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Wer kommt in meine Arme? Dieser Ruf funktioniert bei Kindern (fast) immer. Es ist ja auch zu schön, sich einfach fallen zu lassen – im vollen Vertrauen darauf, dass diese Arme ganz bestimmt auffangen und halten. Die Freude, die das kleine Mädchen dabei ausstrahlt, erkennt der Autor des Epheser-Briefes auch bei Christinnen und Christen: Kinder des Lichts nennt er sie. Strahlende Menschen, die das Vertrauen in Gott leben und weitergeben. Foto: Anatoly Tiplyashin
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Christine Grans (53) ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hennen und Vorsitzende des Westfälischen Verbandes für Kindergottesdienst der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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Einfach strahlen

Andacht

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Christine Grans | 15. Juli 2016

Über den Predigttext zum 8. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 5, 8b-14

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Wer kommt in meine Arme? Dieser Ruf funktioniert bei Kindern (fast) immer. Es ist ja auch zu schön, sich einfach fallen zu lassen – im vollen Vertrauen darauf, dass diese Arme ganz bestimmt auffangen und halten. Die Freude, die das kleine Mädchen dabei ausstrahlt, erkennt der Autor des Epheser-Briefes auch bei Christinnen und Christen: Kinder des Lichts nennt er sie. Strahlende Menschen, die das Vertrauen in Gott leben und weitergeben. Foto: Anatoly Tiplyashin
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Christine Grans (53) ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hennen und Vorsitzende des Westfälischen Verbandes für Kindergottesdienst der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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Predigttext
8b Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn‘s vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Sie lacht. Alles an ihr freut sich. Sie hüpft auf und nieder. Ihre braunen Locken fliegen durch die Luft. Sie winkt heftig und läuft fröhlich auf mich zu.
Gleich wird sie meine Beine umschlingen, als würde sie mich am liebsten in den Arm nehmen. Das kann sie nicht, denn dazu ist sie zu klein.
So fröhlich begrüßt mich das etwa dreijährige Mädchen jedes Mal. Man muss genau hinschauen, um ihre Behinderung zu erkennen. Man muss wissen, dass sie es nicht leicht hat zuhause, mit den Eltern und den vielen Geschwistern. Die können alles besser als sie und lassen sie das auch spüren. Und die fast alleinerziehende Mutter lässt sie kaum aus den Augen. Wer weiß, was das Kind sonst anstellt oder was ihr zustoßen mag! Der Vater dagegen, der ist nur selten da. Immer muss er arbeiten.

So muss ein Kind des Lichts aussehen

Das Leben dieses Mädchens ist sicher oft dunkel und traurig. Aber sie hat immer gute Laune. Sie freut sich an anderen Menschen. Und mit ihnen. Sie strahlt aus ganzem Herzen, obwohl wir uns nur vom Sehen kennen. Wir sind uns nicht besonders vertraut.
An dieses Kind denke ich, wenn ich den Text aus dem Epheserbrief lese: Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8f.)
So muss ein Kind des Lichts aussehen, denke ich: Einfach nur glücklich, obwohl sein Leben sicher nicht leicht ist.
Ich stelle mir vor: So einfach könnte es sein, als Kind des Lichts zu leben. Das Licht strahlt aus einem heraus. Einfach so. Jeder kann es sehen. Jede darf sich daran freuen.
Sich mitfreuen. Mitstrahlen.
Denn so geht es mir, wenn ich das Mädchen sehe: Ich muss lächeln. Ich kann nichts dagegen tun. Ich ertappe mich dabei, wie ich ein paar Schritte schneller gehe, wenn ich sie sehe, um dem Mädchen früher zu begegnen. Ich freue mich an seiner Freude, fühle mich herzlich begrüßt, angenommen und wertgeschätzt. Einfach so. Ohne etwas dafür getan zu haben! Ich fühle mich erhellt. Bin belebt und gehe mit dieser kleinen Begrüßung und Umarmung beschwingt weiter. Die Freude des Kindes trägt mich ein Stück, sogar wenn ich vorher wütend war, angespannt oder schlecht gelaunt.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn‘s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Was der Verfasser des Epheserbriefes an eine junge Gemeinde schreibt, gilt auch uns: Wer zu Gott gehört, wer Jesus glaubt, wer bewegt ist vom Heiligen Geist, ist Licht in dem Herrn. Wer getauft ist im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, der und die ist ein Kind des Lichts. Ob er will oder nicht. Ob sie dazu Lust hat oder nicht. Man muss nur als Kind des Lichts leben. Das ist alles.

So leicht – und so schwer

So leicht – und so schwer. Prüfen, was Gott wohlgefällig ist. Die Werke der Finsternis mit seinem Licht erleuchten und aufdecken.
An unseren Früchten wird man uns erkennen. An den Früchten des Lichts: Lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Nicht mehr. Und nicht weniger.
An unseren Früchten wird man uns erkennen. An der einfachen Freude eines Kindes, das lacht und springt und strahlt.
Licht – geschenkt. Einfach so.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Gebet: Gott, lass dein Licht leuchten in meine Dunkelheit. Mach mich hell, dass ich strahle und wärme. Lass dein Licht leuchten: Aus meinen Augen. Aus meinem Leben. In meinen Worten und Taten. Die Frucht deines Lichts ist Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Lass dein Licht Früchte tragen durch mich. Amen.

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