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Skeptisch: Martin Dutzmann, Militärbischof und Landessuperintendent in Lippe. Foto: Uwe Rottkamp

Töten nur als letztes Mittel gerechtfertigt

Bin Laden: Militärbischof ist skeptisch

Aus dem Archiv (02.05.2011)

Der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann hat die Tötung des Terroristenführers Osama bin Laden durch US-Soldaten als zwiespältig bewertet.

»Bin Laden war ein gefährlicher Verbrecher, der fürchterliches Leid über die Menschen gebracht hat«, sagte der Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem epd. Die Tötung eines Menschen sei ethisch jedoch nur als äußerstes Mittel zur Gefahrenabwehr zu rechtfertigen.## Das könne aber erst dann abschließend beurteilt werden, wenn bekannt sei, was die Einsatzkräfte vorher unternommen haben, um Bin Laden lebend gefangen zu nehmen, sagte Dutzmann. Es dürfe nicht auf diesem Weg eine Todesstrafe eingeführt werden, noch dazu ohne ein Gerichtsverfahren, mahnte der Theologe, der im Hauptamt Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche ist. Dutzmann kritisierte Äußerungen aus der Bundesregierung, der Tod des Al-Kaida-Anführers sei eine gute Nachricht. »Eine gute Nachricht wäre es gewesen, wenn er festgesetzt worden wäre und einem geregelten Gerichtsverfahren zugeführt worden wäre«, sagte Dutzmann. Zudem befürchtet der Militärbischof, dass der Tod von Bin Laden zu einer Eskalation des Terrors führen könnte. »Man sollte sich nicht vormachen, man könnte mit der Tötung eines Terroristen den Terrorismus besiegen«, sagte der Theologe. Für die Bundeswehr wird es nach Auffassung Dutzmanns keine vergleichbaren Einsätze geben. Die Frage, wann das Töten legitim sei, stelle sich jedoch auch für die Bundeswehr in Afghanistan jedes Mal wieder neu. Es gehe dort nicht um einen Krieg zwischen Staaten, sondern um eine asymmetrische Bedrohung durch Terroristen. Dutzmann erinnerte an die Debatte über die von einem Bundeswehroberst angeordnete Bombardierung eines Tanklastzuges in Afghanistan, der von Terroristen gekapert worden war. epd