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Die Bibel lesen

Von Walter Schroeder | 1. Januar 2017

Woche vom 1. bis 7. Januar

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Sonntag (Neujahr): Psalm 104
Montag: Lukas 3, 1-6
Dienstag: Lukas 3, 7-14
Mittwoch: Lukas 3, 15-20
Donnerstag: Lukas 3, 21-38
Epiphanias: Lukas 4, 1-13
Samstag: Lukas 4, 14-21

Die Frage gab es damals, und sie klang wohl auch in der frühen Gemeinde noch eine geraume Zeit in den Herzen der Menschen nach: Ist etwa Johannes der Gesalbte Gottes? Seine Ratschläge waren einfach und klar, sie waren wirksam, wenn möglichst viele sie befolgten: Wohlstand teilen, Regeln einhalten und – besonders riskant: Die Soldaten sollten auf Gewalt, Unrecht, vor allem aber auf Plündern verzichten. So einfach schien das alles und doch zugleich so schwer. Solche Menschen, die derart eindeutig reden und dafür sogar gegenüber den Machthabenden wie Herodes einstehen, landen im Gefängnis. Aber dadurch war Johannes keineswegs wirkungslos.

Die Taufe Jesu ist so etwas wie eine Stab­übergabe. Aber sie ist noch mehr: Mit Worten, wie sie damals bei Adoptionen verwendet wurden, bestätigt Gott selbst: Dies ist mein Sohn, hier wirkt mein Geist. Auch der familiäre Stammbaum Jesu zeigt seine Verwurzelung in der Heilsgeschichte Gottes. Es gibt Varianten zum Stammbaum bei Matthäus, aber der Sinn ist der gleiche: Gott hat Jesu Kommen von langer Hand vorbereitet. Für das damalige Verständnis war es kein Problem, dass der Stammbaum auf Josef geführt wurde. Gottes Handeln mit Maria wurde gelobt, nicht dogmatisiert.

Jesu Versuchung lässt Juden an einen Disput mit Schriftgelehrten denken: Die Fragen des Versuchers haben den Anschein von Rechtgläubigkeit, aber sie sind es in Wahrheit nicht. Jesus entlarvt sie in ihrer Scheinheiligkeit und verweist auf die übergeordneten Wahrheiten des Glaubens. Es genügt nicht, die Bibel zu zitieren, man muss sie in ihrem Sinn verstehen und annehmen.

Die Predigt in Nazaret bildet den Auftakt von Jesu Wirken in der Öffentlichkeit. Das, was in der Taufe noch in ganz kleinem Rahmen vonstattenging, wird hier öffentlich bekannt gegeben. Nicht irgendwo, sondern in der Synagoge, nicht zu irgendeiner Gelegenheit, sondern im Gottesdienst am Sabbat, nicht vor Unbekannten als Unbekannter, sondern als Sohn der Stadt in Anwesenheit derer, die ihn von Kindheit an kannten, und er liest nicht irgendwas, sondern die alten Verheißungen der Propheten, ja sogar eine der ältesten aus dem 3. Mosebuch (25,10). Worte der Gnade, also der Zuwendung Gottes. Die Frohe Botschaft, das Evangelium Gottes wird nicht nur verkündet, sondern in diesem „Sohn Josefs“(4,22) personifiziert. Und er wird sogleich von den „bösen Geistern“ erkannt, leider weniger von den guten.

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