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Auf dem Schrott gelandet sind anscheinend vier Bronzetafeln, die an den Hunsrücker Pfarrer Paul Schneider erinnerten. Foto: Fotolyse

Habgier vor Pietät: Metalldiebe stehlen Gedenktafeln

»Prediger von Buchenwald«

Aus dem Archiv (02.09.2011)

Von einer Gedenkstele für den von den Nazis ermordeten Hunsrücker Pfarrer Paul Schneider sind vier Bronzeplatten offenbar von Metalldieben gestohlen worden.

Die Bronzeskulptur für den »Prediger von Buchenwald« war 1997 zum 100. Geburtstag von Paul Schneider in seinem Geburtsort Pferdsfeld im Kreis Bad Kreuznach aufgestellt worden. Wie die Paul-Schneider-Gesellschaft mit Sitz in Weimar mitteilte, war der Diebstahl der Polizei im Juli gemeldet worden.## Bekannt wurde er, als die vier noch lebenden Kinder von Paul Schneider gemeinsam mit Vertretern der Gesellschaft die Gedenkstätte besuchten. »Wir sind alle erschrocken«, sagte Karl-Adolf Schneider, der Sohn von Paul Schneider. Die vier Tafeln des Kirner Malers, Grafikers und Bildhauers Karlheinz Brust zeigten Stationen aus dem Leben des Pfarrers, der 1939 im KZ Buchenwald ermordet wurde. Der Sachschaden beläuft sich nach Angaben des Kirchenkreises An Nahe und Glan auf etwa 1.000 Euro. Die Polizei hat nach eigenen Angaben bislang noch keinen Hinweis auf die Täter. Als einen »pietätlosen und barbarischen Akt« bezeichnete Marion Unger, nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, den Diebstahl. Der Kirchenkreis fühle sich dem Gedenken an Paul Schneider in besonderer Weise verpflichtet, sagte Unger, die als Synodalälteste auch dem Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises angehört. Sie könne sich vorstellen, eine Initiative anzustoßen, um die gestohlenen Bronzeplatten durch Repliken zu ersetzen, sagte Unger. Das Paul-Schneider-Gymnasium in Meisenheim halte mit Besuchen von Jugendlichen an dieser Gedenkstätte in Pferdsfeld seit mehr als 60 Jahren die Erinnerung an »den unerschrockenen Gegner der Nationalsozialisten« wach, sagte Unger. Das Dorf Pferdsfeld war Anfang der 1980er-Jahre wegen der Nähe zum damaligen Bundeswehr-Flughafen aufgegeben worden. Der ehemalige Ort gehört heute zu Bad Sobernheim. epd