hg
Homosexuelle Paare können sich in der EKvW jetzt in öffentlichen Gottesdiensten segnen lassen. Foto: Arrow Studio

Homosexuelle Paare können sich segnen lassen

EKvW beschließt nach emotionaler Debatte:

Aus dem Archiv (20.11.2014)

Homosexuelle Paare können sich in der Evangelischen Kirche von Westfalen künftig zwar nicht trauen, aber in einem öffentlichen Gottesdienst segnen lassen.

Die westfälische Landessynode beschloss am Donnerstag in Bielefeld nach emotionaler Debatte und mit großer Mehrheit, einen solchen Gottesdienst ähnlich wie bei einer Trauung von Eheleuten zu ermöglichen. Mindestens einer der eingetragenen Lebenspartner muss evangelisch sein. ## Bislang konnten gleichgeschlechtliche Paare lediglich in einer nicht-öffentlichen Feier im Rahmen einer Andacht gesegnet werden. Die öffentliche Segnung soll in einem eigenen kirchlichen Verzeichnis dokumentiert werden. Die Gestalt des Gottesdienstes werde stark dem traditionellen Traugottesdienst zwischen Mann und Frau ähneln, hieß es. Die Kirchenleitung soll den Gemeinden entsprechendes liturgisches Material zur Verfügung stellen. Pfarrer können eine solche Segnung aus Gewissensgründen ablehnen. Dann soll der Superintendent dafür sorgen, dass der Segnungsgottesdienst gefeiert wird. Die Segnung im Gottesdienst sei ein längst überfälliger Schritt, urteilt der westfälische Pfarrer Thorsten Maruschke von »Homosexuelle und Kirche« (HuK). Allerdings passe sich die Kirche damit rechtlich lediglich dem an, was eigentlich längst Praxis sei, sagt der Pfarrer der Gemeinde Herzebrock-Clarholz. Wenn Paare zu Kollegen kämen und um eine Segnung bitten, gebe es in der Regel Gottesdienste, die sich stark an die Liturgie eines Trauungs-Gottesdienstes anlehnten. Der HuK geht der Schritt noch nicht weit genug. Maruschke wirbt dafür, die gottesdienstliche Segnung mit einer Trauung gleichzustellen. Homosexuelle Segnungen in einem eigenen Register zu vermerken, und nicht wie heterosexuelle Eheschließungen ins Kirchenbuch einzutragen, kritisiert er als »halbgar«. Das Ziel sei ja gewesen, Diskriminierung abzubauen. »Dann wird aber doch ein Unterschied gemacht und es bleibt ein Rest Diskriminierung«, sagte der Theologe. Auch der Bielefelder Pfarrer Alfred Menzel, sieht Unterschiede zur Trauung »weder als theologisch noch zivilrechtlich begründet.« Er sei aber froh, dass die Andacht für Lebenspartnerschaften vom Tisch sei. Diese Ungleichbehandlung sei ein Ärgernis gewesen, kritisiert Menzel, der er nach eigenen Worten der erste westfälische Pfarrer war, der offiziell mit seinem Partner im Pfarrhaus lebt. Wenn die Kirche homosexuellen Paaren eine Trauung gewähre, werde doch keine Ehe benachteiligt, sagt Menzel, der ebenfalls bei der HuK engagiert ist. Er habe erlebt, welche Freude man homosexuellen Menschen mit einer Trauung gewähre. In seiner Gemeinde gibt es einen Beschluss des Presbyteriums, nach dem es keinen Unterschied zwischen einer Trauung und einer Segenshandlung für Lebenspartnerschaften geben soll. epd