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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 16. Februar 2018

Woche vom 18. bis 24. Februar

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Sonntag:    Psalm 91
Montag:     5. Mose 27, 1-10
Dienstag:     5. Mose 27, 11-26
Mittwoch:     5. Mose 30, 11-20
Donnerstag:     5. Mose 31, 1-8
Freitag:     5. Mose 33, 1-29
Samstag:     5. Mose 34, 1-12

Die Bergkuppen Ebal und Garizim nahe dem heutigen palästinensischem Zentrum Ramallah sind im 5. Mose die Fluch- und Segensorte im Land der Verheißung. Es ist nicht ganz einfach, sie heute zu besuchen und auch nicht risikofrei, so als ob Fluch und Segen dieses Landes dort noch immer spürbar wären.

In Kapitel 30 wird ein wichtiger Text aus dem großen Komplex 27-30 ausgesucht, den man auch wieder mit den Stichworten „Fluch und Segen“ überschreiben kann. Hier geht es um die freie Entscheidung des Menschen vor und für Gott. Denn die Tora, das Gesetz, ist nicht etwas, was den Menschen wie eine Zwangsjacke übergestülpt würde. Die Tora ist auch nicht das unüberschaubare Regelwerk, das jedermann auswendig lernen müsste, um irgendeinen hochkomplizierten Weltmechanismus zu bedienen. Das Gebot Gottes ist ganz anders: Es ist einfach, es ist nahe, es kann in jedem menschlichen Herzen Platz finden.

Die letzten Kapitel von 5. Mose sind bewegend zu lesen. Mose segnet die Stämme für eine weite und offene Zukunft so wie es ähnlich auch schon in 1. Mose 49 überliefert ist. In der Synagoge des Krankenhauses Hadassa im Süden Jerusalems sind die Fenster von Marc Chagall mit den verschiedenen Motiven dieses Segens gestaltet. Die leuchtende Farbenpracht ist überwältigend und zeigt, wie sehr dieser Segen durchgetragen hat durch die Zeiten und auch wie die Thora bei allem Wandel bis heute als das Lebenselement dieses Volkes verstanden wird. Es ist nicht ein leeres Wort an euch, es ist euer Leben! (32, 47).

Bewegend ist auch der Abschnitt über den Tod des Mose. Obwohl er Gottes Freund, Partner und Mitarbeiter war, durfte er wegen eines vielleicht nur kleinen Ungehorsams das verheißene Land jenseits des geschichtsträchtigen Flusses nicht betreten. Allerdings durfte er auf den Berg Nebo (heute Jordanien) steigen und jenen grandiosen Blick in sich aufnehmen, den man von dort aus etwa 900 Meter Höhe über das weite Jordantal hat, auf die uralte Palmenoase Jericho zur Rechten und links auf das Nordufer des Toten Meeres, jene tiefste Stelle der Welt, die immerhin 400 Meter unter dem normalen Meeresspiegel liegt. Bei klarem Wetter kann man schließlich sogar die Spitzen Jerusalems geradeaus am Horizont erkennen. 120 (orientalische) Lebensjahre wurden Mose zugemessen, seine Augen waren frisch bis zum Tode und seine Manneskraft war nicht erloschen, wie ausdrücklich erwähnt wird. Gott selbst – so wird überliefert – habe ihn begraben in der Nähe dieses Berges, wo genau ist bis heute verborgen geblieben. Und das ist wohl auch gut so.

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