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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 18. November 2016

Woche vom 20. bis 26. November

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Sonntag: Jesaja 26, 7-19
Montag: Jesaja 56, 1-8
Dienstag: Jesaja 56, 9-12
Mittwoch: Jesaja 57, 1-13
Donnerstag: Jesaja 57, 14-21
Freitag: Jesaja 58, 1-9a
Samstag: Jesaja 58, 9b-14

Zwischen den Kirchenjahren beginnen bereits die adventlichen Lesungen, in diesem Jahr wieder aus dem Prophetenbuch „Jesaja“. In den nächsten Wochen steht der dritte Teil des Jesajabuches, also der Tritojesaja, auf dem Leseplan. Nur für Sonntag wird vor allem wegen des Verses 19 das Kapitel 26 berücksichtigt.
In den Kapiteln 1-35 ist die Verkündigung des großen Propheten Jesaja dokumentiert, der im 8. Jahrhundert vor Christus im Südreich gelebt und gewirkt hat. Darauf folgt zeitlich das Buch des Deuterojesaja (Kapitel 40-55), in dem die Lieder vom Gottesknecht überliefert sind. Es ist in der letzten Phase der Gefangenschaft in Babel zur Zeit des Perserkönigs Kyros(559-530) entstanden. Für den letzten Teil des Buches ist die Datierung schwieriger. Es ist unwahrscheinlich, dass die elf Kapitel 56-66 wirklich das geschlossene Zeugnis eines einzelnen, dritten Propheten mit diesem Namen sind. Eher handelt es sich um Anhänge und Ergänzungen zu den Jesajabüchern aus ganz verschiedenen Zeiten und womöglich auch von ganz verschiedenen Personen.
Einiges davon steht dem Deuterojesaja so nahe, dass man hier an einen Schüler als Verfasser denken kann. Das gilt besonders von der Verheißung (57,14-18) mit den ausführlichen Begründungen des göttlichen Zorns und der Zusicherung seines Trostes hinter aller Drohung. Aber ebenso die kleine Sammlung von Trostworten, die in den Kapiteln 60-62 folgt, erinnert an die bekannten Zionslieder und an die Lieder vom „ebed Jahwe“, vom Gottesknecht.
Ganz bekannt klingt es auch, wenn der Prophet seinen Auftrag beschreibt: Er ist als Freudenbote Gottes zu den Menschen unterwegs und verkündet das „Jubeljahr des Herrn“ (vgl. 3.Mose 25,10). Das ist ein Wort, das einen neuen Sinn dadurch bekommen hat, dass Jesus es auf sich selbst bezogen hat (Lukas 4,21).
Allerdings sollten wir auch auf die Unterschiede achten: Der Ton ist viel bitterer, das Bild oft entsetzlich düster. Wie wenig will zum Beispiel das Überhandnehmen der Ungerechtigkeit, das in Kapitel 57 bezeugt wird, zu den Erwartungen und Verheißungen des Deuterojesaja passen, und auch die Heuchelei und Scheinheiligkeit, die in Kapitel 58 scharf gerügt wird. Im Ganzen liest sich das alles wie eine einzige Anklage nach innen: Wie kann es sein, dass dieses Volk nach allem, was an Katastrophen geschehen ist, und nach allem, was an Gottes Hilfe und Gottes Trost zu spüren war, nun wieder  in die alte Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit verfällt? Solche Überlegungen führen dann zu einer differenzierten Datierung und machen das „Hintereinanderweg-Lesen“ schwierig.

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