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Die Konfirmation steht in einem zunehmenden Konkurrenzkampf mit der Jugendweihe, besonders in den östlichen Bundesländern. Kann eine Segensfeier eine Brücke zu Glauben und Kirche bauen? Foto: epd

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Segensfeier statt Konfirmation oder Jugendweihe?

Kirchenfeste

Karin Vorländer

Im säkularisierten Kontext Ostdeutschlands werden neue Formen religiöser Jugendfeiern erprobt

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Die Konfirmation steht in einem zunehmenden Konkurrenzkampf mit der Jugendweihe, besonders in den östlichen Bundesländern. Kann eine Segensfeier eine Brücke zu Glauben und Kirche bauen? Foto: epd

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In den östlichen Bundesländern nehmen nur noch etwa 14 Prozent der Jugendlichen an der Konfirmation teil. Gerade einmal 4000 Jugendliche werden in diesem Jahr in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zwischen Palmsonntag und Pfingstsonntag konfirmiert. „Bei uns haben die meisten Menschen schon in der dritten Generation keinen Kontakt zur Kirche. Nur noch 13 bis 25 Prozent aller Kinder sind überhaupt noch getauft“, erklärt Stefan Brüne, Referent für schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit der EKM.

Ein Fünftel lässt Kinder nicht mehr taufen

Diese Zahl wird in Zukunft womöglich noch kleiner sein, denn etwa ein Fünftel der unter 30-jährigen Kirchenmitglieder in Deutschland lassen ihre Kinder nicht mehr selbstverständlich taufen. Diesen Abbruchprozess zeigt die jüngste Erhebung zur Kirchenmitgliedschaft der EKD von 2014. Für die Diplomtheologin Emilia Handke, die an der Universität Halle über „Religiöse Jugendfeiern zwischen Konfirmation und Jugendweihe“ promoviert, liegen die Folgen auf der Hand: „Für Jugendliche, die nicht getauft und nicht wenigstens partiell religiös-kirchlich sozialisiert sind, ist es nicht mehr logisch, sich konfirmieren zu lassen.“
Etwa 30 bis 40 Prozent der ostdeutschen Jugendlichen nehmen das Angebot der Jugendweihe wahr, ein unkirchliches Übergangsritual an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Jugendweihe wurzelt in einer freireligiösen und freidenkerischen Tradition und hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert.
Die kleine Zahl der Jugendlichen, die sich in Ostdeutschland (noch) konfirmieren lässt, hält Emilia Handke für eine Situation, in der man mögliche künftige Entwicklungen in ganz Deutschland wie in einem Labor beobachten und auch einiges ausprobieren könne: In dieser herausfordernden Situation seien neue Angebote und Wege möglich und gefragt. Wie etwa das Projekt Segensfeier aus Sachsen-Anhalt, das vom Verein „Andere Zeiten“ gerade als „originelle christliche Idee“ ausgezeichnet wurde.
Auf Bitte von Eltern, die ihre Kinder weder konfirmieren noch an der Jugendweihe teilnehmen lassen wollten, gibt es seit 2011 an der 2007 gegründeten Evangelischen Sekundarschule Haldensleben eine Segensfeier in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeinde. Gestaltet wird die Vorbereitung, die im Klassenverband stattfindet, gemeinsam von einer Lehrerin und Gemeindepädagoge Robert Neumann. In diesem Jahr haben sich 43 von 46 Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe zur durchaus zeitintensiven wöchentlichen Vorbereitung der Segensfeier angemeldet, an deren Gestaltung sie intensiv mitarbeiten. Die allermeisten sind konfessionslos. Über 200 Familienangehörige und Gäste werden in der Kirche dabei sein, wenn sie feierlich von ihrer Kindheit Abschied nehmen und für ihren Weg ins Erwachsenenleben persönlich gesegnet werden.
Thematisch geht es in den wöchentlichen Treffen um lebensbiographische Fragen von Verantwortung, Vertrauen, Lebenszielen und Lebensgestaltung. Auch ein Sozialprojekt, eine Fahrt, in der die Fragen, was Segen eigentlich ist und wie Beten „funktioniert“ im Mittelpunkt stehen, und ein zehnstündiger Sozialdienst etwa in einem Seniorenheim gehören zur Vorbereitung.
Schulleiterin Pia Kampelmann, die das Projekt mit entwickelt hat, sieht in der Segensfeier die Chance, „eine Brücke zu Glaube und Kirche zu bauen. Ob die Jugendlichen über diese Brücke gehen, wissen wir nicht“. „Vielleicht“, so hofft sie, „ist die Segensfeier ein Saatkorn, das erst später aufgeht“.
Den oft gehörten Vorwurf, mit der Segensfeier grabe sie der Konfirmation das Wasser ab, kann Pia Kampelmann inzwischen entkräften. Denn etliche Schülerinnen und Schüler nehmen sogar beide Angebote wahr. Besonders freut sie, dass sich die ersten konfessionslosen Jugendlichen sogar haben taufen lassen. Wichtig ist ihr, dass die Jugendlichen, die ihrer Erfahrung nach begeistert und mit großem Ernst bei der Sache sind, ein positives Erleben mit Kirche verbinden.

Konfirmation: Gräbt Segensfeier das Wasser ab?

Inzwischen bieten andere Evangelische Sekundarschulen Segensfeiern nach dem Haldenslebener Vorbild an. Etwa 25 ähnliche Angebote finden mittlerweile in den östlichen Bundesländern regen Zuspruch. In Halle gibt es in ökumenischer Zusammenarbeit ein ähnliches, nicht an eine Schule angebundenes Angebot zur Begleitung des Übergangs von der Kindheit ins Erwachsenenleben. In der katholischen Offenen St. Moritz-Kirche haben sich zur Feier der Lebenswende in diesem Jahr bereits 500 Jugendliche angemeldet.
Während die neuen Formen offenbar bei den Jugendlichen gut angenommen werden, sorgen sie innerkirchlich für kontroverse Diskussion. „Wir ringen noch um eine theologische Bewertung“, so Pfarrer Steffen Weusten, Konfirmandenbeauftragter und Dozent am Pädagogisch-Theologischen Institut der EKM. Diskutiert wird nicht nur darüber, ob man sich mit der Segensfeier selbst Konkurrenz zur Konfirmation mache, sondern auch darüber, ob die weniger werdenden Pfarrer und Jugendreferenten Kraft für Konfirmation und Segensfeier haben und darüber, welche der beiden Formen Vorrang haben soll.

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