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Weichen stellen: 56 Synodale repräsentieren 163 000 Mitglieder der Lippischen Landeskirche. Foto: gmh

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Suche nach Gerechtigkeit

Lippische Landessynode

Aus der Printausgabe - UK 48 / 2016

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 22. November 2016

Sie ist eine der kleinsten Landeskirchen in Deutschland. Aber mit ihrem Programm für 2017 zeigt die Lippische Landeskirche Selbstbewusstsein und Engagement für den Nächsten

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Weichen stellen: 56 Synodale repräsentieren 163 000 Mitglieder der Lippischen Landeskirche. Foto: gmh

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DETMOLD – Gott ist auf der Seite der Notleidenden, Armen und Entrechteten: Immer wieder ist diese Grundüberzeugung im Sitzungssaal des Landeskirchenamts zu hören und zu spüren. 56 Synodale gehören zur Landessynode. Und sie haben sich zu ihrer jährlich Herbsttagung getroffen, um zu beraten und zu entscheiden, wo sich die Lippische Landeskirche in den nächsten Monaten und Jahren engagieren will und wofür sie ihr Geld einsetzt.

Dienst am Nächsten – das ist der rote Faden. Kleiner Wermutstropfen dabei: Die Lippische Landeskirche erlebt nach steigenden Kirchensteuereinnahmen in den vergangenen Jahren jetzt gerade einen finanziellen Einbruch. Die drittkleinste evangelische Landeskirche muss 2016 mit einem Minus von vier Prozent gegenüber 2015 rechnen, so der Juristische Kirchenrat Arno Schilberg.

Trotzdem will die Landeskirche die Flüchtlingsarbeit stärken. Dazu gibt es nach Ansicht von Landessuperintendent Dietmar Arends allen Grund: „Mit großer Besorgnis nehmen wir wahr, dass hier mit Blick auf die Wahlen und Erfolge der AfD große menschliche Härten Einzug in die Flüchtlingspolitik halten“, so Arends vor den Synodalen. Eine neu errichtete Pfarrstelle (50 Prozent, befristet auf fünf Jahre) soll die Flüchtlingsbetreuung stärken.

Die Landessynode will auch mehr für die Umwelt tun: Sie beschließt einen neuen Klimaschutzplan. Bis zum Jahr 2050 soll die Landeskirche in ihren Gemeinden und Einrichtungen klimaneutral sein; das heißt, sie will die CO2-Emmissionen auf Null reduzieren. Dazu soll ein Umweltfonds für Kirchengemeinden in Höhe von einer Million Euro eingerichtet werden.

Insgesamt wirtschaftet die Lippische Landeskirche im kommenden Jahr mit 44,3 Millionen Euro. Das sieht der Haushaltsplan vor, den die Synodalen verabschieden. 32,5 Millionen Euro davon sollen aus der Kirchensteuer stammen, eine Million aus Rücklagen. Dazu kommen Einnahmen aus Pachten, Mieten, Zinsen und staatlichen Zuschüssen für Pfarrer, die im Auftrag des Staates Religionsunterricht erteilen.
Rätsel gibt der Umstand auf, dass die Kirchensteuer in Lippe aktuell sinkt. Im Jahr 2015 lagen die Einnahmen aus Kirchensteuern im Vergleich zu 2014 noch um rund acht Prozent höher; jetzt der Einbruch um vier Prozent zum Vorjahr. Ratlosigkeit. Insgesamt steige das Kirchensteueraufkommen in Deutschland, so Kirchenrat Arno Schilberg, „aber nicht bei uns“. Ob es sich dabei um einen einmaligen Vorgang handele oder sich eine neue Entwicklung abzeichne, könne noch nicht gesagt werden.

Eine weitere Besonderheit zeigt sich bei der Frage der Altersgrenze für Presbyterinnen und Presbyter: Anders als andere Landeskirchen (etwa Westfalen) halten die Synodalen an der bisher geltenden Regelung fest, dass ein Mitglied des Kirchenvorstands mit dem 75. Geburtstag aus dem Leitungsgremium ausscheiden muss. Ein entsprechender Änderungsantrag verfehlt um eine Stimme die erforderliche Zweidrittelmehrheit (siehe Kommentar "Im Zwiespalt").

Besondere Erwähnung finden auf der Synodaltagung ökumenische Akzente. Das Reformationsjubiläum 2017 solle in Lippe unter dem Motto „gemeinsam frei“ entsprechend gestaltet werden.   Und im Juni wird die Lippische Landeskirche gemeinsam mit dem Reformierten Bund und der Evangelisch-reformierten Kirche Gastgeberin der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig sein.

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