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Zwischen Himmel und Hölle

Passion

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 16. Februar 2018

Das Leiden gehört zum Leben. Kein Weg führt daran vorbei. Wie geht man damit um? Woher kommt Kraft, wenn alles zerbricht? Und: Wenn es eine Hölle gibt – ist da auch ein Himmel? Neue Serie

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Was ist die Hölle? Die Vorstellung davon ist in vielen Kulturen tief verankert: lodernde Flammen; Teufel und Dämonen, die die Verurteilten nach dem Tod piesacken und foltern. Ewige Qualen als Strafe für verfehltes Leben.
Die Wahrheit ist: Die Hölle lauert schon hier, jetzt im Leben. Sie ist immer nur einen kleinen Schritt entfernt.

Da ist der Absturz in den Alkoholismus. Erst war da nur ein bisschen feiern, ein guter Wein im Kreis von Freunden. Alles nicht so schlimm. Das machen doch alle. Und plötzlich wachst du auf aus deinem Selbstbetrug und widerst dich selbst an: Ich bin ein Wrack; ich komme von alleine nicht mehr raus.

Da ist die Krankheit, die dich zerbrechen lässt. Eigentlich war da nur so ein Gefühl von Unwohlsein, das dich zum Arzt gehen lässt. Und dann die Diagnose – und nichts ist mehr wie zuvor.

Da ist die Ohnmacht, die dich an einen anderen Menschen kettet. Du kommst einfach nicht von ihm los; obwohl du weißt, dass er dein Leben zerstört. Und dann kommt dieser Augenblick, wo du neben dir stehst. Als ob jemand anders die Kontrolle über dich übernimmt …

Die Bibel findet deutliche Worte: Die Hölle, das ist der Ort, an dem Heulen und Zähneklappern herrschen.

Heulen und Zähneklappern. An diesem Ort war wohl schon jeder. Schon die 13-Jährige kann vor Liebeskummer so verzweifeln, dass sie keinen Ausweg mehr sieht. Genauso, wie der Erwachsene, der seinen Job verliert und einfach nicht mehr weiter weiß. Ganz zu schweigen von den Vielen, die verfolgt, gefoltert, missbraucht und abgeschlachtet werden. Es gibt keinen objektiven Maßstab für die Hölle, keine allgemein gültige Skala, an der man die Heftigkeit von Leid und Qualen ablesen könnte. Zumindest nicht, wenn es darum geht, wie sehr ein Mensch verzweifeln kann.
Wer schon einmal durch die Hölle gegangen ist, weiß, dass es einen Himmel gibt. Nicht der Himmel am Ende aller Tage; der, auf den der Glaube hofft und vertraut. Nein, sondern der Himmel hier bei uns. Bei den Menschen. Hier auf der Erde. Ein Abglanz des ewigen Himmels. Schon jetzt.

Der Himmel: Das kann schon sein, wenn alles seinen guten Gang geht. Wenn Partnerschaft, Ehe und Familie einigermaßen funktionieren. Wenn die Arbeit halbwegs rund läuft. Wenn die alltäglichen Wehwehchen sich in Grenzen halten.
Das Problem mit diesem Himmel ist, dass man sich so schnell daran gewöhnt. Er erscheint so normal. So selbstverständlich. Tatsächlich braucht es oft die Erfahrung der Hölle – oder zumindest einen Blick darauf –, damit man den Himmel erkennt. Und ihn wertschätzt.

Zwischen Himmel und Hölle – das ist der Titel einer Serie zur Passionszeit, die in dieser Ausgabe von UK startet. Menschen erzählen, wie ihnen alles verloren und zerbrochen erschien. Und woher ihnen dann doch noch Kraft entgegenkam, damit sie weiterleben konnten. Zwischen Himmel und Hölle. Da bewegt sich das Leben. Jeden Tag.

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Atlantica, 16. Februar 2018, 23:30 Uhr


Herr Hoeffchen schrieb:



"Der Himmel: Das kann schon sein, wenn alles seinen guten Gang geht. Wenn Partnerschaft, Ehe und Familie einigermaßen funktionieren. Wenn die Arbeit halbwegs rund läuft. Wenn die alltäglichen Wehwehchen sich in Grenzen halten."



