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Vier rote Kerzen und ein violettes Altartuch: Symbole der Adventszeit. Foto: epd

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Der längste Advent

Adventszeit

Aus der Printausgabe - UK 48 / 2016

Von Anke von Legat | 1. Dezember 2016

28 Tage dauert der Advent in diesem Jahr, im nächsten sind es nur 22. Die wechselnde Länge der liturgischen Vorbereitungszeit auf Weihnachten hat historische Gründe

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Vier rote Kerzen und ein violettes Altartuch: Symbole der Adventszeit. Foto: epd

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Wer einen Adventskalender besitzt, der sich nach dem Kirchenjahr richtet, kann sich diesmal besonders freuen: Darin finden sich nämlich in diesem Jahr 28 Türchen  – so viele wie sonst nie.

Die Adventszeit dauert 2016 von Sonntag, 27. November bis Samstag, 24. Dezember. 28 Tage, die sich zusammensetzen aus vier Adventssonntagen, den 18 Tagen dazwischen und noch einmal sechs Tagen bis Heiligabend. Wenn im nächsten Jahr der 24. Dezember wieder auf einen Sonntag fällt, kommt es hingegen zur kürzest möglichen Adventszeit, denn dann ist der 4. Advent gleichzeitig Heiligabend.

Das Geburtsdatum Jesu ist unbekannt

Woher diese merkwürdigen Schwankungen? Sie errechnen sich zunächst aus der Vorgabe, dass die Vorbereitungszeit auf Weihnachten vier Sonntage umfassen soll. Da der Endpunkt dieser Zeit, nämlich der Weihnachtstag, nicht auf einen Sonntag festgelegt ist, sondern auf ein Datum – den 25. Dezember –, ergeben sich vom ersten Adventssonntag bis zum Christfest unterschiedliche Zeitspannen.

Aber auch diese Vorschriften haben sich erst im Laufe der christlichen Geschichte entwickelt. Das Datum der Geburt Jesu ist nicht überliefert – anders als sein Todesdatum, das die Evangelien exakt angeben. So kam es, dass das Geburtsfest Jesu in der alten Kirche zu unterschiedlichen Zeitpunkten gefeiert wurde. Die orientalischen Kirchen begingen ihn zum Teil im Mai, während sich die Kirchen in Rom und in Afrika wohl schon früh auf den 25. Dezember festlegten. Erst ab dem 4. Jahrhundert nach Christus setzte sich der Dezember-Termin allmählich durch. Ob dabei der römische Sonnenkult eine Rolle spielte, dessen Hauptfest des „Sol invictus“ ebenfalls am 25. Dezember begangen wurde, ist umstritten. Eine andere Theorie besagt, dass Gottes Heilsplan mathematisch perfekt auf das Sonnenjahr umgelegt wurde: Auf die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr wurde der Tag der Empfängnis Jesu gelegt und exakt neun Monate später, zur Sonnenwende im Winter, feierte man die Geburt.

Heiligabend und 4. Advent können zusammenfallen

Fest steht, dass die Kirchen eine Bußzeit vor die Festtage der Weihnachtszeit setzten. Diese dauerte ursprünglich 40 Tage, wie auch die Fastenzeit vor Ostern. Papst Gregor der Große beschränkte sie in seiner Amtszeit von 590-604 auf die vier Sonntage vor Weihnachten. Streit gab es in den folgenden Jahrhunderten um die Frage, ob die Adventszeit sich auch über volle vier Wochen erstrecken müsse. Der Konflikt wurde auf einer Synode 1038 geklärt. Die Antwort hieß: Nein, muss sie nicht – in Jahren, in denen Weihnachten auf einen Montag fällt, wie 2017, wird der Heilige Abend als vierter Adventssonntag gezählt; mit dem Abendgottesdienst des 24. Dezember, der Vesper, beginnt dann das Weihnachtsfest. Es gibt allerdings Diözesen, die sich dieser Regel nicht angeschlossen haben. In Mailand zum Beispiel dauert die Adventszeit daher bis heute sechs Wochen.

Der Bußzeit-Charakter des Advent spiegelt sich noch in der Liturgie wider. So ist Violett, die Bußfarbe, die liturgische Farbe auf Altar- und Kanzelbehängen. Auch die Texte haben zum Teil mit unserem heutigen Gefühl von Vorfreude wenig zu tun: In den Lesungen am 2. Advent etwa geht es um die Endzeit und die Wiederkunft Christi.
Mit den geschilderten gewaltsamen Umwälzungen ist jedoch eine große Hoffnung verbunden: Ungerechtigkeit, Leid und Tod werden hinweggefegt; wer auf Erlösung hofft, wartet nicht vergeblich. Die Verheißung von einer Welt, die geheilt und getröstet ist, zieht sich durch diese Zeit, in den Texten wie auch in den Liedern – und wird schließlich mit der Geburt Christi erfüllt: Gott kommt in die Welt.

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