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Unbeschriebenes Blatt: 365 Tage liegen vor einem. Was alles kann man damit tun? Foto: gmh
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«Vorsätze sind Illusionen»

1. Januar 2017

Drei Fragen an den Zeitexperten Lothar Seiwert

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Unbeschriebenes Blatt: 365 Tage liegen vor einem. Was alles kann man damit tun? Foto: gmh

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Heidelberg (epd). Der Heidelberger Zeitmanagement-Experte und Bestsellerautor Lothar Seiwert rät von Neujahrsvorsätzen ab. Stattdessen wirb er dafür, sich konkrete Ziele zu setzen. 

Herr Seiwert, lohnt es sich, Neujahrsvorsätze zu fassen?

Lothar Seiwert: Ich bin absolut gegen Neujahrsvorsätze, denn sie bringen in der Regel nichts. Vorsätze sind Illusionen, Fiktionen, nette Absichtserklärungen. Was dagegen etwas bringt, sind echte Ziele fürs neue Jahr. Also: Statt dem allgemeinen «Ich will mehr für die Gesundheit tun» konkret «Ich werde bis Ende Februar fünf Kilogramm abgenommen haben». Sobald die Ziele messbar sind und einen zu erreichenden Termin haben, wirken sie auch. 

 

Was ist der wichtigste Tipp, dass man diese Ziele dann tatsächlich umsetzt?

Seiwert: Zwei Dinge: Erstens darf man sich nicht zu hohe Ziele setzen. Und zweitens sollte man sich für Erfolge belohnen. Innerhalb der nächsten zwölf Monate einen Marathon zu schaffen, dürfte für die meisten Menschen eine Überforderung darstellen. Irgendwann steigen sie aus und sind frustriert. Dagegen lässt sich die Fitness für einen Halbmarathon bei regelmäßigem Training innerhalb eines Jahres erzielen. Ich werbe für die Salamitaktik: Ein großes Ziel sollte in überschaubare Zwischenziele unterteilt werden. Nach einem Monat schaffe ich fünf Kilometer, nach zwei Monaten acht Kilometer, und so weiter. Und die Belohnung könnte sein, sich nach Erreichen eines Zwischenziels ein schickes Familienessen, einen Kinobesuch oder einen neuen Sportanzug zu gönnen. 

 

Wenn nach zwei, drei Wochen der erste Durchhänger kommt - wie schafft man es, seinen Neujahrszielen treu zu bleiben? 

Seiwert: Zunächst sollte man aktionsorientiert vorgehen. Wer am Morgen joggen will, kann sich die Turnschuhe ja abends schon vors Bett stellen. Dann fällt nach dem Aufwachen der erste Blick darauf - und es gibt keine Ausreden mehr. Selbstdisziplin gehört natürlich dazu, wir müssen uns leider manchmal selbst in den Hintern treten.

Vorteilhaft ist es, sich mental und visuell auf das Erreichen des Ziels einzustellen. Sehen Sie vor Ihrem inneren Auge, wie Sie im Frühsommer erstmals nach einem Zehn-Kilometer-Lauf die Ziellinie überschreiten, und stellen Sie sich die guten Gefühle vor, die Sie dann durchströmen werden. Das hilft gegen Durchhänger.

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