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Die Bibel lesen

Von Walter Schroeder | 3. September 2016

Woche vom 4. bis 10. September Sonntag: Psalm 127 Montag: 1. Makkabäer 2,29-41 Dienstag: 1. Makkabäer 2,42-48 Mittwoch: 1. Makkabäer 2,49–70 Donnerstag: 1. Makkabäer 3,1-26 Freitag: 1. Makkabäer 3,27-41 Samstag: 1. Makkabäer 3,42-60

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Anfangs waren zumindest große Teile der jüdischen Bevölkerung und sogar Priester durchaus offen für griechischen Lebensstil, in der Diaspora sowieso. Aber irgendein vielleicht ganz kleiner Anlass löste den Konflikt aus. Eine dramatische Eskalation des Hasses und der Gewalt begann.
Der Gegner war für die Juden jener berüchtigte Antiochus IV. mit dem Beinamen Epiphanes. Dieser Herrscher war wegen seiner Kriegszüge in ständiger Geldnot. Das könnte ein Motiv dafür gewesen sein, dass er im Jahre 169 v. Chr. die Querelen innerhalb der Jerusalemer Priesterschaft ausnutzte. Beim Einsetzen eines gewissen Menelaos in das Amt des Hohepriesters „hieß“ er das kostbare Inventar des Tempels „mitgehen“. Offenbar hat er dabei sogar selbst – ein freier Grieche eben – das Allerheiligste betreten (1. Makkabäer 1,17-28, vgl. auch 2. Makkabäer 5,15ff.). Das führte zu einem Eklat und verursachte wahrscheinlich einen regelrechten Aufruhr, wie die Gegenmaßnahmen des Königs erkennen lassen: Der ließ nämlich auf dem Rückzug von Ägypten gewissermaßen nebenbei Jerusalem von einem seiner Truppenzüge überfallen, plündern, ausbrennen und die Mauern und Sicherheitsanlagen radikal schleifen. Jerusalem wurde, obwohl Teil des Reiches, als feindliche Stadt behandelt, schließlich wurde ein abgegrenztes Sicherheitsareal gebaut, das unter dem Namen „Akra“ bekannt wurde. Da wurden dann loyale Bürger angesiedelt, in den Augen der Juden „gottloses Volk“. Diese Akra wurde mit Verpflegung und Waffen versehen, während das übrige Jerusalem wehrlos wurde. Diese Festung in der Stadt wurde zu einem empfindlichen Stachel im Fleisch des jüdischen Volkes.
Es kam aber noch schlimmer: Jener Antiochus IV. Epiphanes verlor im Konflikt jedes Maß und Ziel. Er verbot jedwede gottesdienstliche Handlung, kein Feiertag durfte mehr begangen werden. Die herkömmlichen Opfer, die damals ja auch so etwas wie eine Kultsteuer waren und die die Versorgung der Tempelmitarbeiter gewährleisteten, wurden strikt verboten. Der Sabbat durfte nicht mehr eingehalten werden, und nicht zuletzt: Neugeborene Knaben durften nicht mehr nach uralter Sitte beschnitten werden, das entsprach nicht dem griechischen Körperideal. Stattdessen wurde auf dem Tempelberg ein Heiligtum des olympischen Zeus errichtet. Im Jahr 167 v. Chr. wurde dieses „Gräuel der Verwüstung“ aufgerichtet, beschreibt 1. Makkabäer 1,54 dieses Drama voller Abscheu und Entsetzen.

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