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Eine Hand, die meine hält. Ein Mensch, der mit mir geht, mich unterstützt, in meiner Nähe bleibt. Das ist eine der schönsten Erfahrungen, die wir im Leben machen können. Für den Apostel Paulus ist klar, dass dieses Füreinander-da-Sein unabdingbar zum christlichen Glauben gehört. Jesus hat es vorgelebt: Diakonische Hilfe, Seelsorge und Begleitung im Leben wie im Sterben sind Ausdruck der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Foto: Gajus
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Pfarrer Thomas Lunkenheimer (links, 50) und Christian Schultz (51) leiten gemeinsam die Diakonie Stiftung Salem im Kirchenkreis Minden.

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Keiner lebt sich selber

Andacht

Dieser Artikel ist auch als Audiobeitrag verfügbar:



Von Thomas Lunkenheimer und Christian Schultz | 5. November 2016

Über den Predigttext zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr: Römer 14, 7-9

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Eine Hand, die meine hält. Ein Mensch, der mit mir geht, mich unterstützt, in meiner Nähe bleibt. Das ist eine der schönsten Erfahrungen, die wir im Leben machen können. Für den Apostel Paulus ist klar, dass dieses Füreinander-da-Sein unabdingbar zum christlichen Glauben gehört. Jesus hat es vorgelebt: Diakonische Hilfe, Seelsorge und Begleitung im Leben wie im Sterben sind Ausdruck der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Foto: Gajus
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Pfarrer Thomas Lunkenheimer (links, 50) und Christian Schultz (51) leiten gemeinsam die Diakonie Stiftung Salem im Kirchenkreis Minden.

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Predigttext
7 Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

Nichts kann uns aus Gottes Hand reißen. Im Leben wie im Sterben gehören wir zum Herrn. Wir hören diese Trostbotschaft angesichts der Abschiede von Menschen, die uns wichtig waren. Am Ende des Kirchenjahres hat das Gedenken der Verstorbenen seinen festen Ort.
Doch geht es dem Apostel Paulus nicht nur um Trost angesichts des Todes, sondern um Vergewisserung, worauf es im Leben ankommt. Denn wenn unser ganzes Leben Gott gehört, sind wir keine Einzelkämpfer, die auf sich gestellt sind.
Wir sind eingebunden in die Gemeinschaft der Kinder Gottes. Weil wir zu Gott gehören und ihm so sehr am Herzen liegen, ist auch das Ergehen unserer Mitmenschen für uns eine Herzensangelegenheit. Paulus hat das im 12. Kapitel seines Briefes mit dem Bild vom Leib Christi, dessen Glieder wir alle sind, anschaulich gemacht (Römer 12, 4-8).

Wir liegen Gott am Herzen

Als vor einem Jahr so viele Flüchtlinge zu uns kamen, war es für viele Christinnen und Christen eine Selbstverständlichkeit, den Hilfesuchenden beizustehen. Mitarbeitende unserer Diakonie, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, berichten davon, wie ihnen dieser Einsatz neu vor Augen geführt hat, warum sie eigentlich bei der Diakonie arbeiten. Aus den Gemeinden kann man ähnliche Stimmen hören.
Für andere da zu sein und nicht für sich selbst zu leben, das macht Kirche und Diakonie aus. Da kümmere ich mich um Menschen, die meine Hilfe brauchen. Ich verschließe mich nicht vor denen, die von anderen gemieden oder angefeindet werden. Paulus beschreibt einen Lebensstil, der auf andere Rücksicht nimmt, der die Mitmenschen im Blick hat und nicht um sich selber kreist. So hat Jesus selbst gelebt. Voller Mitgefühl, Wertschätzung und Liebe für die Menschen, die ihm begegnet sind.
In unseren Gemeinden und der Diakonie engagieren sich Tag für Tag Männer und Frauen, Jugendliche und sogar Kinder für Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Im Kleinen und im Großen, in Gemeindegruppen und Nachbarschaftsinitiativen, im CVJM oder in diakonischen Einrichtungen wie bei uns in der Diakonie Stiftung Salem. Sie folgen damit dem Beispiel Jesu und verdienen unsere höchste Anerkennung.

Ein Lebensstil, der nicht nur um sich selbst kreist

Allerdings hat Paulus nicht nur die Menschen im Blick, die andere unterstützen können. In seinen Worten kommen wir auch mit unserer eigenen Hilfsbedürftigkeit vor. Er weiß, dass jede und jeder von uns Hilfe braucht. An unterschiedlichen Stellen und zu unterschiedlichen Zeiten. Keiner kann ganz allein und auf sich gestellt leben. Sich das einzugestehen, fällt nicht immer leicht, ist aber ungeheuer befreiend. Denn es entlastet uns von dem Druck, alles selber schaffen zu müssen.
Und noch etwas ist Paulus wichtig: Keiner stirbt sich selbst. Niemand wird allein gelassen in den Nöten und Ängsten, die zu seinem Leben dazugehören. Das gilt auch am Lebensende – und noch darüber hinaus.
In unserer Friedhofsgruppe engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche, um mittellosen Menschen oder solchen ohne Angehörige ein würdevolles Begräbnis zu ermöglichen. So muss niemand ohne Trauerfeier und anonym bestattet werden. Das ist ein letzter Dienst, der noch einmal deutlich macht, dass wir alle im Leben wie im Sterben zu Gott gehören und Glieder am Leib Christi sind.

Achtsamkeit im Geist Jesu

Das alte Wort Dienstgemeinschaft drückt dieses gegenseitige Füreinander-da-Sein aus. Jede und jeder bringt sich mit ihren und seinen Gaben ein und wird zugleich unterstützt durch den Dienst der anderen. Diese Lebenshaltung gegenseitiger Achtsamkeit ist geprägt von dem Geist Jesu. Von eben dieser Art, sich um einander zu kümmern und füreinander da zu sein.
Nicht für sich selbst zu leben und nicht allein sterben zu müssen, weil wir alle gemeinsam zu Gott gehören – im Leben wie im Sterben. Gott sei Dank!

Gebet: Himmlischer Vater, hab Dank, dass wir nicht auf uns gestellt sind. Wir sind in deinen Händen geborgen und dürfen uns den hilfreichen Händen unserer Mitmenschen anvertrauen. Hilf uns zu erkennen, wo andere unsere Unterstützung brauchen und auch unsere eigene Hilfsbedürftigkeit einzugestehen. Schenk uns die nötige Kraft und den Mut, füreinander zu leben und dich damit zu ehren. Amen.

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