Lieber Herr Hoeffchen, beim Lesen Ihres Artikels musste ich lächeln: mit Verlaub: die Hölle gibt es doch gar nicht! Vorstellungen aus der Zeit vor der Aufklärung.

Die "Hölle" ist ein gedankliches Konstrukt aus dem Mittelalter. Wer so etwas glaubt, dem droht der totale Realitäts-Verlust! Er wird wahrscheinlich auch an Wunderheilungen glauben und mit der Wünschelrute Wasser-Adern suchen. Alles Elend in der Welt entsteht durch vorwissenschaftlich-irrationale Ansichten, von denen bzw. mittels derer die Menschen kleingehalten werden, ihre Freiheit beschnitten wird.


"Der Himmel: Das kann schon sein, wenn alles seinen guten Gang geht. Wenn Partnerschaft, Ehe und Familie einigermaßen funktionieren. Wenn die Arbeit halbwegs rund läuft. Wenn die alltäglichen Wehwehchen sich in Grenzen halten."

Mich stören hier die Adjektive "einigermaßen", "halbwegs" und die Formulierung "sich in Grenzen halten". Das meine ich mit meinem Argument, die Menschen werden ihrer Freiheit beraubt. Einstein wusste das: er hielt Phantasie für wichtig. Und tiefste Weisheit liegt in Jesu Aussage: werdet wie die Kinder! Viele schwafeln von Liebe, aber sie meinen Geld. Man kann das Leben und sich selbst nur dann lieben und begreifen, wenn man das Negative als das erkennt, was es wirklich ist, unverschuldetes Pech oder die Folge eigener Unmündigkeit. Unsere heutige Zeit ist ganz auf die Organisation des Lebens durch uns Menschen verwiesen. Wir können zu Gott beten, dass er uns gesund mache. Aber was, wenn der Effekt nicht eintritt? Das ist nicht mein Verständnis von christlichem Glauben! Das Leben in Fülle sollen wir haben? Ist das etwa in Frage gestellt, wenn Unglück und Krankheiten kommen. Im Hinduismus von Indern habe ich gelernt: it is all part of the game! Das Leben ist ein Spiel und wir können Glück und Segen genauso genießen wie wir Unglück aushalten müssen.

Aufklärung soll genannt sein die Befreiung des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit!

Immanuel Kant



Immanuel Kant
Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalsten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur Wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.

Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden. Besonders ist hierbei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie danach selbst zwingt darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt worden; so schädlich ist es Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotismus und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden ebensowohl als die alten zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: räsonniert nicht! Der Offizier sagt: räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: räsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: räsonniert nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: räsonniert, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; aber gehorcht!) Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich? welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte: der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauch seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf. Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittels dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet, oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt, zu räsonnieren; sondern man muß gehorchen. So fern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet: kann er allerdings räsonnieren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Teile als passives Glied angesetzt ist. So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen. Der Bürger kann sich nicht weigern, die ihm auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden. Eben derselbe handelt demungeachtet der Pflicht eines Bürgers nicht entgegen, wenn er als Gelehrter wider die Unschicklichkeit oder auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen öffentlich seine Gedanken äußert. Ebenso ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeinde nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu tun; denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte. Denn was er infolge seines Amts als Geschäftträger der Kirche lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung dessen er nicht freie Gewalt hat nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines anderen vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Überzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der inneren Religion Widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch: weil diese immer nur eine häusliche, obwohl noch so große Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er als Priester nicht frei und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt, spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft genießt einer uneingeschränkte Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

Alwite, 18. Februar 2018, 19:00 Uhr


Himmel und Hölle - wir spielten sie als Kinder...
Und später, als es beide zu leben galt?

https://www.youtube.com/watch?v=FjFqs-vae90

Bot sich Geländer und Halt immer wieder neu an.
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Atlantica, 19. Februar 2018, 6:18 Uhr


Und noch eine zentrale Bibel-Stelle:

Römer 8

1So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 2Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.…
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Glybyrne, 19. Februar 2018, 11:29 Uhr


starkes foto übrigens!
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