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Da hinein bitte: 22 Prozent der Kirchensteuereinnahmen gehen zurzeit in die Versorgungskasse zur Sicherung der Pensionen. Foto: Berchtesgaden

Die Pensionen sind sicher

Versorgungskasse der Pfarrer

Aus dem Archiv (10.02.2014)

Wenn es um kirchliche Finanzen geht, ist auch die Versorgungskasse ein Thema.

Gerade wurde auf der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland w ieder diskutiert, ob die Beiträge, die hier für die Pensionen der Pfarrerinnen und Pfarrer eingezahlt werden, nicht zu niedrig sind. Fragen und Antworten zur Organisation, zum Kapital und zu den Anlageformen der kirchlichen Kasse, zusammengestellt von Anke von Legat.## Sind die Pensionen der Pfarrerinnen und Pfarrer sicher? Ja. Die evangelischen Kirchen in Lippe, dem Rheinland und Westfalen sind rechtlich verpflichtet, ihre Pensionäre zu versorgen. Woher kommt das Geld dafür? Das Geld dafür kann auf zweierlei Arten aufgebracht werden: Entweder durch das sogenannte Umlageverfahren, bei dem die Altersbezüge direkt aus den laufenden Kirchensteuereinnahmen gezahlt werden. So wird es etwa bei Landes- und Bundesbeamten gehandhabt. Der Nachteil: Wenn die Zahl der Pensionäre steigt und gleichzeitig die Zahl der Kirchensteuerzahler abnimmt, müsste ein immer höherer Prozentsatz der Gesamteinnahmen für die Altersversorgung der pensionierten Pfarrerinnen und Pfarrer aufgewendet werden. Dann, so die Sorge, könnte die Kirche ihren eigentlichen Auftrag nicht mehr erfüllen. Die zweite Möglichkeit ist das Kapitaldeckungsverfahren, bei dem so viel Kapital bereitgestellt wird, dass die Pensionen aus dem Kapitalstock samt Zinsen und Erträgen gezahlt werden können. Die drei Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen sind seit 1971 dabei, gemeinsam einen solchen Kapitalstock aufzubauen. Alle Pensionen der lippischen, rheinischen und westfälischen Kirchen werden also aus einem Topf bezahlt. Die Kapitaldeckung liegt im Moment bei 50 Prozent. Eine Kapitaldeckung von 100 Prozent soll etwa um das Jahr 2040 erreicht werden; dafür fehlen noch rund 2,19 Milliarden Euro. Mit welchem Geld wird dieser Kapitalstock ausgebaut? Zum einen aus den Pauschalen, die jede Gemeinde für ihre Pfarrstelle berechnet – in Westfalen zur Zeit 94 000 Euro im Jahr. Darin ist der Betrag enthalten, der zurückgestellt werden muss, um eine Kapitaldeckung der Pension für genau diese Pfarrstelle zu erreichen. Diese Form der „Ansparung“ für die Pension gibt es aber erst seit 2009. Vorher hat man nicht so konsequent gehandelt. Daher müssen die Landeskirchen jetzt über die in den Pauschalen enthaltenen Versorgungskassenbeiträge hinaus Geld zurückstellen – insgesamt 22 Prozent ihres jeweiligen Kirchensteueraufkommens. Die rheinische und die westfälische Kirche haben außerdem in den vergangenen Jahren einen Teil ihrer unerwartet hohen Kirchensteuer-Einnahmen zurückgelegt, um die Versorgungskasse noch schneller aufzufüllen. Diese zusätzlichen Rückstellungen liegen jedoch bisher auf Sonderkonten und sind noch nicht dem gemeinsamen Kapital zugeflossen. Wie wird das Geld angelegt? Das Kapital wird nach Auskunft der Versorgungskasse zu rund 25 Prozent in Aktien angelegt, zu rund 5 Prozent in Immobilien und zu 70 Prozent in fest verzinslichen Rentenpapieren. Davon entfällt den Angaben nach der über wiegende Teil auf Euro-Papiere mit hoher Sicherheit. Beigemischt sind Anleihen in fremder Währung und ausgewählte Zinspapiere mit höheren Risiken und entsprechenden Zinsaufschlägen. Das Verzinsungsziel für alle Anlagen zusammen liegt bei 4,5 Prozent und wird im Durchschnitt übertroffen. Wird bei der Anlage auf ethische Kriterien geachtet? Eine Arbeitsgruppe „Kirchliches Investment“ in der Evangelischen Kirche in Deutschland hat einen Leitfaden für eine ethische und nachhaltige Anlagepraxis der kirchlichen Investoren entwickelt. Darin werden etwa Ausschlusskriterien wie Rüstungsvorhaben oder Kinderarbeit genannt. Als Großanlegerin praktiziert die Versorgungskasse nach eigenen Angaben ein „aktives Aktionärstum“, um gemeinsam mit anderen Anlegern Einfluss auf die Entscheidungen bestimmter Konzerne zu nehmen. Allerdings, so betont Wolfram Gerdes, Vorstand für Kapitalanlagen und Finanzen, könne bei den weltweiten Aktivitäten der Versorgungskasse nicht jede Einzelne von mehreren tausend Investitionen selber überprüft werden. Außerdem müsse immer eine Abwägung von ethischen Kriterien, Rendite und Sicherheit getroffen werden, um die Versorgung der Pensionäre nicht zu gefährden. Was sind die Risiken für die Versorgungskasse? Das mit Abstand größte Risiko liegt in der Möglichkeit anhaltend niedriger Zinsen – im Moment sind die besonders in Deutschland historisch niedrig. Das kann durch eine breite internationale Fächerung der Anlageformen zwar gemildert werden, aber nicht beliebig lange. Sollte die derzeitige Niedrigzins-Phase noch jahrelang anhalten, muss über eine Beitragserhöhung nachgedacht werden. Die zweite Schwierigkeit stellt die steigende Lebenserwartung dar, die bei Pfarrerinnen und Pfarrern und ihren Hinterbliebenen noch da zu besonders hoch ist. Diese Entwicklung ist nach Angaben der Versorgungskasse jedoch recht zuverlässig kalkulierbar und in den Beiträgen bereits berücksichtigt. In regelmäßigen Abständen werden die Annahmen, die der Berechnung zugrunde liegen, mit versicherungsmathematischen Gutachten überprüft. Bisher, so die Auskunft der Versorgungskasse, sei damit zu rechnen, dass der Beitragssatz von 22 Prozent der Kirchensteuereinnahmen ausreichend ist.