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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 26. November 2016

Woche vom 27. November bis 3. Dezember

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Sonntag:      Psalm 24
Montag:       Jesaja 59, 1-15a
Dienstag:     Jesaja 59, 15b-21
Mittwoch:     Jesaja 60, 1-14
Donnerstag: Jesaja 60, 15-22
Freitag:        Jesaja 61, 1-6
Samstag:     Jesaja 61, 7-11

Die Adventszeit ist eine Bußzeit zur Kurskorrektur des Lebens, und so passt es genau, dass in Jesaja 59,15b steht: „Das alles sieht der Herr, und es missfällt ihm, dass kein Recht ist.“ So wie für alle Propheten gilt auch hier, dass nichts Neues verkündet und erst recht keine Zukunftsvorhersage betrieben wird. Weder sind Propheten Hellseher noch Astrologen, die nur das sagen, was die Menschen hören wollen, nicht aber, was sie hören sollten. Vielmehr weisen sie mit bohrender Dringlichkeit auf den Zusammenhang zwischen Glauben und Gerechtigkeit hin.
Die Propheten zeigen, dass vor Gott die soziale Gerechtigkeit in einer Gesellschaft und ihr allgemeines Wohlergehen zusammengehören. Kriege und Armut in dieser Welt haben nichts zu tun mit einem Abwenden Gottes, sondern mit der Gleichgültigkeit und dem Egoismus der Menschen, die genau darin ihren Abfall von Gott vollziehen. Die Jesaja-Abschnitte haben insofern eine atemberaubende Aktualität, und es schmerzt auch heute die düstere Sicht, die der Prophet etwa in Kapitel 59 auf seine eigene Gesellschaft und auf deren Führungselite hat. Dennoch malt er in diese Lage hinein die alten und zugleich neuen Verheißungen: Aus Zion wird der Erlöser kommen, wenn sie sich nur zu diesem Licht aufmachen und damit zum Licht werden für andere, die diese Kraft zum Aufbruch nicht mehr haben.
Auch hier wieder der Ruf zum Aufbruch, nicht zum Verharren, nicht zum Ducken und erst recht nicht zum Augen verschließen, sondern zum „aufrechten Gang der Hoffnung“. Das sind Trostworte, die an die alten Zionslieder und sogar an die Lieder vom Gottesknecht von Kapitel 40ff. erinnern. Freudenboten zu sein und das „Jubeljahr des Herrn“ nach 3. Mose 25,10 zu verkündigen, das ist angesagt. Ein Wort übrigens, das später dadurch, dass Jesus es in der Antrittspredigt in seiner Heimatstadt Nazareth auf sich selbst bezogen hat (Lukas 4,21), noch eine besondere Bedeutung bekam.
Der Grundgedanke ist, dass Jahwe zwar das „ewige Licht“ vor allem seines „ersten Volkes“ sein wird, aber in diese Verheißung sind nicht nur die Heimkehrer aus dem Exil, sondern auch die „Fülle der Heiden und ihre Könige“ (60,5-9) einbezogen, um Jerusalem zu dienen und seine Herrlichkeit zu bewundern. Jerusalem ist zu diesem Zeitpunkt Hoffnungszeichen über alle Nationen hinweg. Gottes Segen wird nicht auf sich warten lassen. Friede soll herrschen und Fruchtbarkeit, Wachstum würde man heute vielleicht sagen. Die festliche Pracht zeigt neue, leuchtende Lebensfreude, kein Frevel noch Verderben wird sie zerstören.

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