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Gute Perspektiven verheißt eine Studie einem großen Teil der evangelischen Gemeinden. Doch Ideen sind nach wie vor gefragt. Grafik: Marco2811

Kirchengemeinden haben viel Potenzial

Studie zu Perspektiven

Aus dem Archiv (20.05.2015)

Jede zweite evangelische Kirchengemeinde weist einer Erhebung zufolge positive oder sehr positive Zukunftsperspektiven auf.

Kirchengemeinden seien nicht nur die Basis der Kirche, sondern hätten auch eine wichtige soziale Funktion im Gemeinwesen, folgert Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), aus einer repräsentativen Studie zu den evangelischen Kirchengemeinden, die in Hannover veröffentlicht wurde. ## Trotz demografischer Probleme sei das zivilgesellschaftliche Potenzial der Kirchengemeinden beachtlich. Für die Erhebung wurden rund 1.500 der mehr als 14.700 evangelischen Kirchengemeinden zur Motivation der Kirchenvorstände und zur Ausrichtung der Gemeindearbeit befragt. Bundesweit sind in den Kirchenvorständen, Gemeindekirchenräten und Presbyterien rund 130.000 Frauen und Männer ehrenamtlich engagiert. Die Mitglieder in Kirchenvorständen seien überdurchschnittlich gebildet, berufstätig und in den »besten Jahren«, ergab die Befragung. Etwa ein Drittel sei noch in der ersten Amtszeit tätig. Große Unterschiede zwischen den Kirchengemeinden bestehen der Studie zufolge je nach Ortslage und Region. Der Typ der »zufriedenen Wachstumsgemeinde« finde sich überwiegend in westdeutschen Dörfern, im städtischen Einzugsgebiet sowie in Großstädten. In Ostdeutschland identifizierten die Autoren den Typ »verhaltene optimistische Kirchengemeinde« und den Gemeindetyp »Phönix aus der Asche«: Dort wage eine zahlenmäßig kleine Gruppe einen Neuanfang. Besonders wichtig sind den Kirchenältesten der Studie zufolge Konfirmandenarbeit, Gottesdienst, Gemeindebrief und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Soziale und religiöse Ausrichtung von Gemeindeaktivitäten schlössen sich nicht gegenseitig aus. »Das faktische Angebot an Arbeit mit Jugendlichen und mit Familien bleibt jedoch weit hinter der ihnen zugemessenen Bedeutung zurück«, gibt die Projektleiterin Hilfe Rebenstorf zu bedenken. Ursachen für negative Entwicklungen würden überwiegend auf gesellschaftliche Trend wie den demografischen Wandel, wachsende religiöse Indifferenz oder Spar- und Strukturmaßnahmen zurückgeführt. Kooperationen mit anderen Kirchengemeinden seien in Einzelbereichen sehr weit verbreitet, lautet ein weiterer Befund. Dichte Kontakte bestünden zu kommunalen Gremien, Schulen, Vereinen und katholischen Nachbargemeinden. Häufig werde auch mit Betrieben und Unternehmen, mit Kindergärten und Krankenhäusern nichtkirchlicher Träger, mit Selbsthilfegruppen und Kultureinrichtungen zusammengearbeitet. »Auffallend groß ist die Distanz zu übergeordneten kirchlichen Ebenen«, ergab die Studie. Dies sei nicht Ausdruck eines schlechten Verhältnisses, sondern resultiere daraus, dass vielen Kirchenältesten Aktivitäten und Initiativen anderer kirchlicher Ebenen nicht bekannt seien. epd