind denkbar. Es ist auch möglich, im Gehen zu meditieren. Oder mit den Perlen des Glaubens.

Ratsam ist es, sich jemanden zu suchen, der einem Tipps geben kann. Dafür gibt es Geistliche Begleiterinnen und Begleiter – auch im Raum der westfälischen und lippischen Landeskirche. Gerade, wenn längst verdrängte Gefühle, Ängste oder Spannungen hochkommen, ist es wichtig, jemanden zum Reden zu haben.
Dieser Gedanke gefällt Anita. Sie will sich Begleitung suchen und es einfach mal probieren.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 2. März 2018, 8:44 Uhr


Ganz hervorragender Artikel; danke, Frau Ilgenfritz!

Zwei Anmerkungen: Buddhisten lehnen die Vorstellung eines Gottes ab, warum auch immer.

Ich selbst meditiere nicht, mache aber Entspannungs-Übungen. So fällt mir der Alltag leichter und ich habe eine sehr positive Lebenseinstellung: Das im Artikel über Meditation (im engeren Sinne) Gesagte kann ich auf eine entspannte Haltung, die ich durchgehend praktiziere (Stressvermeidung), übertragen.
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