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Klima der Angst überwinden

Westfälische Landessynode

15. November 2016

Die westfälische Präses Annette Kurschus sieht die Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland durch ein gesellschaftliches Klima der Angst gefährdet.

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Mit dem Bericht von Präses Annette Kurschus hat die Landessynode 2016 begonnen. Foto: gmh

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Bielefeld (epd). In Zerrbildern und Schablonen werde alles als Bedrohung definiert, was fremd ist, sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen am Montag zum Auftakt der westfälischen Landessynode in Bielefeld. Sie rief dazu auf, die Probleme anzugehen und irrationale Ängste und Scheinlösungen zu entlarven.

"Menschen ernst zu nehmen heißt, gerade nicht zu erlauben, dass Ängste und Sorgen die gesellschaftliche Stimmungslage beherrschen", betonte Kurschus mit Blick auf den wachsenden Rechtspopulismus, der die Räume für mutiges politisches Handeln dramatisch einschränke. Vielmehr gelte es, den Menschen die Wahrheit zuzumuten und Lösungswege aufzuzeigen, ohne Probleme kleinzureden.

Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) warnte insbesondere vor Vereinfachungen in der Flüchtlingsdebatte. Der "Mechanismus des Hassens" beginne bereits bei oberflächlichen Blicken, undifferenzierten Argumenten und pauschalen Urteilen, sagte die 53-jährige Theologin. Es beschädige "die humanen und zivilen Grundlagen unseres Zusammenlebens", wenn Fremde stereotyp zu Problemträgern erklärt würden, statt sie zuerst als Menschen und Hilfsbedürftige wahrzunehmen.

Einen Dialog mit der AfD und anderen Rechtspopulisten hält Kurschus für "schwierig". Er müsse aber dennoch angestrebt werden, sagte sie in der Synodendebatte. Einen Ansatz zum Abbau von Verunsicherung sieht die Präses in mehr Begegnung mit Fremden. Hier liege auch eine Stärke von Kirchengemeinden.

Mit Blick auf das 500. Jubiläum der Reformation im kommenden Jahr sagte Kurschus, die weltoffene, globale Bewegung zur Erneuerung der Kirche habe die Welt bewegt und verändert. Bis heute sei die Reformation "ein sprechendes Beispiel dafür, dass Gemeinschaft Pluralität nicht nur verträgt, sondern nötig braucht".

Die Landessynode tagt bis Donnerstag. Sie verabschiedet den Haushalt der viertgrößten deutschen Landeskirche mit 2,3 Millionen Mitgliedern und entscheidet über eine Reihe von Vorlagen und Kirchengesetzen. Themen sind unter anderem das Pfarramt und das 500. Reformationsjubiläum. Außerdem wird ein Teil der Kirchenleitung neu gewählt.

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