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Noch läuft da eine Träne die Wange hinunter. Aber der Blick lässt schon wieder auf ein Lächeln hoffen. Denn eine Trösterin ist schon da, und sie wird gleich auch noch die letzten Tränen abwischen. In der Bibel steht: Einmal, am Ende aller Tage, wird Gott unsere Tränen trocken. Ein wunderbares Bild des Trostes und der Hoffnung. Auch wenn jetzt noch Leid und Tod unser Leben mitbestimmen: Wir gehen auf eine Welt ohne Tränen zu, denn Gott macht alles neu. Foto: Jenner
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Peter Grafe (36) ist Pfarrer im Probedienst im Kirchenkreis Minden

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Den Tränen zum Trotz

Andacht

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Von Peter Grafe | 20. November 2016

Über den Predigttext zum Ewigkeitssonntag: Offenbarung 21, 1-7

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Noch läuft da eine Träne die Wange hinunter. Aber der Blick lässt schon wieder auf ein Lächeln hoffen. Denn eine Trösterin ist schon da, und sie wird gleich auch noch die letzten Tränen abwischen. In der Bibel steht: Einmal, am Ende aller Tage, wird Gott unsere Tränen trocken. Ein wunderbares Bild des Trostes und der Hoffnung. Auch wenn jetzt noch Leid und Tod unser Leben mitbestimmen: Wir gehen auf eine Welt ohne Tränen zu, denn Gott macht alles neu. Foto: Jenner
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Peter Grafe (36) ist Pfarrer im Probedienst im Kirchenkreis Minden

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Predigttext
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und die heilige Stadt, ein neues Jerusalem, sah ich vom Himmel herabkommen von Gott her, bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. 3 Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird mit ihnen sein, ihr Gott. 4 Und abwischen wird er jede Träne von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und kein Leid, kein Geschrei und keine Mühsal wird mehr sein; denn was zuerst war, ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! (...).
Zürcher Bibel

Morgen. Die Kleider hängen auf dem Bügel. Was soll ich anziehen? Die Frage ist sonst leichter zu beantworten. Schwarz? Ich merke, ich verhalte mich anders. Das kommt von dem Gemisch aus schwach und stark.
Während der Fahrt sammle ich mich. Menschen warten schon. Sie sind gekommen und schütteln Hände. Sie lächeln. Sie lachen. Andere schauen ernst. Vereinzelt tränt es aus den Augen.
Ich setze mich auf eine Bank. Orgelspiel. Ich falte die Hände. Weiß aber gar nicht, warum ich das tue. Vielleicht brauche ich das Gefühl, etwas in der Hand zu haben.
Ich höre Worte. Sie hallen durch den Raum. Sie wollen irgendwas mit mir machen. Vielleicht an die Hand nehmen, damit ich den Weg zum Grab gehen kann. „Das Leben mit dem Tod ist neu“, spricht da jemand.

Bilder können sehr mächtig sein

Morgen. Sonntag. Ewigkeitssonntag oder anders, etwas versteckter, Totensonntag. Der einzige Sonntag, der „der Letzte“ heißt. Gerade da können Visionen, Bilder mächtig sein, vielleicht sogar zu mächtig. Sie stammen aus der Offenbarung des Johannes. Der letzten Schrift der Bibel. Das Kapitel 21. Dort sah der, der das schreibt, einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und einen Thron. Darauf saß einer. Der sagt: Siehe, ich mache alles neu!
Morgen. Orgelspiel. Menschen in Schwarz fahren den Sarg aus der Halle. Wir gehen. Wir kommen an. Grabstätte. Ich höre wieder Worte. Widerworte. Erde zu Erde... Und der Tod wird nicht mehr sein (Offenbarung 21,4). Jetzt muss ich begraben. Meine nackten Hände nehmen die rieselnde Erde. Ich mache das langsam. Ich merke, dass die Erde keine echte Erde ist. Irgendwie zu fein für das, was ich hier mache. Ich werfe. Dreimal. Jedesmal höre ich, wie die Erde macht, was sie soll. Sie deckt zu. Tränen fließen, weil mein Kopf keine Worte findet. Meine Hände sind schmutzig. Begraben ist Arbeit. Das ist so endgültig.
Ich trete zurück. Andere werfen Blumen. Sie schmücken die Erde auf dem Sarg. Ich hab davon gehört, dass man das so macht. Ist es, weil man dem Tod noch etwas Schönes abgewinnen will?
Der Johannes schreibt ebenfalls, dass eine heilige Stadt aus dem Himmel kommt. Die ist bereit. Und sie ist geschmückt wie eine Braut für ihren Mann. Sie steht bereit, wie eine Braut bei ihrer Hochzeit. Wir kennen den Brauch, der Braut auf ihrem Weg Blumen vor die Füße zu werfen. Vielleicht werfen wir deshalb Blumen in das Grab. Als Zeichen für das Neue, das Himmlische. Das Ewige. Das, was keinen Tod kennt, kein Geschrei, keinen Schmerz, kein Leid. Und äußerlich ist das geschmückt wie eine Braut, heißt es. Würdig, erwartungsvoll verpackt. Und innerlich ist das gefüllt von Nähe und vollkommener Zuneigung. Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Liebe Leserinnen und Leser, die Ewigkeit kann eine neue Stadt sein, mit neuem Himmel über ihr und neuer Erde unter ihr. Es sind Bilder. Es gibt in der Schrift andere. Die sprechen ebenfalls von der Ewigkeit. Sie alle sind bewegt und bewegen. Aber da ist ein Raum, ein Ort, an dem vollkommen ist, was wir als Menschen unvollkommen erleben. Schon ganz einfach, weil wir endlich leben. Sie ist bereit, uns zu empfangen.
Es ist ein Wagnis des Glaubens, dass Gott so an uns handelt. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Alle Tränen von den Augen seiner Menschen. Das sagt eigentlich doch nur eines: Wir kommen im neuen Himmel, in der Ewigkeit an. Ja. Und wir werden Tränen in den Augen haben. Tränen, die dem Leben gelten. Ob sie nun mitten im Leben stehen und der Tod so fern scheint. Ob sie selbst am Ende sind. Ob sie anderen die einfache Hand halten oder sie falten. Wir lassen mit Tränen gehen und kommen mit Tränen bei Gott an. Er wird abwischen.

Gebet: Gott, du bist Schöpfer allen Lebens. Wir kennen das Werden und Vergehen nur zu gut. An diesem Tag beten wir für den Anfang und das Ende des Lebens. Für die, die heute neugeboren werden. Für die, die morgen sterben. Stärke unseren Glauben mit Bildern und Worten der Hoffnung. Heute, wie auch in Ewigkeit. Amen.

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